Gerade erst einigten sich Israel und der Libanon auf die Umsetzung einer Waffenruhe. Doch die Einhaltung scheint fragil. Während libanesische Medien erneut israelische Angriffe meldeten, wurde in Israel Luftalarm ausgelöst. Israels Polizeiminister, Hardliner Itamar Ben-Gvir, bezeichnete die Vereinbarung als „schweren Fehler“.
Israelische Angriffe im Südlibanon
Die libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete von israelischen Drohnenangriffen auf Straßen an mehreren Orten im Südlibanon, bei denen es mindestens ein Todesopfer gegeben habe. Israel setzt zudem seinen Bodeneinsatz im Südlibanon fort. Verteidigungsminister Israel Katz teilte mit, dass vertriebene Libanesen noch nicht in ihre Häuser zurückkehren könnten. Die Truppen würden in der sogenannten Sicherheitszone bleiben, um die dortige terroristische Infrastruktur abzubauen. Israel behalte sich zudem das von den USA unterstützte Recht vor, als Reaktion auf Angriffe auch Ziele in Beirut anzugreifen.
Luftalarm in Nordisrael
Die israelische Armee teilte mit, dass im Norden Israels Luftalarm ausgelöst worden sei. Einer der Alarme habe sich als Fehlalarm herausgestellt. Bei dem ersten Vorfall sei ein „feindliches Flugzeug in der Gegend von Kfar Juval“ festgestellt worden. Der Vorfall sei „abgeschlossen“ worden, es habe keine Verletzten gegeben. Ein zweiter Alarm in der Gegend von Al-Aramsche habe sich als Fehlalarm entpuppt.
Waffenruhe-Vereinbarung in Washington
Israel und der Libanon hatten sich am Mittwoch bei ihren Gesprächen in Washington auf die „Umsetzung einer Waffenruhe“ geeinigt. Es sollten dabei bestimmte „Pilotzonen“ unter „exklusiver Kontrolle“ der libanesischen Armee geschaffen werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Zudem sollten noch in diesem Monat weitere Gespräche geführt werden. Beide Seiten schränkten in ihrer Erklärung zugleich ein, dass die Umsetzung einer Waffenruhe „von einer vollständigen Einstellung der Angriffe der Hisbollah“ auf Israel abhänge.
Ben-Gvirs scharfe Kritik
Der israelische Polizeiminister Itamar Ben-Gvir kritisierte die Vereinbarung zur Umsetzung einer Waffenruhe umgehend als „schweren Fehler“. Es handele sich um „Wunschträume von Beratern, die den Ministerpräsidenten zu falschen Entscheidungen verleiten“, schrieb er auf X. Tatsächlich werde die libanesische Hisbollah-Miliz durch die Vereinbarung nur stärker werden. „Statt sie zu besiegen, findet sich Israel zunehmend mit ihrer Existenz ab“, so Ben-Gvir. Der libanesische Staat sei ein „Partner der Hisbollah“ und nicht in der Lage, die mit Israel verfeindete Miliz aus dem Grenzgebiet zu verdrängen.
Hintergrund der Eskalation
Eigentlich gilt im Libanon bereits seit dem 17. April eine Feuerpause. Israel und die von Teheran unterstützte libanesische Hisbollah-Miliz greifen sich dessen ungeachtet weiter täglich an. Die Hisbollah lehnt die Waffenruhe ebenso ab wie die Gespräche zwischen Israel und dem Libanon in Washington, die ohne ihre Beteiligung stattfinden. Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei feuert die Hisbollah seither immer wieder Raketen auf Israel ab. Israel fliegt seinerseits Luftangriffe auf zahlreiche Ziele im Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.



