Spanien entsendet das Militär in die Exklave Ceuta, nachdem tausende Migranten aus Marokko die Grenze überquert haben. Die Regionalregierung spricht von einem Notstand und fordert drastische Maßnahmen. Bei dem Versuch, die Küste zu erreichen, sind etliche Menschen ertrunken.
Massenansturm auf Ceuta
Am frühen Morgen des 30. Juli durchbrachen tausende Migranten die Grenzanlagen zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta. Laut Augenzeugenberichten und Aufnahmen in sozialen Medien schwammen viele Menschen um die Grenzzäune herum oder kletterten über die Barrieren. Die Regionalregierung von Ceuta bestätigte, dass die Zahl der Ankommenden innerhalb weniger Stunden auf mehrere Tausend anstieg.
Die spanischen Behörden in Ceuta sind nach eigenen Angaben völlig überfordert. „Wir befinden uns in einer Notsituation, die ein sofortiges Eingreifen erfordert“, erklärte ein Sprecher der Regionalregierung. Die Polizei vor Ort habe die Lage nicht unter Kontrolle bringen können, weshalb nun die Armee angefordert wurde.
Militärhilfe angefordert
Die spanische Zentralregierung in Madrid reagierte umgehend und ordnete die Verlegung von Militäreinheiten nach Ceuta an. Verteidigungsministerin Margarita Robles kündigte an, dass die Soldaten die Polizei bei der Sicherung der Grenze und der Registrierung der Migranten unterstützen werden. „Wir werden alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die territoriale Integrität und die öffentliche Ordnung wiederherzustellen“, so Robles in einer Stellungnahme.
Der Einsatz des Militärs in Ceuta ist kein Einzelfall. Bereits 2021 hatte Spanien nach einem ähnlichen Massenansturm von rund 8.000 Migranten die Armee zur Hilfe gerufen. Damals führte die Krise zu diplomatischen Spannungen mit Marokko. Aktuell ist unklar, ob die marokkanischen Behörden diesmal die Grenze nicht ausreichend gesichert haben oder eine bewusste Öffnung stattfand.
Humanitäre Lage angespannt
Neben den Sicherheitsaspekten bereitet die humanitäre Situation große Sorgen. Nach Angaben der Hilfsorganisationen sind bei der Überquerung der Meerenge von Gibraltar mehrere Migranten ertrunken. Die lokalen Rettungsdienste haben zahlreiche Leichen geborgen, die genaue Zahl ist noch unklar. Die Regionalregierung appelliert an das internationale Rote Kreuz, um die medizinische Versorgung der Ankommenden sicherzustellen.
In Ceuta, einer Stadt mit rund 85.000 Einwohnern, kommen die Aufnahmekapazitäten schnell an ihre Grenzen. Notunterkünfte werden in Sporthallen und Schulen eingerichtet. Die Behörden fordern die EU auf, Spanien bei der Bewältigung der Migrationskrise zu unterstützen. Der EU-Grenzschutz Frontex hat bereits Entlastungskräfte angekündigt.
Die Ereignisse in Ceuta werfen erneut die Frage nach einer gemeinsamen europäischen Migrationspolitik auf. Während Spanien auf schnelle Hilfe aus Brüssel hofft, bleibt die humanitäre Lage angespannt. In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob das Militär die Kontrolle zurückgewinnen kann und wie viele der Migranten einen Asylantrag stellen werden.



