Im sächsisch-anhaltinischen Landtagswahlkampf sorgt ein prominenter Gast für Schlagzeilen: Dieter „Didi“ Hallervorden. Der Schauspieler und Kabarettist tritt bei Veranstaltungen von CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze auf – und sorgt dort mit politischen Botschaften für Zündstoff. Nach den ersten beiden Auftritten in Halle und Magdeburg bleibt es nach Angaben des CDU-Landesverbands bei den geplanten weiteren Terminen: Am kommenden Montag wird Hallervorden in Dessau erwartet, später in Naumburg. Das bestätigte Landesgeneralsekretär Mario Karschunke der Deutschen Presse-Agentur.
Die Nachfrage ist groß: „Die Veranstaltungen sind sehr gut gebucht“, sagte Karschunke. Allein für Dessau liegen rund 600 Anmeldungen vor. Das Interesse dürfte nicht zuletzt an der Mischung aus Kabarett, Musik und Politik liegen. Das Format heißt „Kultur braucht Freiheit“ und bringt Hallervorden und Schulze gemeinsam mit einer Moderatorin auf die Bühne. Die Runde will grundsätzliche Fragen erörtern: Was bedeutet Freiheit für den Einzelnen? Was braucht eine lebendige Demokratie? Und welche Rolle spielen Kunst, Meinungsfreiheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt dabei?
Friedensappelle und klare Kante
Hallervorden nutzt die Bühne für seine Botschaften. Er bringt musikalische Beiträge mit und legt den Fokus stark auf den Frieden. Die derzeitige Verteidigungs- und Rüstungspolitik lehnt er ab – eine Haltung, die im Kontext des Wahlkampfs für Diskussionen sorgt. Zusätzlich bringt er eine frühere Kritik an der israelischen Politik ins Spiel: In einem Hintergrundvideo zu einer Gesangseinlage ist kurz ein Bild einer Demonstration mit dem Schriftzug „Stoppt den Völkermord in Gaza“ zu sehen.
Diese Einblendung rief die Bundes-CDU auf den Plan. Generalsekretärin Franziska Hoppermann stellte gegenüber „Bild“ klar: „Für die CDU Deutschlands ganz klar: Es gibt keinen Völkermord in Gaza, wir stehen an der Seite Israels und der Ukraine im Kampf gegen den Terror und Aggression.“ Sie betonte weiter: „Wir stehen für Freiheit und wollen uns verteidigen können, damit wir es nicht müssen. Daran wird sich nichts ändern. Wir stehen zur Meinungs- und Kunstfreiheit, doch auch hier gibt es Grenzen – mindestens aber muss die Kunst mit deutlichem Widerspruch leben.“
Schulze: „Ich möchte schon auch Gegenrede haben“
Sven Schulze ließ sich durch die Debatte nicht aus der Ruhe bringen. Bereits am Mittwoch in Magdeburg hatte er sich öffentlich hinter das ungewöhnliche Bündnis gestellt. Mit Blick auf sich selbst fragte er rhetorisch: „Kann der denn eine Veranstaltung machen, wo der Dieter Hallervorden denn so ein Lied singt?“ Seine Antwort: „Ich sage ja, weil das ist eigentlich das, was ich mir vorstelle. Ich möchte kein Land haben und kein Land regieren als Ministerpräsident, wo ich das Gefühl habe, hoffentlich sprechen sie alle das, was ich sage. Sondern ich möchte schon auch Gegenrede haben.“
Damit setzt Schulze auf einen offenen Diskurs, auch wenn die inhaltlichen Differenzen zwischen ihm und Hallervorden offensichtlich sind. Der Ministerpräsident will demonstrieren, dass politische Gegensätze nicht im Ausschluss enden müssen, sondern in einem respektvollen Gespräch ausgetragen werden können.
CDU-Landesverband verteidigt Konzept
Der CDU-Landesverband stellte sich hinter die Veranstaltungsreihe und wies zugleich auf den Charakter des Formats hin. „Die Veranstaltung war bewusst als Gesprächsformat angelegt. Sie sollte zeigen, dass Menschen trotz unterschiedlicher Auffassungen respektvoll miteinander im Gespräch bleiben können“, hieß es in einer Mitteilung. Weiter erklärte die Partei: „Wir dürfen das Streiten nicht verlernen – unterschiedliche Auffassungen müssen nebeneinanderstehen können, ohne dass der Respekt füreinander verloren geht.“
Gleichzeitig machte der Landesverband deutlich, dass die Auftritte von Hallervorden nicht als inhaltliche Positionierung der CDU zu verstehen seien. „Das bedeutet nicht, dass sich Schulze oder die CDU Sachsen-Anhalt jede dort geäußerte Meinung zu eigen machen“, so die Partei. Die Veranstaltung biete vielmehr Raum für Austausch und Widerspruch.
Diskussion um Kunst und Politik
Der Auftritt Hallervordens zeigt exemplarisch, wie schnell Kunst und Politik in einem Wahlkampf aneinander geraten können. Dass ein Kabarettist, der für Provokationen bekannt ist, von einer Partei eingeladen wird, die in vielen Fragen eine andere Linie verfolgt, ist ungewöhnlich. Doch gerade diese Spannung scheint das Konzept zu sein. Ob in Dessau und Naumburg ähnliche Szenen wie in Halle und Magdeburg zu erwarten sind, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Plätze sind begehrt, und die Diskussion wird weitergehen.



