Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hat der Ukraine mit einer Reaktion auf einen Angriff auf ein iranisches Handelsschiff im Kaspischen Meer gedroht. Der Angriff „kann nicht unbeantwortet bleiben“, erklärte Araghtschi am Sonntag in Telefonaten mit der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow, wie er auf der Plattform X mitteilte. Nach iranischen Angaben führte der Angriff zu einer Explosion, bei der ein Matrose ums Leben kam und ein weiterer verletzt wurde.
Ukraine meldet Treffer auf Schiffe mit militärischen Gütern
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Samstag verkündet, dass weitreichende Drohnen der Ukraine Schiffe im Kaspischen Meer getroffen hätten. Auf Facebook teilte er mit, darunter seien Schiffe gewesen, die militärische Güter geladen und Bezug zum Iran gehabt hätten. In seiner abendlichen Videoansprache verwies Selenskyj auf eine verstärkte militärische Zusammenarbeit zwischen Moskau und Teheran. So versorge Russland das iranische Militär „intensiv“ mit Satellitenaufnahmen von der Golfregion.
Iran bestreitet Einmischung in Ukraine-Krieg
Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums sagte am Montag, die Folgen einer iranischen Reaktion würden für die Ukraine „nicht vorhersehbar“ sein. Der ukrainische Angriff zeuge von der „irrationalen und feindseligen Haltung des ukrainischen Regimes gegenüber dem Iran“, behauptete das Außenministerium. Die Islamische Republik habe sich „niemals in den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine eingemischt“. Tatsächlich unterstützte der Iran die russische Invasion in der Ukraine maßgeblich durch die Lieferung billiger Einweg-Kampfdrohnen, die Moskau inzwischen selbst massenweise herstellt. Laut dem iranischen Staatsfernsehen wurde der ukrainische Geschäftsträger in Teheran ins Außenministerium einbestellt.
Hintergrund: Drohnenkooperation zwischen Iran und Russland
Die Beziehungen zwischen dem Iran und Russland haben sich seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 erheblich vertieft. Der Iran lieferte tausende von Drohnen, darunter die Shahed-136, die von Russland für Angriffe auf ukrainische Infrastruktur eingesetzt werden. Im Gegenzug erhält Teheran militärische und technologische Unterstützung, darunter Satellitenbilder und möglicherweise Raketentechnologie. Die Ukraine und westliche Staaten verurteilen diese Zusammenarbeit regelmäßig als Verstoß gegen internationale Sanktionen und als Eskalation des Konflikts.
Angesichts der jüngsten Drohungen aus Teheran bleibt unklar, zu welchen konkreten Schritten der Iran greifen könnte. Diplomatische Beobachter warnen vor einer weiteren Destabilisierung der Region, da das Kaspische Meer eine wichtige Seeroute für den Energie- und Gütertransport darstellt. Die EU und die USA haben bisher nicht offiziell auf die iranischen Drohungen reagiert. Die Ukraine selbst betont ihr Recht auf Selbstverteidigung und kündigte weitere Angriffe auf militärische Ziele an, die mit der russischen Kriegsführung in Verbindung stehen.



