Microsoft-Mitgründer Bill Gates hat bei einer Befragung im US-Kongress seine Treffen mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein als schwere Fehler bezeichnet. Er hätte Epstein nie treffen sollen, sagte Gates am Mittwoch in seinem Eröffnungsstatement vor dem Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses, das der Nachrichtenagentur AP vorlag, und sprach von einer „schwerwiegenden Fehleinschätzung“.
Gates betonte, dass er sich selbst nie etwas habe zuschulden kommen lassen und auch niemals kriminelle Handlungen beobachtet oder Anhaltspunkte dafür gehabt habe, dass Epstein an solchen beteiligt gewesen sei. Vor dem Tech-Milliardär hatten bereits mehrere andere einflussreiche Persönlichkeiten mit Verbindungen zu Epstein vor dem Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses ausgesagt.
Freiwillige Aussage vor dem Ausschuss
Der Vorsitzende des Ausschusses, der republikanische Abgeordnete James Comer, hatte Gates offiziell zur Aussage aufgefordert, nachdem dessen Name mehrfach in Ermittlungsakten aufgetaucht war, die das Justizministerium veröffentlicht hatte. Als Gates im Kapitol eintraf, wies er darauf hin, dass er freiwillig erschienen sei, und äußerte die Hoffnung, seine Aussage würde den Abgeordneten helfen, „Gerechtigkeit für die Opfer zu finden“.
Kooperation mit den Demokraten
Die meisten demokratischen Abgeordneten, die an der Befragung am Mittwoch teilnahmen, beschrieben Gates im Anschluss als kooperativ. Unter anderem habe er Informationen über andere einflussreiche Personen in Epsteins Umfeld geliefert, hieß es. Konkret wollten die Abgeordneten von Gates auch wissen, warum er nach einer Verurteilung Epsteins im Jahr 2008 trotzdem mit ihm zu tun hatte.
Gates sei sich bewusst gewesen, dass Epstein wegen „eines schrecklichen Verbrechens“ verurteilt worden war, und habe den Kontakt zu ihm dennoch aufrechterhalten, um Geld für seine Stiftung zu beschaffen, sagte der Abgeordnete Robert Garcia, der ranghöchste Demokrat im Ausschuss.
Gates' Beweggründe für den Kontakt
Gates sagte, er habe Epstein durch berufliche Kontakte kennengelernt und sei von dessen Behauptungen beeindruckt gewesen, er könne dabei helfen, Milliarden von Dollar für globale Gesundheitsinitiativen aufzubringen. Gates gab an, er habe den Kontakt im Jahr 2014 abgebrochen, nachdem er zu dem Schluss gekommen sei, dass Epstein diese Versprechen nicht einhalten könne.
Nie auf Epsteins Insel
Gates fügte hinzu, dass er niemals auf Epsteins Insel oder dessen anderen Anwesen gewesen sei. „Auch wenn er vielleicht versucht hat, eine persönliche Beziehung aufzubauen, hatte ich daran nie Interesse“, sagte Gates.
Reaktionen nach der Befragung
Im Anschluss sprach der republikanische Abgeordnete Tim Burchett von einer sehr „intensiven“ Befragung. Der demokratische Abgeordnete Raja Krishnamoorthi sagte, Gates sei „streitlustig“ und „nicht sonderlich gesprächsbereit oder offen“ gewesen. Garcia hingegen erklärte, dass Gates zwar bei einigen Fragen widersprochen, aber diese beantwortet habe.
Hintergrund des Epstein-Skandals
Epstein wurde nach seiner ersten Verurteilung 2008 und einer umstrittenen Einigung mit der Staatsanwaltschaft, die ihm eine längere Haftstrafe ersparte, im Juli 2019 erneut angeklagt. Das Justizministerium warf Epstein vor, zwischen 2002 und 2005 zahlreiche Mädchen, von denen einige erst 14 Jahre alt waren, sexuell missbraucht zu haben. Er wurde 2019 tot in einer New Yorker Gefängniszelle aufgefunden, während er auf seinen Prozess wartete. Sein Tod wurde als Selbstmord eingestuft.
In einem verwandten Fall schloss die Bank of America kürzlich einen 72,5-Millionen-Vergleich im Epstein-Skandal ab.



