Das Gemeinschaftsunternehmen der Triebwerkshersteller MTU Aero Engines und Safran zur Entwicklung eines neuen Militärantriebs für den europäischen Kampfjet FCAS steht nach dem Aus des Flugzeugprogramms vor dem Aus. MTU-Chef Johannes Bussmann äußerte sich am Donnerstag in einer Telefonkonferenz zu den Halbjahreszahlen pessimistisch über die Zukunft der Partnerschaft. Er bestätigte damit die Einschätzung von Safran-CEO Olivier Andries, der bereits Anfang der Woche auf die unterschiedlichen Vorstellungen der beteiligten Länder hingewiesen hatte.
Unterschiedliche Anforderungen der Luftwaffen
Bussmann erklärte, die Anforderungen der deutschen und französischen Luftwaffen lägen weit auseinander. Die französische Regierung bevorzuge ein kleineres Flugzeug, das von Flugzeugträgern aus starten und landen könne, während Deutschland andere Prioritäten setze. „Zudem gehen die Zeitschienen auseinander. Die französischen Kollegen werden schneller unterwegs sein als der Rest Europas“, sagte Bussmann. Er fügte hinzu: „In dem Fall muss man zwei komplett unterschiedliche Antriebe entwickeln. Wenn das so kommt, werden wir die Zusammenarbeit so nicht fortführen können.“
Auch Safran-Chef sieht Probleme
Bereits zu Wochenbeginn hatte Safran-Chef Olivier Andries auf die fehlenden Kapazitäten für zwei parallele Entwicklungsvorhaben hingewiesen. Ohne eine einheitliche Spezifikation sei eine gemeinsame Triebwerksentwicklung wirtschaftlich nicht sinnvoll. FCAS ist mehr als nur ein neues Kampfflugzeug: Es handelt sich um ein komplettes Luftkampfsystem mit unbemannten Begleitflugzeugen, modernen Waffen und einem zeitgemäßen Kommunikationssystem. Im Juni wurde die Entwicklung des Kampfjets nach monatelangen Diskussionen gestoppt.
Auswirkungen auf europäische Verteidigungsprojekte
Das Scheitern des Joint Ventures wäre ein weiterer Rückschlag für die europäische Verteidigungszusammenarbeit. MTU und Safran hatten gemeinsam den Next European Fighter Engine (NEFE) entwickelt, der speziell für den FCAS ausgelegt war. Ohne einheitliche Vorgaben drohen nun nationale Alleingänge. Bussmann betonte, dass MTU weiterhin bereit sei, an europäischen Lösungen mitzuarbeiten, aber nur unter realistischen Bedingungen. Die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Joint Ventures wird für die kommenden Monate erwartet.



