Die scheidende Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock (45, Grüne), hat sich deutlich für eine Frau an der Spitze der Vereinten Nationen ausgesprochen. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ sagte sie: „Es ist Zeit für eine Frau.“ Sie reagierte damit auf die Tatsache, dass in den acht Jahrzehnten des Bestehens der UN neun Generalsekretäre amtierten – allesamt Männer.
Baerbocks Appell für Gleichberechtigung
„Die Hälfte der Menschheit sind Frauen und Mädchen. Wie möchte eine Institution, die acht Milliarden Menschen vertritt und seit 80 Jahren für Menschenrechte einsteht, erklären können, dass sie auch nach acht Jahrzehnten erneut keine Frau an ihrer Spitze finden kann?“, fragte Baerbock. Die frühere deutsche Außenministerin leitet als Präsidentin der Generalversammlung derzeit die Suche nach einem Nachfolger für den Portugiesen António Guterres (77), dessen Amtszeit im Dezember 2026 endet.
Bewerberfeld: Vier Frauen, zwei Männer
Nach Informationen aus UN-Kreisen bewerben sich derzeit vier Frauen und zwei Männer um das Amt. Baerbock betonte, dass nach den ungeschriebenen Rotationsregeln nun Lateinamerika an der Reihe sei. „Es gibt hervorragende Frauen aus dieser Region“, sagte sie. Eine eigene Kandidatur schloss Baerbock kategorisch aus. Auf die Frage, ob sie nicht selbst antreten wolle, antwortete sie: „Nein. Nach den ungeschriebenen Rotationsregeln ist Lateinamerika dran.“
Anfeindungen gegen Frauen in Führungspositionen
In dem Interview sprach Baerbock auch über die Anfeindungen, denen Frauen in Machtpositionen ausgesetzt seien. „Gut gelaunte Frauen in Machtpositionen sind für manche Männer weiterhin keine Selbstverständlichkeit, sondern offensichtlich der schlimmste Trigger. Wir sind aber mittlerweile zu viele. Und wir Frauen werden uns nicht dafür entschuldigen oder gar aufhören, selbstbewusst, erfolgreich und zugleich lebensfroh zu sein.“
Merkel als Vorbild
Auf die Frage, welche Frauen ihr den Weg für ihre politische Karriere geebnet hätten, nannte Baerbock die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Ohne Angela Merkel als Kanzlerin wäre ich wahrscheinlich niemals erste weibliche Außenministerin geworden.“ Baerbock war von 2021 bis 2025 Außenministerin Deutschlands, bevor sie zur Präsidentin der UN-Generalversammlung gewählt wurde.
Auswirkungen auf die UN-Wahl
Mit ihrer öffentlichen Positionierung erhöht Baerbock den Druck auf die Mitgliedstaaten, erstmals eine Frau zur Generalsekretärin zu wählen. Die Wahl soll voraussichtlich im Herbst 2026 stattfinden. Sollte tatsächlich eine Frau gewählt werden, wäre dies ein historischer Schritt für die Vereinten Nationen und ein Signal für die Gleichstellung der Geschlechter in internationalen Organisationen.



