Die bei dem mutmaßlich islamistischen Anschlag am Rande des Berliner Christopher Street Day (CSD) getötete Person ist eine 65-jährige Mutter aus Polen. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bestätigte am Montag, dass es sich um eine polnische Staatsangehörige handele, die mit ihrer Tochter in der Hauptstadt gewesen sei. Die Tochter überlebte die Tat verletzt im Berliner Tiergarten. Insgesamt wurden 29 Menschen verletzt, eine Person starb. Der mutmaßliche Täter Abdul Ballout wurde am Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz in Spandau erschossen, nachdem er mit einer Stichwaffe auf Einsatzkräfte zugelaufen war.
Hintergründe des Anschlags
Der 21-jährige Deutsche mit libanesischem Hintergrund war bereits polizeibekannt. Er war im November 2025 nach versuchter Ausreise nach Syrien festgenommen und im Mai 2026 zu 22 Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden – unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Nach seiner Entlassung stand er unter Überwachung, dennoch konnte er am Samstag mit einem Kleintransporter in eine Menschengruppe fahren und mit einer Stichwaffe um sich schlagen. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen islamistischen Hintergrunds.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
CDU-Sicherheitspolitiker forderten nach der Tat einen härteren Kurs gegen Gefährder. „Freiheitsrechte von gerichtsbekannten Extremisten und Islamisten dürfen spätestens dann nicht länger überhöht werden, wenn Leib und Leben von Menschen gefährdet sind“, sagte der Vorsitzende des Geheimdienst-Kontrollgremiums des Bundestags, Marc Henrichmann, dem „Handelsblatt“. Auch Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) kündigte Konsequenzen an: „Wir müssen das Jugendstrafrecht auf den Prüfstand stellen.“
Der Berliner CSD-Verein verurteilte den Angriff und kündigte an, weiter laut für die Rechte queerer Menschen einzutreten. „Wir benennen islamistischen Terror klar und ohne Relativierung“, hieß es in einer Stellungnahme. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland erklärte, Gewalt gegen Unschuldige finde im Islam keine Rechtfertigung. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einem „islamistischen Terroranschlag“.
Ermittlungen und Sicherheitslage
Ein zweiter Tatverdächtiger, ein Iraner, wurde am Sonntagabend aus dem Polizeigewahrsam entlassen, da sich der Verdacht nicht erhärtete. Der Vater des Täters, Tawfik B., sagte dem „Spiegel“, sein Sohn sei einer Gehirnwäsche unterzogen worden. Er habe kurz vor der Tat noch mit ihm telefoniert. Nach Angaben der Polizei gibt es in Berlin eine „mittlere zweistellige Zahl“ an islamistischen Gefährdern – Personen, von denen eine unmittelbare Gewalttat ausgehen könnte. Der Verfassungsschutz zählt knapp 2600 Anhänger islamistischer Ideologien in Berlin, davon gelten 980 als „gewaltorientiert“.
Medizinische Versorgung und Trauer
Die Charité versorgt noch vier Verletzte, von denen einer auf der Intensivstation liegt. Die Patienten erlitten vor allem Stichverletzungen und Knochenbrüche. Am Sonntagabend fand ein Trauermarsch vom Marienkirche zum Brandenburger Tor statt, an dem rund 10.000 Menschen teilnahmen. Die Polizei richtete am Montag eine mobile Wache am Tatort ein, um Betreuungsangebote zu unterbreiten.



