Randale und brennende Fahrzeuge: Rassistische Ausschreitungen nach Messerangriff in Belfast eskalieren
In der nordirischen Hauptstadt Belfast ist es nach der Veröffentlichung eines Videos eines brutalen Messerangriffs zu schweren rassistischen Ausschreitungen gekommen. Hunderte maskierte Demonstranten versammelten sich am Dienstagabend, um gegen Einwanderung zu protestieren. Die Lage eskalierte rasch: Die Menge lieferte sich gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei, errichtete Barrikaden und setzte mehrere Fahrzeuge in Brand. Auch Gebäude gerieten in Flammen, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Die Feuerwehr musste Anwohner aus ihren Häusern retten.
Die Proteste wurden von rechtsextremen Aktivisten, darunter der bekannte Rechtsradikale Tommy Robinson, organisiert. Auch der US-Milliardär Elon Musk rief auf der Plattform X dazu auf, „immer wieder und laut“ auf die Straße zu gehen.
Hintergrund: Messerangriff mit schwer verletztem Opfer
Auslöser der Unruhen war ein Messerangriff in der Nacht zum Montag, bei dem ein Mann schwer verletzt wurde. Der mutmaßliche Täter ist ein 30-jähriger Mann aus dem Sudan. Er wurde wegen versuchten Mordes, Waffenbesitzes und Todesdrohungen angeklagt und soll am Mittwoch einem Richter vorgeführt werden. In einem viral verbreiteten Video ist zu sehen, wie der Angreifer auf der Straße auf seinem blutenden Opfer sitzt und es mit einem Messer attackiert. Die Polizei bat eindringlich darum, das Video nicht zu teilen, doch es kursiert weiterhin im Netz.
Reaktionen: Polizei und Politik verurteilen Gewalt
Nordirlands Polizeichef Jon Boutcher rief die Bevölkerung zur Besonnenheit auf. Man solle sich nicht von Social Media aufstacheln lassen. Bisher gebe es keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Die nordirische Regierungschefin Michelle O'Neill verurteilte die Proteste scharf: „Gruppen maskierter Männer, die Familien aus ihren Häusern vertreiben, indem sie diese niederbrennen – das ist nichts anderes als widerliche Feigheit.“ Sie betonte, dies habe nichts mit der Gemeinschaft zu tun, sondern sei reine Kriminalität.
Weitere Proteste in Southampton und anderen Städten
Auch in Southampton im Süden Englands kam es zu einer Protestkundgebung vor einem Hotel, in dem Asylsuchende untergebracht waren. Die rechtsextremen Aufrufe fanden in mehreren britischen Städten Gehör. Erst in der vergangenen Woche hatte es in Southampton Krawalle am Rande eines Protests gegeben, ausgelöst durch Bodycam-Aufnahmen, die einen schweren Polizeifehler nach einer tödlichen Messerattacke zeigten.
Großbritannien war bereits im Sommer 2024 von heftigen rassistisch motivierten Ausschreitungen erschüttert worden. Die aktuellen Ereignisse zeigen, dass die Spannungen weiterhin hoch sind.



