Infantino zur Visa-Affäre: „Manchmal ist es gut, einfach zu chillen“
Der Fall des somalischen Schiedsrichters Omar Artan, dem die USA die Einreise verweigerten, sorgt kurz vor dem Start der Weltmeisterschaft für Aufsehen. Nun hat sich FIFA-Präsident Gianni Infantino persönlich zu dem Vorfall geäußert und um Verständnis für die Position des Fußball-Weltverbands geworben.
„Wir versuchen immer, Lösungen zu finden“, sagte der 56-Jährige in Mexiko-Stadt. „Aber wir müssen respektieren, dass wir nicht die Könige der Welt sind, die über Regierungen und die Polizei bestimmen. Wir sind eine Sportorganisation.“ Infantino betonte, dass es „natürlich unglücklich“ sei, dass Artan die Einreise verweigert wurde. „Wir kontrollieren nicht alles. Wir versuchen, wir werden diskutieren, wir werden sprechen, wir werden sehen. Manchmal ist es gut, einfach zu chillen, zu relaxen. Wir versuchen, alles zu lösen“, so Infantino weiter. Später fügte er hinzu: „Wir hoffen, dass wir gute Nachrichten haben“, ohne jedoch konkreter zu werden.
Hintergrund der Visa-Affäre
Omar Artan sollte als erster Schiedsrichter Somalias bei einer Weltmeisterschaft Spiele leiten, nachdem er es auf die finale Liste des Weltverbands geschafft hatte. Die verweigerte Einreise begründeten US-Behörden mit Sicherheitsbedenken wegen angeblicher Verbindungen zu einer Terrororganisation, wie ein namentlich nicht genannter Vertreter der US-Regierung dem Nachrichtensender CNN mitteilte. Somalia gehört zu den 39 Staaten, deren Staatsangehörige von den verschärften Einreisebestimmungen der US-Regierung unter Präsident Donald Trump betroffen sind. Bürger dieser Länder werden bei der Einreise zusätzlichen Überprüfungen unterzogen.
Die FIFA hatte zuvor bereits darauf verwiesen, dass das Gastgeberland wie bei vorherigen Turnieren das ultimative Recht habe, über die Visavergabe zu entscheiden. „Die FIFA ist nicht an den Einwanderungsverfahren des Gastgeberlandes beteiligt, einschließlich der Entscheidung über Visaanträge“, hieß es vom Weltverband. Diese Haltung stieß auf deutliche Kritik. UN-Menschenrechtschef Volker Türk forderte die USA in der Diskussion um die Einreiseprobleme vor der WM grundsätzlich zu einem Politikwechsel auf. Auch der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter griff seinen Nachfolger verbal an: „Der amtierende Präsident sollte beweisen, dass er stärker ist als sein guter Freund im Weißen Haus, nicht wahr?“, sagte Blatter der „L'Équipe“ in Anspielung auf das gute Verhältnis von Infantino zu US-Präsident Donald Trump.



