In der ARD-Talksendung „Maischberger“ kam es zu einer hitzigen Debatte über die Rolle des Sports in politisch angespannten Zeiten. Während der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer eine bevorstehende Zäsur für Europa prophezeite, lenkte Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann den Fokus strikt auf den Sport. Die Sendung vom Mittwochabend zeigte einmal mehr, wie stark Politik und Fußball miteinander verwoben sind.
Klinsmanns klare Ansage an die Nationalspieler
Angesichts der angespannten politischen Stimmung im Gastgeberland USA und der Art und Weise, wie US-Präsident Donald Trump den Glanz des Sports für eigene Botschaften nutzt, forderte ARD-Moderator Ingo Zamperoni, dass Spieler die Weltbühne auch für Kritik nutzen sollten. Besonders in der Latino-Community, für die Fußball enorm wichtig sei, herrsche wegen der US-Einwanderungsbehörde ICE massive Unsicherheit. Klinsmann hingegen hatte eine klare Ansage: „Man geht nicht als Athlet oder Mannschaft in ein Land, um politische Botschaften zu verbreiten. Das gehört sich nicht, und deshalb macht man es einfach nicht.“ Wer dies dennoch tue, so der Weltmeister von 1990, beschwöre nur „schlechtes Karma“.
Für die deutsche Nationalmannschaft sieht der ehemalige Bundestrainer großes Potenzial. Er hoffe wie alle, dass Deutschland Weltmeister wird. Die DFB-Elf habe das Zeug dazu, man müsse sich für den Erfolg jedoch aufopfern. Über fünfeinhalb Wochen seien Topleistungen sowie eine extreme Leidensfähigkeit notwendig. Mit Ausnahmespielern wie Florian Wirtz und Jamal Musiala sei vieles möglich, wenngleich Brasilien als Favorit für ihn ins Turnier gehe.
Joschka Fischer warnt vor geopolitischer Zäsur
Weitaus düsterer war das Bild, das Joschka Fischer an diesem Abend zeichnete. Er blickte mit Sorge auf die unberechenbare US-Politik unter Trump, der die USA schrittweise aus Europa herauslösen wolle. Dies bedeute eine völlig veränderte geopolitische Situation, in der die Hauptlast der Verteidigung auf die Europäer zurückfalle. Die Nato existiere zwar formal noch, doch ihre zukünftige Form und Intensität seien völlig ungewiss. „Wir stehen vor einer massiven Zäsur, und diese Zäsur verlangt belastbare Antworten“, so der Ex-Außenminister.
Gespräche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin erachtet Fischer derzeit als zwecklos, da dieser seine Kriegsziele nicht aufgeben wolle. Zur Lösung europäischer Krisen forderte er ein funktionierendes deutsch-französisches Verhältnis, das aktuell jedoch spürbar lahme. Die innenpolitische Lage in Deutschland sieht Fischer ebenfalls kritisch. Große Reformen bräuchten ein gemeinsames Projekt, für das Parteien im Interesse des Landes auch mal zurücktreten müssten.
Innenpolitische Debatte: AfD im Fokus
Die innenpolitische Diskussionsrunde sparte nicht an harten Worten. Journalistin Nena Brockhaus zeigte sich genervt vom aktuellen Zustand der heimischen Politik und nannte das Verhalten mancher Politiker schlicht „lächerlich“. Wer einig sei, müsse nicht ständig darüber sprechen. Literaturkritiker Denis Scheck entgegnete, dass „Showmanship“ nun einmal zur Politik gehöre und man sich zusammenraufen müsse, auch wenn schmerzhafte Reformen bevorstünden.
Besonders scharf geriet die Debatte um die AfD, die laut Julie Kurz, ARD-Korrespondentin im Hauptstadtstudio, in Ostdeutschland bereits als Volkspartei verankert sei. Denis Scheck sparte nicht mit scharfer Kritik und bezeichnete die Partei als „Alternative für Russland“ mit nachgewiesenen Moskauverbindungen. Ein Parteiverbot müsse ernsthaft geprüft werden, da das Land mit einer solchen Partei in Regierungsverantwortung „sofort am Ende“ wäre. Nena Brockhaus warnte hingegen vor einem Verbot als Zeichen von Argumentationslosigkeit, gestand jedoch ein, dass ihr die Partei Angst mache.
Fischers Schlusswort
„Fundamentalismus hat eine verzerrte Realitätswahrnehmung“, sagte Joschka Fischer am Ende seines Interviews. „Nur wer die Menschen mitnimmt, schafft etwas, das am Ende auch Bestand hat.“ Damit gab er der derzeitigen Regierung auch einen Auftrag mit auf den Weg.



