Die albanische Regierung hält trotz massiver Proteste im Land an einem für den kommenden Samstag geplanten Konzert des umstrittenen US-Rappers Kanye West fest. Ministerpräsident Edi Rama stellte dafür mehr als vier Millionen Euro bereit, unter anderem für den Bau einer temporären Arena am Rande der Hauptstadt Tirana. Das Konzert soll fast 25.000 ausländische Besucher anziehen, die bereits Tickets gekauft haben.
Proteste gegen Regierung und Luxusprojekte
Gegen Ramas Regierungsstil protestieren derzeit Zehntausende Albaner. Sie werfen ihm Korruption, Selbstherrlichkeit und eine zu große Nähe zu US-Präsident Donald Trump vor. Ein zentraler Streitpunkt ist ein geplantes Luxusresort von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner in einem Naturschutzgebiet. Die Protestbewegung, die als „Flamingo-Revolution“ bekannt wurde, hat das Land seit Wochen in Atem gehalten.
Rama selbst verteidigte die Finanzierung des West-Konzerts auf seiner Facebook-Seite. Seine Regierung habe die Summe „in letzter Minute“ bereitgestellt, um Albanien angesichts der vielen ausländischen Gäste „nicht in Verlegenheit zu bringen“. Viele Besucher hätten bereits eine Absage befürchtet. Man erwarte Gäste aus 80 Ländern, die ausschließlich für Wests Auftritt anreisten.
Wirtschaftliche Erwartungen versus innenpolitischer Druck
Rama geht davon aus, dass das Konzert „mindestens“ 100 Millionen Euro an Einnahmen generieren wird. Buchungen für Übernachtungen seien bereits stark gestiegen. Der Regierungschef, der seit Jahren international um Investitionen wirbt, setzt auf die wirtschaftliche Wirkung solcher Großevents. Kritiker werfen ihm jedoch vor, das Land zu verschleudern und die Interessen der Bevölkerung zu vernachlässigen.
Kanye West, der sich zeitweise nur noch Ye nannte, sorgte zuletzt vor allem mit antisemitischen Ausfällen für Schlagzeilen und ist vielerorts zur Persona non grata geworden. Seine Tiraden haben ihm Auftrittsverbote und Absagen eingebracht, etwa in Italien, wo ein Konzert vor sechs Wochen abgesagt wurde. Auch Auschwitz-Überlebende forderten ein Auftrittsverbot für den Rapper.
Temporäre Arena als pragmatische Lösung
Anders als das umstrittene Luxusresort von Kushner hat die Konzertarena für West einen entscheidenden Vorteil: Sie ist in kurzer Zeit aufgebaut und nach dem Event wieder abgebaut. Ob das milliardenschwere Resortprojekt wie geplant realisiert werden kann, ist angesichts der Proteste fraglich. Die Regierung hält jedoch am Konzert fest, um das Land als attraktiven Veranstaltungsort zu präsentieren und die Wirtschaft anzukurbeln.



