Myanmar: Seltene Bilder zeigen Suu Kyi beim Roten Kreuz
Myanmar: Seltene Bilder zeigen Suu Kyi beim Roten Kreuz

Myanmars Militärjunta hat nach monatelanger Kritik überraschend Fotos von Aung San Suu Kyi veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigen die inhaftierte Friedensnobelpreisträgerin bei einem Besuch von Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Es sind die ersten Bilder der 78-Jährigen seit ihrer Festnahme nach dem Militärputsch im Februar 2021. Bisher hatten die Militärmachthaber nur gezeichnete Skizzen aus dem Gerichtssaal zirkulieren lassen.

Nach offiziellen Angaben fand das Treffen in der Hauptstadt Naypyidaw statt, wo die Oppositionelle derzeit inhaftiert ist. Die IKRK-Delegation habe den Gesundheitszustand der ehemaligen Staatsrätin überprüft und humanitäre Hilfe geleistet, teilte die Militärregierung mit. Das Rote Kreuz selbst äußerte sich nicht öffentlich zu dem Besuch. Auf den veröffentlichten Bildern sitzt Suu Kyi in einem schlichten Raum, spricht mit einer Mitarbeiterin der Organisation und wirkt äußerlich gefasst.

Ein Leben im Zeichen des Kampfes für Demokratie

Aung San Suu Kyi ist die bekannteste Oppositionspolitikerin Myanmars. Als Tochter des Unabhängigkeitshelden General Aung San wurde sie zur Galionsfigur der Demokratiebewegung. 1989 stellten die Militärs sie unter Hausarrest, dem über die Jahrzehnte immer wieder neue Hausarrestzeiten folgten – insgesamt fast 15 Jahre. 1991 erhielt sie den Friedensnobelpreis. Nach der Machtübernahme durch die NLD im Jahr 2015 diente sie als Staatsrätin und Außenministerin. Die Militärjunta warf ihr jedoch vor, bei den Wahlen 2020 Betrug begangen zu haben, und stürzte die Regierung im Februar 2021.

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Seitdem wird Suu Kyi in geheimen Verfahren abgeurteilt. Die Anklagepunkte reichen von Verstößen gegen das Amtsgeheimnis über Korruption bis zu Wahlbetrug. Menschenrechtsorganisationen und die internationale Gemeinschaft erkennen die Urteile nicht an. Die Haftstrafen aus den einzelnen Prozessen summierten sich auf insgesamt 33 Jahre – im Fall der 78-Jährigen bedeutet das de facto eine lebenslange Haftstrafe.

Haftbedingungen und Gesundheitszustand sind umstritten

Seit dem Putsch ist Suu Kyi nahezu vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Ihre Anwälte durften sie nur selten treffen und berichteten über wiederkehrende gesundheitliche Probleme. Unabhängige Ärzte hatten keinen Zugang. Die Militärregierung wies jegliche Vorwürfe zurück, Suu Kyi werde medizinisch unterversorgt oder gar misshandelt. Der Besuch des Roten Kreuzes sollte offenbar genau dies belegen.

Allerdings bleibt die Beweiskraft der Bilder begrenzt. Kritiker weisen darauf hin, dass die Aufnahmen von der eigenen Informationsmaschine der Junta verbreitet wurden und keinen unabhängigen Nachweis erbringen. Es sei nicht einmal klar, wann genau das Treffen stattfand. Eine Untersuchung vor Ort durch neutrale Beobachter, wie von UN-Experten gefordert, steht weiterhin aus.

Das Rote Kreuz als seltenes Fenster nach außen

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gehört zu den wenigen Organisationen, die Zugang zu politischen Gefangenen in Myanmar erhalten. Es steht mit der Militärjunta in einem humanitären Dialog und besucht regelmäßig Gefängnisse. Im Fall von Aung San Suu Kyi ist dies besonders wichtig, weil sie vom Regime als zentrale politische Gefangene behandelt wird. Die Freilassung einer der bekanntesten Persönlichkeiten des Landes würde das Militärregime politisch schwächen.

International wird der neue Schritt der Junta deshalb mit Skepsis betrachtet. Westliche Regierungen und die Vereinten Nationen haben die Militärjunta wiederholt aufgefordert, den Gesundheitszustand Suu Kyis durch unabhängige Ärzte kontrollieren zu lassen. Die Bilder aus Naypyidaw ändern an dieser Forderung nichts. Es braucht mehr als ein Foto aus einer kontrollierten Umgebung, um Zweifel an den Haftbedingungen auszuräumen.

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