Unionsfraktionschef Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke haben mit der Bekanntgabe ihrer Elternschaft für Aufsehen gesorgt. Auf Instagram posteten die beiden ein Bild mit Kinderwagen und erhielten Glückwünsche, unter anderem von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU). Allerdings gab es auch kritische Kommentare, denn die beiden Väter nahmen laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung die Hilfe einer Leihmutter in den USA in Anspruch – ein Vorgehen, das in Deutschland verboten ist.
Wie viele gleichgeschlechtliche Paare haben Kinder?
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts aus dem Mikrozensus 2024 gab es in Deutschland 31.000 gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern, darunter 9.000 Männerpaare. Die Zahl der Kinder in Regenbogenfamilien gab Destatis mit 50.000 an; werden erwachsene Kinder mitgezählt, sind es 62.000. Laut dem Verband für Queere Vielfalt LSVD stammen Kinder schwuler Paare oft aus früheren heterosexuellen Beziehungen eines Partners. 54 Prozent der schwulen Väter hatten Pflegekinder, einige wenige entscheiden sich für leibliche Kinder mittels Leihmutterschaft.
Rechtslage in Deutschland
In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten, ebenso die Vermittlung. Verträge über eine Leihmutterschaft gelten zivilrechtlich als sittenwidrig und sind wirkungslos. Die rechtliche Mutter ist stets die Frau, die das Kind geboren hat. Nicht strafbar machen sich die „Wunscheltern“, die ihr Kind von einer Leihmutter im Ausland austragen lassen. Die größte Hürde ist die Einreise des Babys nach Deutschland: Deutsche Behörden müssen die Rechtslage, insbesondere Abstammung und Staatsangehörigkeit, prüfen und zustimmen. Laut Justizministerium ist die Anerkennung einer Entscheidung über die rechtliche Elternschaft nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs im Einzelfall möglich, wenn mindestens ein Elternteil genetisch mit dem Kind verwandt ist. Spahn sagte der „Bild“: „Mein Mann ist Papa geworden, und ich mit ihm.“
CDU zur Leihmutterschaft
Die CDU hielt im Februar in einem Parteitagsbeschluss fest: „Angesichts ethischer, rechtlicher und praktischer Bedenken gegenüber Leihmutterschaft bekräftigt die CDU Deutschlands ihre Forderung, Leihmutterschaft – auch in altruistischen Modellen – in Deutschland weiterhin zu verbieten, um Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern.“ Eine Sprecherin bestätigte der dpa: „Die CDU Deutschlands hat einen klaren Parteitagsbeschluss. Die geltende Rechtslage in Deutschland soll aus Sicht der Partei bleiben, wie sie ist.“ Daniel Funke ging in der „Bild“ auf mögliche Bedenken ein: „Uns ist bewusst, dass beim Thema Leihmutterschaft oft Unsicherheit herrscht und auch manches Vorurteil besteht. Aber wie sagte der große Franz Beckenbauer: 'Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.'“
Wie findet man eine Leihmutter?
Im Internet werben Agenturen mit Sitz in Nordamerika mit der Vermittlung von Leihmüttern. Sie versprechen, auf Basis von Profilen den „perfekten Match“ zu finden und bei medizinischen, rechtlichen und vertragsrechtlichen Fragen zu beraten. „Sobald die rechtlichen Verträge abgeschlossen sind, wird der Embryotransfer geplant“, heißt es auf einer Webseite. Die Kosten für den gesamten Prozess gibt dieser Anbieter mit 140.000 bis 160.000 US-Dollar (etwa 122.000 bis 140.000 Euro) an. Eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2022 in einem brasilianischen Fachjournal bezifferte die Gesamtkosten in den USA auf bis zu 200.000 Dollar. Ein anderer Anbieter vermittelt Leihmütter in anderen Ländern ab 37.500 Euro, in der Ukraine ab 49.000 Euro (59.000 Euro mit Wunschgeschlecht). Die Preise enthalten eine „Kompensation der Dienstleistungen der Leihmutter“. Laut einer Beratungswebsite macht die Entschädigung für die Leihmutter etwa 50 Prozent der Gesamtkosten aus.
Wo ist Leihmutterschaft legal?
In den USA ist Leihmutterschaft legal, die rechtlichen Details legen die Bundesstaaten fest. Es gibt ethische Leitlinien, und die Bezahlung der Leihmutter ist erlaubt. In Kanada ist nur altruistische Leihmutterschaft erlaubt: Die Leihmutter darf nicht bezahlt werden, erhält aber Auslagenerstattung. In der EU ist die Frage nicht einheitlich geregelt; jeder Mitgliedsstaat hat eigene Vorgaben. In Griechenland ist Leihmutterschaft unter Auflagen und mit gerichtlicher Genehmigung möglich. Die Ukraine erlaubte lange kommerzielle Leihmutterschaften, der russische Angriffskrieg erschwerte solche Verfahren jedoch.
Medizinischer Ablauf
Über Agenturen vermittelte Leihmütter werden vorab medizinisch getestet und erhalten Vorgaben, etwa auf Alkohol oder Zigaretten zu verzichten. Der Embryo wird in vitro gezeugt, also außerhalb des Mutterleibs aus einer Eizelle und einer Samenzelle, und in die Gebärmutter der Leihmutter eingesetzt. Diese muss hormonell auf die Schwangerschaft vorbereitet werden. Oft sind mehrere Versuche nötig. Bei einer Schwangerschaft werden Leihmutter und Baby wie üblich medizinisch betreut und regelmäßig untersucht.



