Bei Markus Lanz geriet Thomas de Maizière am Montagabend sichtlich in Rage. Der ehemalige Innenminister der CDU zeigte sich genervt von den ständigen Personaldebatten um Kanzler Friedrich Merz und mögliche Nachfolger. „Diese Hysterie – können wir mal auf die Sachthemen kommen?“, fragte de Maizière ungehalten, als Lanz ausführlich die USA-Reise von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst thematisierte.
De Maizière kontert Lanz‘ Personaldebatte
Markus Lanz hatte zuvor spekuliert, ob Wüst anstelle von Merz zur Fußball-WM reisen könnte – ein Hinweis auf die wackelnde Position des Kanzlers. De Maizière winkte ab: „Weil der Wüst da hinfährt, ich bitte sie!“ Für Lanz war die Frage nach dem nächsten Kanzler jedoch ein „Sachthema“. De Maizière entgegnete trocken, es handle sich um eine „Personalfrage“. Lanz ließ sich nicht beirren und spielte ein Video ein, in dem Merz gestelzt mit Nationalspielern telefonierte.
Iran-WM: Protest und politische Bedeutung
Die Diskussion wechselte zum Iran, wo die politische Bedeutung der WM weit über peinliche Telefonate hinausgeht. Die Journalistin Natalie Amiri berichtete, wie iranische Spieler bei der WM 2022 in Katar die Nationalhymne nicht mitsangen – eine stille Solidaritätsgeste mit der Protestbewegung. „Da ist das Band zwischen Bevölkerung und Mannschaft gerissen“, sagte Amiri. Heute hätten die Revolutionsgarden den Fußball unterwandert.
Amiri äußerte sich auch zum jüngsten „Mini-Memorandum“ zwischen den USA und dem Iran. Das Abkommen werfe mehr Fragen auf, als es beantworte: Gilt die Straße von Hormus künftig als zollfrei? Verzichtet der Iran auf Atomwaffen? De Maizière kommentierte pragmatisch: „Ich möchte erstmal den Text sehen, dann können wir weiter diskutieren.“ Amiri zeigte sich skeptisch: „Das Misstrauen ist so groß, dass ich diesen Deal sehr skeptisch sehe.“
De Maizière: Waffenstillstand als taktische Pause
Amiri befürchtet, dass der Iran den Deal nutzt, um einen Keil zwischen Israel und die USA zu treiben und eine „taktische Pause“ für Aufrüstung zu gewinnen. De Maizière hielt dagegen: Ein Waffenstillstand sei „immer entweder eine taktische Pause oder ein Weg zum Frieden.“ Dieses Dilemma lasse sich nicht auflösen, sonst käme Frieden nur durch einen vollständigen Sieg zustande – was unrealistisch sei.
CDU und Unvereinbarkeitsbeschluss vor dem Aus?
Zum Ende der Sendung widmete sich die Runde der CDU und dem Unvereinbarkeitsbeschluss mit Linken und AfD. In Sachsen-Anhalt liegt die AfD bei 40 Prozent, was eine Koalition mit der Linken nötig machen könnte. De Maizière, selbst 2018 Vorsitzender der Antragskommission, schlug vor, die CDU solle „neu über eine Zusammenarbeit mit der Linken nachdenken“ – aber erst, wenn das Wahlergebnis dies erfordere. Jetzt sei nicht der richtige Zeitpunkt, da dies im Wahlkampf als Einladung wirken würde. Lanz verpasste die kritische Nachfrage, ob dies nicht einer Täuschung der Wähler gleichkomme.



