Der russische Oppositionspolitiker Boris Nadeschdin hat Russland verlassen und sich nach Frankreich abgesetzt. In einem auf Telegram veröffentlichten Video, das vor dem Eiffelturm in Paris aufgenommen wurde, verkündete er: "Es gibt gute Neuigkeiten. Ich bin am Leben und in Freiheit." Er kündigte an, zunächst abzuwarten und später über seine weiteren Pläne zu informieren. Damit reiht sich Nadeschdin in die lange Liste russischer Oppositioneller ein, die wegen politischer Verfolgung unter Präsident Wladimir Putin ins Exil gegangen sind.
Flucht nach vorübergehender Festnahme
Die Flucht erfolgte nur wenige Wochen, nachdem Nadeschdin in Moskau vorübergehend festgenommen worden war. Bei seiner Vernehmung wurde ihm vorgeworfen, ein Video mit dem Bild des im Straflager gestorbenen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny weiterverbreitet zu haben. Dadurch habe er auf die als extremistisch verbotene Organisation von Nawalny verwiesen. Nadeschdin wies die Vorwürfe zurück: "Was mir vorgeworfen wird, habe ich nicht getan."
Bereits im Juli hatte Nadeschdin erklärt, seinen Kampf um die Teilnahme an der Parlamentswahl im September aufzugeben. Er begründete dies damit, dass er seine Anhänger nicht unnötig in Gefahr bringen wolle. Zudem spielte er damals schon mit dem Gedanken, Russland aus Sicherheitsgründen zu verlassen.
Einstufung als "ausländischer Agent"
Das russische Justizministerium hatte Nadeschdin im Juli offiziell als "ausländischer Agent" eingestuft. Diese Bezeichnung wird genutzt, um Andersdenkende zu stigmatisieren und sie von Wahlen auszuschließen. Dem Ministerium zufolge habe Nadeschdin Falschinformationen über Entscheidungen russischer Behörden verbreitet und zu nicht genehmigten Demonstrationen aufgerufen.
Nadeschdin war bei der Präsidentenwahl 2024 angetreten und hatte sich offen gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine positioniert. Trotz langer Warteschlangen bei der Unterschriftensammlung in Moskau ließ die Wahlleitung ihn nicht zur Wahl zu.
Repressionen vor der Parlamentswahl
Die wenigen noch in Freiheit befindlichen Oppositionellen in Russland beklagen vor der Parlamentswahl, die vom 18. bis 20. September angesetzt ist, eine Zunahme der Repressionen. Die Kremlpartei Geeintes Russland will trotz der großen Unzufriedenheit vieler Russen im Zuge des Krieges ihre Machtposition behaupten. Nadeschdins Flucht ist ein weiteres Zeichen für die zunehmende Unterdrückung der Opposition in Russland.



