Der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat die deutsche Nationalmannschaft dazu aufgerufen, sich bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA mit politischen Äußerungen zurückzuhalten. In der ARD-Talksendung „Maischberger“ betonte Klinsmann, dass das Team um Kapitän Joshua Kimmich sich absolut nicht politisch positionieren solle.
Klinsmann: „Gehört sich nicht“
„Du gehst nicht als Team in ein Land, um politische Botschaften zu überbringen. Das gehört sich nicht. Wenn ich das aus der Ferne mache – egal, ob Katar oder Russland, dann kreiere ich schlechtes Karma“, erklärte der frühere Weltklassestürmer. Er bezog sich damit auf die Erfahrungen der deutschen Mannschaft bei den vergangenen Turnieren.
Debatte um die One-Love-Binde
In Katar hatte es wegen der Menschenrechtssituation im Land beim DFB-Team tagelange Diskussionen um die sogenannte One-Love-Binde gegeben. Am Ende hatte der Weltverband FIFA die Binde verboten. Daraufhin gab die Mannschaft vor dem verlorenen Gruppen-Auftakt gegen Japan ein Statement ab, indem sich die Spieler beim Mannschaftsfoto den Mund zuhielten. Klinsmann empfand dieses Verhalten als ziemlich unpassend.
Lektion aus Russland und Katar
Klinsmann stellte fest, dass man sich sowohl bei der WM 2018 in Russland als auch vor vier Jahren in Katar schlechtes Karma eingehandelt habe. „Und dann vor allem: Man hat Katar unglaublich schlechtgeredet, ohne irgendwelche Beweise vorzulegen. Dann schädigst du deiner Mannschaft“, sagte der 61-Jährige. Er betonte, dass Sport und Politik zwar eine Verbindung hätten, „aber es hört dann irgendwo auch auf. Das macht man einfach nicht. Die Lektion haben wir jetzt gelernt von Russland und Katar.“
DFB-Präsident mahnt zur Zurückhaltung
Bereits kurz vor Turnierbeginn hatte DFB-Präsident Bernd Neuendorf zu Zurückhaltung in politischen Fragen gemahnt. In einem Gastbeitrag für das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) schrieb er: „Wir tun als Fußballverband gut daran, in dieser hektischen Zeit nicht jedes tagespolitische Ereignis und jede Aussage reflexhaft zu kommentieren.“
Auftakt gegen Curaçao
Am Sonntag (19.00 Uhr, ARD und MagentaTV) startet die Elf von Trainer Julian Nagelsmann gegen den WM-Neuling Curaçao ins Turnier. Deutschland ist in Houston klarer Favorit. Weitere Gruppengegner sind Ecuador und die Elfenbeinküste. Die Mannschaft hofft, diesmal ohne politische Ablenkungen sportlich zu überzeugen.



