Der 21-jährige Abdul Ballout fuhr am Samstag mit einem Kleinbus in eine Menschenmenge am Rande des Christopher Street Days in Berlin. Eine Frau starb, 31 Menschen wurden verletzt, sieben davon schwer. Einen Tag später wurde er bei einem Polizeieinsatz getötet. Ermittler fanden auf seinem Handy ein IS-Bekennervideo. Zwei seiner Cousins waren offenbar IS-Kämpfer. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprachen von einem islamistischen Terroranschlag.
Berliner CSD fährt nach Hamburg
Der Berliner CSD-Verein kündigte an, mit einem Truck am Hamburger CSD am 1. August teilzunehmen – unter dem Motto „Jetzt erst recht“. Auf Instagram schrieb der Verein: „Innehalten und weitermachen schließen sich nicht aus. Das eine ersetzt das andere nicht. Es ist wichtig, für beide Gefühle Raum und Sichtbarkeit zu schaffen.“ Der Truck mit der Nummer 36 wird im vierten Block der Parade fahren. Am 2. August findet im Tiergarten eine Mahnwache zum Gedenken an die Opfer statt, zu der der Berliner CSD aufruft.
Integrationsbeauftragte warnt vor queerfeindlichen Milieus
Neuköllns Integrationsbeauftragte Güner Balci sieht queerfeindliche Einstellungen unter konservativen Muslimen weit verbreitet, betonte aber: „Sie sind aber nicht zwangsläufig gewaltbefürwortend.“ Entscheidend sei, ob eine solche Haltung in Bedrohung und Herabsetzung von Betroffenen münde. Balci warnte vor Milieus ohne soziokulturelle Durchmischung: „Da laufen kleine tickende Zeitbomben herum.“
Opfer können Schmerzensgeld beantragen
Der Gesamtverband der Versicherer (GDV) teilte mit, dass die Opfer des Attentats über die Verkehrsopferhilfe Entschädigung beantragen können. Diese zahlt bei Verkehrsunfällen, wenn das Fahrzeug absichtlich zur Schadensverursachung genutzt wurde. Personenschäden werden mit bis zu 7,5 Millionen Euro entschädigt. Die Antragstellung ist formlos per E-Mail möglich und für Geschädigte kostenlos.
Senatorin fordert Runden Tisch gegen Queerfeindlichkeit
Berlins Senatorin für Vielfalt und Antidiskriminierung, Cansel Kiziltepe (SPD), forderte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in einem Brief zu einem Runden Tisch gegen Queerfeindlichkeit auf. „Einmal mehr sehen wir, dass queerfeindliche Gewalt tötet“, schrieb sie. Sie schlug vor, dem Berliner Beispiel zu folgen, wo ein Runder Tisch bereits 2024 gebildet wurde. Die queere Community müsse in alle politischen Überlegungen einbezogen werden.
Paraden sagen ab oder bleiben
Die Technoparade „Zug der Liebe“, die für den 29. August geplant war, wurde abgesagt. Die Veranstalter verwiesen auf das veränderte gesellschaftliche Klima und massive Auflagen. „Eine Demonstration unter dem aktuellen, allgemeinen Angstgefühl widerspricht der Grundidee der Veranstaltung fundamental.“ Die Technoparade „Rave The Planet“ soll dagegen wie geplant am 15. August stattfinden. Gründer Dr. Motte sagte: „Die Parade wird stattfinden.“
Sicherheitsbehörden verteidigen Überwachung
Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel räumte vor dem Innenausschuss ein, dass es nicht gelungen sei, den Anschlag zu verhindern. „Wir werden hier nichts beschönigen.“ Sie betonte, Ballout sei nie aus dem Blick gelassen worden. „Wir haben diesen Mann überhaupt nicht aus dem Blick gelassen, und schon gar nicht aus Ressourcengründen.“ Eine tagtägliche Begleitung sei nicht leistbar. Verfassungsschutzchef Michael Fischer gab Details: Ballout sei seit November 2021 bekannt gewesen, ab 2022 mit Open-Source-Maßnahmen überwacht worden. Eine Observation im Juni/Juli 2026 habe keine auffälligen Veränderungen ergeben.
Justiz weist Schuldzuweisungen zurück
Die Berliner Justiz verteidigte das Urteil gegen Ballout vom Mai 2026, der zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden war, aber aus der Haft entlassen wurde. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte Berufung eingelegt. Justizstaatssekretär Dirk Feuerberg warnte vor Schuldzuweisungen: „Wir müssen das Urteil nicht gut finden, aber wir waren alle nicht dabei.“



