EU-Sanktionen: Fide-Präsident Dworkowitsch zieht sich zurück
EU-Sanktionen: Fide-Präsident Dworkowitsch tritt zurück

Der Präsident des Weltschachverbands Fide, Arkadi Dworkowitsch, hat mit sofortiger Wirkung seine Befugnisse und Pflichten ausgesetzt. Grund sind die am Donnerstag von der Europäischen Union verhängten Sanktionen gegen ihn im Rahmen des neuen Sanktionspakets wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Dworkowitsch, der enge Verbindungen zur russischen Regierung pflegt, hatte zuvor angekündigt, im Falle einer Sanktionierung zurückzutreten.

Dworkowitsch kündigt rechtliche Schritte an

In einer Mitteilung bezeichnete Dworkowitsch den EU-Beschluss als „rechtswidrig und ungerecht“ und kündigte an, ihn mit allen möglichen Mitteln anzufechten. Bis zu einer Gerichtsentscheidung könne jedoch die Funktionsweise des Schachweltverbands behindert werden. Daher habe er beschlossen, die Ausübung seiner Befugnisse als Fide-Präsident auszusetzen, solange er den EU-Sanktionen unterliege. Der bisherige Vizepräsident Viswanathan Anand, ehemaliger Schachweltmeister, übernimmt wie vorgesehen das Amt des Interimspräsidenten.

Hintergrund: Dworkowitschs Verbindungen nach Russland

Dworkowitsch war von Mai 2012 bis 2018 stellvertretender Ministerpräsident Russlands und zuvor Berater des damaligen Präsidenten Dmitrij Medwedew. Er gehörte damit zum Machtzirkel von Wladimir Putin, der ihm persönlich zu seiner Wahl als Fide-Präsident gratulierte. Der russische Schachverband wurde kürzlich vom Internationalen Sportgerichtshof CAS gesperrt, weil er Turniere in den besetzten ukrainischen Regionen veranstaltet hatte. Vorsitzender des Kuratoriums des russischen Schachverbands ist Putins Sprecher Dmitrij Peskow. Dworkowitsch hatte den russischen Verband lange geschützt und sich für die Rückkehr russischer Spieler zu internationalen Turnieren eingesetzt. Laut Berichten soll die ungarische Regierung unter Viktor Orbán Dworkowitsch lange vor Sanktionen geschützt haben; der neue Ministerpräsident Péter Magyar setzt diese Politik nicht fort.

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Zwei deutsche Kandidaten für die Präsidentschaft

Dworkowitsch kandidierte für eine dritte Amtszeit bei der Wahl im September. Eine Teilnahme gilt nun als unwahrscheinlich. Zwei deutsche Unternehmer bewerben sich um die Nachfolge: Wadim Rosenstein aus Düsseldorf und Jan Henric Buettner aus Hamburg. Beide werben derzeit um Unterstützung der nationalen Schachverbände. Buettner erklärte auf SPIEGEL-Anfrage, er zolle Dworkowitsch Respekt. Die Ereignisse unterstrichen, wie wichtig es sei, dass die Fide als unabhängig, politisch neutral und dem Dienst an der globalen Schachgemeinschaft verpflichtet wahrgenommen werde. Er wolle mit jedem Mitglied der Schachfamilie zusammenarbeiten, unabhängig von Nationalität oder politischem Hintergrund. Rosenstein äußerte sich bislang nicht.

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