Israel rückt im Libanon vor: Bundesregierung verliert Geduld
Israel rückt vor Libanon: Berlin verliert Geduld

Israel rückt im Libanon vor: Bundesregierung verliert Geduld

Berlin. Offiziell gilt eine Waffenruhe, doch Israel weitet seine Bodenoffensive im Libanon weiter aus. Premierminister Benjamin Netanjahu nutzt die Schwäche von US-Präsident Donald Trump aus, um Tatsachen zu schaffen. Ein Kommentar von Christian Kerl, Korrespondent der Funke Mediengruppe.

Die Bundesregierung verliert zunehmend die Geduld mit Israel. Nach dem erneuten Vormarsch im Süden des Libanons, auch jenseits des Litani-Flusses, ist die Eskalation kaum noch zu rechtfertigen. Zwar muss sich Israel gegen Angriffe der Hisbollah-Terrormiliz verteidigen können, doch Netanjahu verfolgt weitreichendere Ziele. Er will während der Waffenruhe offenbar Grenzen neu ziehen.

Die Weltöffentlichkeit ist derzeit vom Iran-Konflikt abgelenkt, und das Regime in Teheran ist zu schwach, um die Hisbollah zu unterstützen. So nutzt Netanjahu die Gunst der Stunde, um Fakten zu schaffen. Israels Soldaten dringen tief in den Süden des Libanons vor. Die Angriffe haben bereits Tod und Verwundung Tausender Zivilisten verursacht, die Vertreibung von rund einer Million Menschen und die Zerstörung ziviler Infrastruktur.

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Gut, dass die Bundesregierung Klartext spricht

Dieses Vorgehen dürfte die Chancen für ein Abkommen zwischen Libanon und Israel weiter schmälern. Dabei ist nur eine Verhandlungslösung, die die libanesische Regierung im Kampf gegen die Hisbollah stärkt, dauerhaft friedensfähig. Es ist daher zu begrüßen, dass die Bundesregierung jetzt Klartext spricht. Noch besser wäre es, wenn sie auch hinter den Kulissen ihren Einfluss auf Israel in diesem Sinne geltend machen würde.

Entscheidend bleibt jedoch der Kurs der US-Regierung. Washington bemüht sich zwar um eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah, aber Präsident Trump braucht Netanjahu trotz wachsender Differenzen weiterhin als Verbündeten in seinem erfolglosen Iran-Abenteuer. Diese Schwäche Trumps nutzt der israelische Premier drei Monate vor der Parlamentswahl gnadenlos aus.

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