Mercedes-Werk in Ludwigsfelde: Vom Sprinter zum Boxer-Panzer
Ludwigsfelde: Mercedes gibt Sprinter auf, KNDS kommt

Vom Sprinter zum Boxer: Zeitenwende im Brandenburger Mercedes-Werk

Mercedes wird die Produktion von Transportern in Ludwigsfelde aufgeben und verhandelt mit dem Panzerhersteller KNDS über die Transformation des Standorts. Der Plan sieht vor, den Sprinter nach und nach durch den Radpanzer Boxer zu ersetzen. In den letzten Wochen führten die Unternehmen detaillierte Gespräche über die Rollenverteilung. Eine Option ist die Übertragung des Werks an KNDS, ähnlich wie Alstom in Görlitz. Eine andere Möglichkeit ist ein Joint Venture, bei dem Mercedes in das Rüstungsgeschäft einsteigt.

Mercedes-CEO Ola Källenius äußerte sich kürzlich im Wall Street Journal: Der Konzern könne bei der Aufrüstung eine positive Rolle spielen. Mit KNDS-Deutschlandchef Florian Hohenwarter, der 25 Jahre bei Mercedes arbeitete, hat Källenius einen erfahrenen Partner an seiner Seite. Hohenwarter kennt die effiziente Produktion und treibt die Modernisierung der Rüstungsfertigung voran. Im Münchner KNDS-Werk unterstützt der Autozulieferer Dräxlmaier bei der Skalierung. Zehn Boxer werden dort monatlich produziert, aber das ist nur der Anfang. Bis 2030 soll die Produktion versechsfacht werden, um die Bedarfe der Bundeswehr zu decken. Allein das Projekt Arminius plant die Beschaffung von 3000 Boxer-Panzern.

Mercedes kam 1991 nach Ludwigsfelde zurück, wo bereits 1936 Daimler-Benz Motoren montierte. Aktuell laufen offene Sprinter-Transporter vom Band, während geschlossene Modelle in Düsseldorf gebaut werden. Das Werk mit 1600 Beschäftigten wird transformiert: Die Sprinter-Fertigung wird bis 2029 nach Polen verlagert. Ludwigsfelde bleibt als Anlauffabrik für die künftige Van-Architektur und Montagestandort des Campingfahrzeugs Marco Polo mit einigen hundert Arbeitskräften. Ein Investment von KNDS mit Übernahme eines Großteils der Belegschaft wäre daher willkommen.

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KNDS entstand vor zehn Jahren aus der Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und Nexter und ist Europas führender Hersteller von Rüstungsfahrzeugen. Zum Portfolio gehören der Leopard 2, der Puma und der Boxer. Über 2000 Boxer sind bereits bei Streitkräften in Deutschland, den Niederlanden, Litauen, Großbritannien, Katar, Australien und der Ukraine im Einsatz. Die Nachfrage steigt enorm, und KNDS sucht zusätzliche Kapazitäten, etwa in Görlitz, wo auf einem Alstom-Gelände Module für Panzer gefertigt werden. Rund 400 der 700 Alstom-Beschäftigten werden übernommen.

Die Auftragsbücher von KNDS sind prall gefüllt: Ende 2025 standen Bestellungen über 33 Milliarden Euro, ein Plus von 13,5 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg auf 4,4 Milliarden Euro, das operative Ergebnis auf 660 Millionen Euro. Die Marge erreichte 15 Prozent, nahe an Rheinmetalls 18,5 Prozent. Diese Zahlen sind gute Voraussetzungen für den geplanten Börsengang, bei dem 20 Prozent der Anteile verkauft werden sollen. Jeweils 40 Prozent bleiben vorerst beim französischen und deutschen Staat.

Die Politik unterstützt die Rüstungsindustrie. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder würdigte die Bedeutung für den Arbeitsmarkt, und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke betonte, dass Rüstungsfirmen willkommen seien. Woidkes neuer Koalitionspartner CDU sieht die Rüstung entspannt, Hauptsache Arbeitsplätze. Ludwigsfelde liegt verkehrsgünstig an der Autobahn, nahe Berlin und dem Flughafen BER, und lockt mit qualifizierten Arbeitskräften.

KNDS hatte auch das VW-Werk in Osnabrück ins Auge gefasst, doch dort plant Volkswagen die Fertigung von Komponenten für das Flugabwehrsystem Iron Dome mit dem israelischen Unternehmen Rafael. Das Projekt könnte die gesamte Belegschaft von knapp 2000 Mitarbeitern aufnehmen. Details sollen vor den Sommerferien geklärt werden.

In Ludwigsfelde wird eine Mitteilung erwartet. Vom Projekt Boxer plus ist die Rede, möglicherweise sind weitere Aktivitäten geplant. Ob der Deal noch diese Woche vorgestellt wird, ist ungewiss, wie Erfahrungen aus Sachsen zeigen. Dort dauerte es von Juli 2024 bis Februar 2025, bis der KNDS-Alstom-Deal präsentiert wurde. Der Rüstungsmarkt ist dynamisch, aber neue Vorhaben brauchen Zeit.

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