Ceuta-Krise: Sánchez teilt Playlist und erntet Shitstorm
Ceuta-Krise: Sánchez teilt Playlist, Shitstorm

Madrid – Genau in dem Moment, in dem in der spanischen Exklave Ceuta Tausende Migranten die Grenzanlage zu Marokko überrannten, präsentierte Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez (54) seinen Followern auf Instagram seine persönliche Playlist für den Sommer. Das Video zeigt ihn in Jeans und Freizeithemd, entspannt in einem Sessel sitzend – als würde ihm das Chaos an der Südgrenze Spaniens nichts anhaben können.

Der Beitrag firmiert unter dem Titel „Mein Soundtrack des Sommers“ und umfasst insgesamt 31 Songs. Abrufbar ist die Liste über den Link in seiner Instagram-Bio. Neben internationalen Künstlern sind auch spanische Musiker vertreten. Doch während Sánchez Sommerlaune verbreitet, fragen sich viele Spanier: Wie konnte es zu dem Massenansturm und dem Kontrollverlust an der Grenze der spanischen Exklave Ceuta zu Marokko kommen? Dutzende Menschen sind in den Fluten vor der Küste gestorben, als sie versuchten, die Grenze zu erreichen. Viele von ihnen schafften es auf spanisches Gebiet.

Shitstorm statt Krisenkommunikation

Für den instagramten Musiktipp erntet der Sozialist nun heftige Kritik. Unter dem Video kommentierte der Nutzer „feliperoyo“: „Unglaublich, dass Sie dieses Video ausgerechnet jetzt veröffentlichen – mit Ceuta in Flammen und Spanien, das wie ein gescheiterter Staat wirkt.“ Noch deutlicher wurde „aaronn_bg“: „Während Spanien eine so ernste Krise durchlebt, kümmerst du dich weiter um die Playlist der Lieder, die du am meisten gehört hast, statt Erklärungen und echte Lösungen zu liefern. Was für eine Schande als Präsident.“

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Die Kritik dürfte auch deshalb so heftig ausfallen, weil die Musikauswahl des Regierungschefs wie eine unfreiwillige Selbstparodie wirkt. Ausgerechnet zwei Titel stechen hervor, die den Gefühlen vieler Beobachter in den vergangenen Stunden entsprechen dürften. „All My Friends Are So Depressed“ von Joyce Manor – auf Deutsch: „Alle meine Freunde sind so deprimiert“ – und „Pesadillas“ („Albträume“) von Cora Yako. Sie könnten treffender nicht die Stimmung beschreiben, die Europas Staatschefs angesichts der Lage in Ceuta kundgetan haben.

Was in Ceuta geschah

Ceuta, eine spanische Enklave an der Nordküste Marokkos, ist seit Jahren einer der Brennpunkte der Migration nach Europa. Immer wieder versuchen Menschen, die Grenzanlagen zu überwinden. Doch der jüngste Ansturm hatte eine neue Dimension: Innerhalb weniger Stunden drangen Tausende in das spanische Hoheitsgebiet ein. Berichten zufolge waren die spanischen Sicherheitskräfte zeitweise überfordert. Die genauen Umstände des Kontrollverlusts sind bislang unklar.

Die spanische Regierung unter Sánchez steht nun vor der Herausforderung, sowohl die humanitäre Lage zu bewältigen als auch die Grenzsicherheit wiederherzustellen. Hinzu kommt der Druck aus der Opposition, die dem Regierungschef vorwirft, in einer der schwersten Krisen der jüngeren Geschichte die Prioritäten falsch zu setzen.

Europäische Partner sind alarmiert

Angesichts des Images von Spanien als verlässlichem Partner in der Migrationspolitik der Europäischen Union schauen die EU-Staaten mit Sorge auf das Geschehen. Dass Sánchez just in diesem Moment eine unbeschwerte Sommer-Playlist veröffentlicht, dürfte das Vertrauen nicht gerade stärken. Zumal die Songauswahl – allen voran „All My Friends Are So Depressed“ – als böser Kommentar zur eigenen Regierungsbilanz interpretiert werden könnte.

Ob Sánchez geplant hatte, die Playlist unabhängig von der Krise zu veröffentlichen, oder ob es sich um ein Missgeschick im Kommunikationsteam handelt, ist nicht bekannt. Fest steht: Der Shitstorm ist da, und er ist gewaltig. Die Bilder des entspannt im Sessel sitzenden Präsidenten kontrastieren aufs Schärfste mit den Bildern von Leichen an den Stränden von Ceuta. Für einen Premier, der in Umfragen ohnehin unter Druck steht, kommt diese Selbstinszenierung zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

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Kommunikative Bankrotterklärung

Der Instagram-Auftritt von Pedro Sánchez wird in ersten Reaktionen als kommunikative Bankrotterklärung gewertet. In einer Krise, in der Bürger nach Führung und Erklärungen verlangen, liefert der Regierungschef Playlist-Tipps. Wie tief die Vertrauenskrise reicht, zeigen die Kommentare unter dem Video: Viele Spanier fühlen sich von ihrem Präsidenten alleingelassen. Ob Sánchez die Welle der Empörung noch eindämmen kann, ist offen. Die Playlist selbst wird ihm jedenfalls noch länger nachhängen – als Symbol für einen Politiker, der in den schwersten Stunden lieber Musik auflegt, statt zu handeln.