In der litauischen Hauptstadt Vilnius wurde am Mittwochvormittag erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Drohnenalarm ausgelöst. Gegen 10.20 Uhr Ortszeit heulten die Sirenen auf den Handys der Bevölkerung. Die Menschen wurden aufgefordert, sich unverzüglich in Schutzräume oder an andere sichere Orte zu begeben. Das öffentliche Leben stand still, Büros und Wohnhäuser wurden evakuiert.
Auch die Staatsspitze musste schnell in Sicherheit gebracht werden: Präsident Gitanas Nauseda, Regierungschefin Inga Ruginiene und die Abgeordneten suchten ebenfalls Schutzräume auf. Kurz nach 11 Uhr Ortszeit wurde Entwarnung gegeben, die Menschen konnten die Schutzräume verlassen. Der Flughafen von Vilnius und der Zugverkehr waren während des Alarms gestoppt worden.
Litauens Armee teilte mit, im Luftraum des benachbarten Belarus sei ein Radarsignal festgestellt worden, das die typischen Merkmale eines unbemannten Luftfahrzeugs aufweise. Die Nato-Luftüberwachung sei aktiviert worden. Hochrangige Politiker waren bereits im vergangenen Jahr nach einem Drohnenalarm in Schutzräume gebracht worden, jedoch nicht die allgemeine Bevölkerung.
Die Baltenstaaten Litauen, Estland und Lettland gehören zu den vehementesten Unterstützern der Ukraine. Moskau wirft den drei früheren Sowjetrepubliken vor, der Ukraine als Basis für Angriffe auf russisches Territorium zu dienen – eine Behauptung, die die baltischen Staaten als falsch zurückweisen. Kiew erklärt, Russland lenke ukrainische Drohnen per Störfunk auf die baltischen Länder.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte nach dem Vorfall, Russland und Belarus trügen die direkte Verantwortung für jegliche Drohnenvorfälle an der EU-Ostflanke. Nato-Generalsekretär Mark Rutte betonte, selbst wenn die Drohnen von der Ukraine gestartet worden seien, sei dies nicht die Schuld des Landes, da die Drohnen wegen des rücksichtslosen und illegalen Angriffs Russlands dort seien.



