Kaum ist die XXL-Weltmeisterschaft mit 48 Mannschaften beendet, denkt die FIFA bereits über die nächste Reform nach. Präsident Gianni Infantino ließ durchblicken, dass die WM 2030 möglicherweise auf 64 Teams aufgestockt werden könnte. „2030 wird eine ganz besondere Weltmeisterschaft“, sagte Infantino und verwies auf das hundertjährige Jubiläum des Turniers. Die Ausweitung von 32 auf 48 Teams bei der aktuellen Auflage bezeichnete er als „großen Erfolg“. Nun solle diskutiert werden, ob man bei der nächsten WM 64 Nationen antreten lässt.
Einnahmen steigen mit Teilnehmerzahl
Eine Aufstockung auf 64 Teams würde die Anzahl der Spiele von 104 auf 128 erhöhen, sofern der Modus unverändert bleibt. Das Turnier 2030, das in Spanien, Marokko, Portugal und mit einzelnen Partien in Südamerika stattfindet, würde sich dadurch zeitlich noch weiter ausdehnen. Die FIFA erhofft sich höhere Einnahmen: Bereits bei der aktuellen WM strich der Verband rund 15 Milliarden Dollar ein. Die TV-Erlöse von 4,3 Milliarden Dollar machen fast ein Drittel des Gesamtumsatzes aus. Infantino nutzt die Erweiterungsperspektive auch als Wahlkampfinstrument für seine angestrebte Wiederwahl im kommenden Jahr.
UEFA skeptisch, Südamerika begeistert
Während die UEFA den Vorschlag ablehnt, zeigt sich der südamerikanische Verband CONMEBOL hocherfreut. Dessen Präsident schrieb auf X: „Das nächste Mal findet sie bei uns zu Hause statt. 2030 ist eine große Chance für den Fußball, um das hundertjährige Jubiläum der WM mit einem Wettbewerb mit 64 Teams zu feiern.“
Abseitsregel vor Revolution
Neben der Teilnehmerzahl steht eine mögliche Änderung der Abseitsregel im Raum. Infantino kündigte an: „Wir werden sehen, ob die Abseitsregel verändert wird oder nicht, um den Angreifern einen Vorteil zu geben.“ Bereits Ende 2025 erklärte er beim World Sports Summit in Dubai: „Vielleicht muss der Spieler in Zukunft vollständig vor dem Verteidiger stehen, um als abseits zu gelten.“ Unterstützung erhält er von Arsène Wenger, dem Leiter der FIFA-Abteilung für globale Fußballentwicklung. Wenger propagiert seit Jahren das sogenannte Tageslicht-Abseits: Erst wenn eine sichtbare Lücke zwischen Stürmer und Verteidiger klafft, soll Abseits gepfiffen werden. Ein Test läuft seit April in der kanadischen Liga CFL.
Trinkpausen weiterhin möglich
Ob die umstrittenen Trinkpausen in beiden Halbzeiten auch 2030 beibehalten werden, ließ Infantino offen. „Wir werden sehen, ob wir noch Trinkpausen haben werden – oder nicht.“ Aus Vermarktungssicht bieten diese zusätzliche Werbezeiten für TV-Sender, was der FIFA hohe Einnahmen beschert.
Fazit
Die FIFA treibt die Kommerzialisierung der Weltmeisterschaft weiter voran. Mit 64 Teams und einer neuen Abseitsregel könnte das Turnier 2030 deutlich mehr Spiele und Tore bieten – aber auch an Spannung und sportlicher Fairness verlieren, warnen Kritiker. Infantino zeigt sich indes zuversichtlich: „Das wird ein fantastisches Turnier.“



