Dachser wächst deutlich schneller als die Konkurrenz
Dachser übertrifft Ziele und wächst schneller als Branche

Der Allgäuer Logistikkonzern Dachser wächst in einem schwierigen Marktumfeld deutlich schneller als die Konkurrenz. Das Unternehmen steigerte seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um 7,9 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro, wie das Handelsblatt berichtet. Damit übertrifft Dachser die eigenen Erwartungen: Für das Gesamtjahr war ursprünglich nur ein Wachstum von drei Prozent prognostiziert worden. „Wir sind überzeugt, dass wir das übererreichen“, sagt CEO Burkhard Eling.

Strategie in volatilen Zeiten

Die weltweiten Lieferketten stehen seit Jahren massiv unter Druck, zuletzt durch den Irankrieg. In diesem Umfeld setzt Dachser auf ein flexibles Netzwerk und antizyklische Investitionen. „Wir profitieren jetzt zudem davon, dass wir auch in schwächeren Zeiten antizyklisch Kapazitäten aufgebaut haben“, erklärt Eling. Dies ermöglicht es dem Unternehmen, Kunden auch in Krisen zuverlässig zu beliefern und Marktanteile zu gewinnen.

Der Branchenvergleich verdeutlicht das starke Abschneiden: Die sogenannten Logistikweisen – eine Gruppe von Branchenexperten aus Wissenschaft und Industrie – rechnen in ihrem Basisszenario für den Logistikstandort Deutschland nur mit einem Wachstum von rund 0,5 Prozent. Der Logistik-Indikator von Bundesvereinigung Logistik (BVL) und Ifo-Institut verbesserte sich zwar im Juni, die Stimmung für die kommenden Monate bleibt jedoch getrübt.

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Krisenmanagement als Wettbewerbsvorteil

„Bei Ausbruch des Irankriegs sind wir ähnlich wie zu Coronazeiten sofort in den Krisenmodus gegangen“, berichtet CEO Eling. Dachser habe schnell Ausweichrouten gesucht, etwa für Luftfracht, und sich rasch eingespielt. Ein dichtes Netzwerk mit vielen Alternativen sorge für eine bessere Resilienz, wenn einzelne Routen oder ganze Regionen ausfallen.

Ein Beispiel für diese Netzwerkstrategie ist das neue Logistikzentrum in Marokko, das größte Investment außerhalb Europas in der Konzerngeschichte. Das Zentrum in der Nähe von Rabat soll zunächst den Handel zwischen Marokko und der EU abwickeln. „Auf längere Sicht kann es aber auch zur Drehscheibe für den Handel Europas mit Westafrika werden“, sagt M'hamed Chraibi, Geschäftsführer von Dachser Marokko.

Wachstumsmarkt Marokko

Dachser ist seit 40 Jahren in Marokko aktiv. Zwischen 2018 und 2024 hat sich der Umsatz dort verdreifacht. Der Markt wächst aktuell um zehn bis 15 Prozent jährlich. „Dachser wird schneller als der Markt wachsen, weil wir mit dem neuen Hub in Tanger dem Wettbewerb voraus sind“, prognostiziert Chraibi. Die gesamte Logistikbranche blickt auf das nordafrikanische Land, da der Außenhandel zwischen Deutschland und Marokko laut Destatis im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert von 7,4 Milliarden Euro gestiegen ist – fast doppelt so viel wie 2021.

Zwar gibt es Risiken, etwa hohe Ölpreise, wie die bundeseigene Außenwirtschaftsagentur Germany Trade & Invest (GTAI) warnt. Doch bleibe Marokko ein attraktiver Standort für Produktionsverlagerungen aus Europa und Industrieinvestitionen mit Exportfokus. „Wir sind seit 40 Jahren in Marokko. Das hilft uns jetzt, wenn das Land mehr in den Fokus der Kunden rückt“, sagt CEO Eling. Viele Unternehmen nutzten Marokko als Nearshoring-Standort, um ihre Lieferketten widerstandsfähiger zu machen.

Infrastruktur und zukünftige Investitionen

Marokko hat in den vergangenen Jahren massiv in die Infrastruktur investiert, unter anderem in Sonderwirtschaftszonen für die Auto- und Luftfahrtindustrie sowie Bahntechnik. Dies habe attraktive Bedingungen für Fertigungsindustrie geschaffen, die etwa Kabelproduzenten nach dem russischen Überfall auf die Ukraine nutzten, als sie Teile ihrer Produktion aus der Ukraine verlagern wollten.

Das neue Logistikzentrum soll 2027 in Betrieb gehen. Weitere Investitionen und Zukäufe sind geplant. Dachser wurde vor fast 100 Jahren in Kempten gegründet und beschäftigt heute rund 37.500 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr steigerte der Konzern den Umsatz in schwierigem Umfeld um drei Prozent auf erstmals 8,3 Milliarden Euro. Das Plus war vor allem auf Zukäufe zurückzuführen; organisch betrug das Wachstum nur 0,3 Prozent. Während die Luft- und Seelogistik unter Druck stand, legte die Lebensmittellogistik deutlich zu.

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Finanzstärke für weiteres Wachstum

CEO Eling betont, dass Dachser für weiteres Wachstum gut aufgestellt sei und weitere Akquisitionen anstrebe. „Mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 60 Prozent können wir das finanziell auch stemmen.“ Im Lebensmittellogistik-Bereich gebe es noch Nachholbedarf, aber auch in anderen Bereichen seien Zukäufe möglich. Damit positioniert sich Dachser als einer der führenden globalen Logistikdienstleister, der auch in turbulenten Zeiten zuverlässig wächst.