Die iranischen Staatsmedien haben in der Nacht zum Donnerstag erstmals seit Beginn der aktuellen Kämpfe um die Kontrolle über die Straße von Hormus Explosionen in der Umgebung der Hauptstadt Teheran gemeldet. Die Angriffe hätten zudem die Provinz Semnan getroffen, in der die Produktion ballistischer Raketen sowie das iranische Raumfahrtprogramm angesiedelt sind. Zunächst gab es keine Angaben zu möglichen Opfern oder Schäden.
US-Militär beendet nächtliche Angriffswelle
Das US-Militär hat nach eigenen Angaben eine nächtliche Welle von Luftangriffen gegen den Iran beendet. Die Angriffe erschütterten erstmals auch Teile des Nordens des Landes. Iranische Staatsmedien berichteten von Explosionen in der Umgebung Teherans sowie von Angriffen auf die Provinz Semnan. Das US-Zentralkommando Centcom erklärte auf der Plattform X, die Angriffe hätten um 3:00 Uhr nordamerikanischer Zeit (21:00 MESZ) begonnen. „Die Angriffe richten sich gegen iranische Militäreinrichtungen, die dazu dienen, Schiffe zu bedrohen, die die Straße von Hormus frei durchfahren“, hieß es.
Iran greift Bahrain und Kuwait an
Als Reaktion auf die US-Angriffe startete der Iran am frühen Donnerstagmorgen Angriffe gegen Bahrain und Kuwait. Zunächst gab es keine Angaben zu Schäden oder Opfern. Die iranischen Angriffe erfolgten, nachdem die USA erneut eine Seeblockade gegen den Iran verhängt und ihre Luftangriffe verstärkt hatten. Die USA hatten am Mittwochabend eine dritte Angriffswelle innerhalb von 24 Stunden gestartet, bei der unter anderem ein unter der Flagge Curaçaos fahrender Öltanker auf dem Weg zur Insel Charg außer Gefecht gesetzt wurde.
Das US-Militär gab an, der Tanker habe verschiedene Warnungen ignoriert und versucht, gegen die US-Blockade von iranischen Häfen zu verstoßen. Man habe den Schornstein des Schiffes mit Raketen beschossen und es manövrierunfähig gemacht.
US-Angriffe bereiten umfassendere Einsätze vor
Die jüngsten US-Angriffe auf den Iran sollen Insidern zufolge nicht nur die Straße von Hormus offenhalten, sondern zudem mögliche umfassendere Militäroperationen vorbereiten. Die Bombardements sollten die iranische Luftabwehr sowie Radaranlagen und Raketenstellungen schwächen, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute US-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Dies erweitere die militärischen Optionen von US-Präsident Donald Trump. Einem der Insider zufolge handele es sich um vorbereitende Maßnahmen für den Fall, dass die US-Streitkräfte den Befehl für intensivere Einsätze erhielten.
Iran: Halten uns ohne eigenen Nutzen nicht an US-Vereinbarung
Der Iran sieht Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf zufolge keinen Grund, sich an eine Absichtserklärung mit den USA zu halten, wenn das Land nicht davon profitiere. Die Islamische Republik befinde sich in einem existenziellen Krieg gegen die USA, deren Ziel es sei, das iranische System zu stürzen und das Land zu spalten. Die Streitkräfte hätten freie Hand, um der Aggression des Feindes entgegenzutreten. Zugleich betonte Ghalibaf, dass auch Diplomatie und Verhandlungen eingesetzt werden müssten, um nationale Interessen zu wahren.
USA verhängen Sanktionen gegen iranisches Waffenbeschaffungsnetzwerk
Die US-Regierung verhängte Sanktionen gegen Personen und Unternehmen, die als Teil eines internationalen Netzwerks den Iran bei der Waffenbeschaffung unterstützen sollen. Davon betroffen seien iranische und russische Staatsbürger sowie Einrichtungen im Iran, in Russland und in Nigeria, teilte das US-Finanzministerium mit. Der Iran nutze ausländische Luftfahrt- und Transportunternehmen sowie Finanzkanäle, um die Rolle der iranischen Revolutionsgarden beim illegalen Erwerb zu verschleiern.
