Kurz vor seiner Aussage im US-Repräsentantenhaus hat Milliardär Bill Gates seine Bekanntschaft mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein als schwerwiegenden Fehler bezeichnet. In einer Stellungnahme vor der Presse erklärte Gates, er hätte sich von vornherein niemals mit Epstein treffen dürfen. Er habe nie miterlebt oder Anzeichen dafür gehabt, dass Epstein sich fortlaufend strafbar gemacht habe.
Freiwillige Aussage hinter verschlossenen Türen
Gates erschien am Mittwoch freiwillig im Kapitol in Washington, D.C., um vor dem Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses Fragen zu seiner Beziehung zu Epstein zu beantworten. Er äußerte die Hoffnung, dass seine Aussage hilfreich sein werde. Der republikanische Ausschusschef James Comer hatte den Microsoft-Gründer geladen. Die Kongressmitglieder wollen unter anderem erfahren, was Gates gesehen habe, ob er wusste, was vor sich ging, und ob er in irgendetwas davon verwickelt war. Comer betonte jedoch, dass es keine Vorwürfe zu Fehlverhalten gegen Gates gebe.
Epstein-Akten: Gates‘ Name aufgetaucht
In den vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Dokumenten war auch Gates‘ Name aufgetaucht. Die Akten enthielten den Entwurf einer E-Mail, in der Epstein von angeblichen Affären des Microsoft-Gründers sprach. Der Sexualstraftäter schrieb darin, er habe dem Unternehmer geholfen, Medikamente zu besorgen, um die Folgen von Sex mit russischen Mädchen zu bewältigen. Nach der Veröffentlichung der Epstein-Files entschuldigte sich Bill Gates Ende Februar bei Mitarbeitern für seine Kontakte zu Jeffrey Epstein. Dem Wall Street Journal zufolge räumte er zudem zwei Affären mit russischen Frauen ein – einer Bridge-Spielerin und einer Kernphysikerin, die für eines seiner Unternehmen arbeitete.
Keine Epstein-Opfer involviert
Mit Blick auf die Affären teilte Gates mit, es seien keine Epstein-Opfer involviert gewesen. Vor der Befragung betonte der Milliardär erneut, dass er nie jemanden aus Epsteins Kreis schlecht behandelt habe, und distanzierte sich von dem Sexualstraftäter. Auch wenn Epstein vielleicht versucht habe, eine persönliche Beziehung zu ihm aufzubauen, habe Gates daran nie Interesse gehabt und dieses nie erwidert. Die Bekanntschaft der Männer begann 2011 – drei Jahre nachdem Epstein sich in Florida schuldig bekannt hatte, eine Minderjährige zur Prostitution gezwungen zu haben – und dauerte den Unterlagen zufolge mindestens bis Ende 2014 an.
Nicht der erste Prominente vor dem Ausschuss
Gates ist nicht der erste Prominente, der vor dem Kontrollausschuss erschien. Vor einiger Zeit hatten auch Ex-Präsident Bill Clinton und seine Frau unabhängig voneinander mit den Ausschussmitgliedern gesprochen. Auch Bill Clinton hatte Kontakt zu Epstein und taucht in den Epstein-Akten auf. Er reiste mit Jeffrey Epstein um die Welt, gab jedoch an, von dessen Straftaten nichts mitbekommen zu haben. Sechs Stunden lang beantwortete der Ex-US-Präsident Fragen der US-Abgeordneten und wurde von den Republikanern gelobt.



