Gastkommentar: Irankrieg verändert Golfregion – Europa muss handeln
Irankrieg verändert Golfregion – Europa muss handeln

Der Krieg am Golf wird irgendwann enden – sei es rasch durch die aktuellen Verhandlungen, nach weiteren Zyklen zerstörerischer Gewalt oder nach Monaten hoher Spannung mit wiederholten militärischen Schlägen und Gegenschlägen. Ein umfassendes Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran ist nicht zu erwarten, und eine Einigung zwischen der iranischen Führung und Israel ist sogar ausgeschlossen.

Optimistisches Szenario: Waffenstillstand und Gespräche

Im besten Fall einigen sich die USA und der Iran auf einen längerfristigen Waffenstillstand und vereinbaren weitere Gespräche über das iranische Atomprogramm, amerikanische Sanktionen und den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus. Dies würde beiden Seiten die Möglichkeit geben, ihre Blockaden des Schiffsverkehrs aufzuheben, aber die Drohung mit neuen Schließungen aufrechtzuerhalten.

Pessimistisches Szenario: Einseitige Siegeserklärungen

Es ist auch möglich, dass Washington und Teheran sich jeweils ein weiteres Mal zu Siegern erklären und einseitig ein Ende der Kampfhandlungen verkünden. In der Region würde dann nach dem Krieg vieles so aussehen wie vor dem Krieg – aber nicht alles. Die Machtbalance zwischen den Regionalstaaten wird fluide bleiben. Israel bleibt militärisch dominant, während Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) das wirtschaftliche und zunehmend auch politische Zentrum der Region bilden.

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Europas Rolle und Chancen

Ein Kriegsende am Golf würde Europa die Chance eröffnen, politisch und wirtschaftlich Einfluss zurückzugewinnen. Volker Perthes, ehemaliger UN-Untergeneralsekretär und Distinguished Visiting Fellow bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, zeigt in seinem Gastkommentar auf, wo die Anknüpfungspunkte liegen. Europa müsse jetzt handeln, um in der neuen regionalen Ordnung eine Rolle zu spielen. Dazu gehöre, sich als Vermittler in den Gesprächen über das Atomprogramm zu positionieren und wirtschaftliche Kooperationen mit den Golfstaaten auszubauen.

Der Autor betont, dass die Zeit drängt. Wenn Europa nicht aktiv werde, drohe es zwischen den USA, Iran und den Regionalmächten an den Rand gedrängt zu werden. Die aktuellen Verhandlungen böten eine einmalige Gelegenheit, die es zu nutzen gelte.

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