Irak weist Umsetzung von Sanktionen gegen Hisbollah an
Der Irak hat seine Banken und zuständigen Finanzinstitutionen angewiesen, neue US-Sanktionen gegen mutmaßliche Unterstützer-Netzwerke der libanesischen Hisbollah und der Terrororganisation Islamischer Staat umzusetzen. Die Maßnahmen zielten darauf ab, den Zugang sanktionierter Personen und Organisationen zum irakischen Finanzsystem zu unterbinden, teilte ein irakischer Regierungsvertreter mit. Der Schritt erfolgte einen Tag nach einem Treffen des irakischen Ministerpräsidenten Ali al-Saidi mit US-Präsident Donald Trump in Washington.
Hohe Opferzahlen nach US-Luftangriffen
Bei den jüngsten US-Luftangriffen auf Ziele im Iran sind nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums mehr als 35 Menschen getötet worden. Mindestens 72 Menschen seien zudem in den vergangenen Tagen mit Verletzungen in Krankenhäuser gebracht worden, sagte Ministeriumssprecher Hossein Kermanpur. Die Zahl der Verletzten lag damit deutlich höher als bei allen anderen jüngsten Angriffen auf den Iran. Laut staatlichem Fernsehen kündigte das iranische Militär eine entschlossene Antwort auf „diese aggressive Aktion des amerikanischen Feindes“ an.
Bereits zuvor hatte der Iran 30 Tote und mehr als 260 Verletzte bei neuen US-Luftangriffen gemeldet. Regierungssprecherin Fatemeh Mohadscherani schrieb auf X: „Wir sprechen den trauernden Familien unser Mitgefühl und Beileid aus und ehren das Andenken der Verstorbenen.“
Israelisches Parlament schwächt Kontrolle der Regierung
Das israelische Parlament hat ein umstrittenes Gesetz verabschiedet, das die Befugnisse der Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara deutlich einschränkt. Die Knesset billigte das Gesetz in dritter und letzter Lesung. Nach Angaben der Regierungskoalition soll das Gesetz das Verhältnis zwischen Regierung und Rechtsberatung neu ordnen. Kritiker sehen darin eine Schwächung der rechtsstaatlichen Kontrolle der Exekutive. Die Generalstaatsanwältin prüft unter anderem, ob Entscheidungen der Regierung mit geltendem Recht vereinbar sind. Der nun gebilligte Gesetzentwurf sieht vor, dass diese Rechtsgutachten nicht länger bindend sind und die Regierung sie faktisch ignorieren kann.
Fortschritte bei israelisch-libanesischen Gesprächen
Bei den von den USA vermittelten Gesprächen in Rom zwischen israelischen und libanesischen Regierungsvertretern hat es nach Angaben aus libanesischen Regierungskreisen „sichtbare Fortschritte“ bei der Festlegung von Gebieten für zwei sogenannte Pilotzonen gegeben. Am Freitag sollten weitere Gespräche auf militärischer Ebene zur genauen Umsetzung folgen. In einem jüngsten Rahmenabkommen wurde vereinbart, dass der Rückzug in Pilotzonen getestet werden soll.
Weitere Entwicklungen
Jordanien hat nach eigenen Angaben drei aus dem Iran abgefeuerte Raketen abgeschossen. Die Flugabwehr habe die Raketen am frühen Morgen abgefangen, Opfer oder Schäden habe es nicht gegeben. Irans Revolutionsgarden reklamierten einen Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt al-Asrak. Zudem wurde bei nächtlichen US-Angriffen ein Weizensilo in der Provinz Chusestan getroffen, wobei es keine Todesopfer gab.
Die Demokraten im US-Senat haben aus Protest gegen den Iran-Krieg ein Gesetz über den Verteidigungshaushalt blockiert. „Trump hat diesen Krieg ohne Autorisierung, ohne Strategie und ohne einen Ausweg begonnen“, sagte der demokratische Mehrheitsführer Chuck Schumer. Das Votum fiel mit 50 zu 46 Stimmen zu knapp aus, um das Gesetzgebungsverfahren fortzusetzen.



