Nato-Gipfel mit Trump: Strategien zwischen Unterwerfung und klarer Kante
Nato-Gipfel mit Trump: Unterwerfung oder klare Kante?

Kurz vor dem Nato-Gipfel in Ankara schüren anklagende Posts von Donald Trump Sorgen vor einem neuen Eklat. Die zentrale Frage lautet: Mit welcher Strategie kann das Schlimmste verhindert werden? Die Ansätze der europäischen Führungspersönlichkeiten könnten unterschiedlicher nicht sein.

Die Methode Rutte: Goldene Schmeicheleien

Nato-Generalsekretär Mark Rutte muss sich seit Monaten wegen seines Umgangs mit Trump beißende Kritik gefallen lassen. Er nimmt den US-Präsidenten in der Öffentlichkeit in Schutz, schmeichelt ihm demonstrativ und bezeichnete ihn sogar als „Daddy“. Rutte sieht seine Aufgabe darin, die Nato um jeden Preis stark zu halten. Jüngstes Beispiel war ein Besuch im Weißen Haus vor eineinhalb Wochen, bei dem er Schautafeln mit der Aufschrift „The Trump Trillion“ in goldenen Buchstaben präsentierte.

Bislang scheint der Erfolg Rutte recht zu geben. Bereits im vergangenen Jahr gelang es ihm, einen Nato-Gipfel mit Trump ohne Eklat zu organisieren. Er brachte die Alliierten dazu, Trump eine deutliche Erhöhung ihrer Verteidigungsausgaben zu versprechen, und schmeichelte ihm mit Sätzen wie: „Europa wird kräftig zur Kasse gebeten werden – so wie es sein sollte – und es wird dein Sieg sein.“ Auch im Grönland-Konflikt vermittelte er erfolgreich. Die meisten Alliierten sind hochzufrieden mit Rutte, der hinter vorgehaltener Hand als hochbegabter Schauspieler gelobt wird. Doch ein Social-Media-Post von Trump am Donnerstag, in dem er sich erneut über die angeblich zu niedrigen Verteidigungsausgaben europäischer Alliierter beschwerte und die Falschinformation verbreitete, dass Deutschland weniger ausgebe als Großbritannien und Frankreich, zeigt, dass auch Rutte an seine Grenzen stößt.

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Die Methode Merz: Mal so, mal so

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) versuchte es anfangs auf die sanfte Tour. Vor einem Jahr brachte er zum Antrittsbesuch im Oval Office eine in Gold gerahmte Kopie der Geburtsurkunde von Trumps Großvater sowie einen Golfschläger als Geschenk mit. Trump bedankte sich mit Lobeshymnen auf Friedrich und sagte, er sei mit Merz befreundet. Dann kam der Iran-Krieg. Anfangs versuchte Merz, Trump nicht in die Parade zu fahren, wetterte dann aber immer schärfer gegen den Krieg. Bei einer Diskussion mit Schülern im Sauerland sagte er, der Iran habe die USA als ganze Nation gedemütigt.

Die Quittung folgte prompt: Trump kündigte den Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland an, und die von Joe Biden versprochenen Tomahawk-Marschflugkörper sollen nicht mehr geliefert werden. Von dem direkten Handy-Kontakt zu Trump, mit dem Merz sich anfangs brüstete, hört man nicht mehr viel. Beim G7-Gipfel in Évian versuchte Merz einen neuen Versuch mit einem Deutschland-Trikot zum 80. Geburtstag, doch Trump legte es schnell zur Seite. Inzwischen schimpft Trump wieder über die deutschen Militärausgaben und bezeichnet sie als „lächerlich“. Merz will sich das nicht gefallen lassen und betont, Deutschland habe den Verteidigungshaushalt innerhalb von vier Jahren verdoppelt – das werde er beim Nato-Gipfel „auch in aller Bescheidenheit zum Ausdruck bringen“.

Die Methode Meloni: Im Zweifel klare Kante

Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni zeigt derzeit klare Kante. Sie galt lange als wichtigste Kontaktperson zu Trump, doch zuletzt bekam das Verhältnis sichtbare Risse. Trump behauptete, Meloni habe ihn beim G7-Gipfel um ein Foto angefleht; Meloni bezeichnete dies als „völlig erfunden“. Bei einem weiteren Schlagabtausch in den sozialen Medien wies sie ihn abermals zurecht. Italien verweigerte US-Flugzeugen die Landung auf dem Stützpunkt Sigonella auf Sizilien. Anders als früher bemühte sie sich nicht, den Konflikt kleinzureden, sondern hielt scharf dagegen. Viele werteten dies als Emanzipation von Trump. Meloni sucht weiter den Draht nach Washington, zeigt aber, dass sie ihre Rolle als Vermittlerin nicht mit bedingungsloser Loyalität gleichsetzt.

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Diesen Weg hat vor Meloni schon der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez eingeschlagen. Ihm wurde klar, dass bei Trump Sympathie jederzeit ins Gegenteil umschlagen kann und Widerspruch am Ende mehr respektiert wird als Komplimente. Im Iran-Krieg untersagte auch Sánchez den USA, spanische Militärbasen für den Einsatz zu nutzen. Trump tobte und drohte Spanien mehrfach mit Strafen. Sánchez sagte damals, „blinder und unterwürfiger Gehorsam“ sei kein Ausdruck von Führung.

Ausblick: Krisenmanagement beim Nato-Gipfel

Beim Nato-Gipfel in Ankara müssen die Staats- und Regierungschefs nun das Krisenmanagement fortsetzen. Die unterschiedlichen Strategien – von Ruttes Schmeicheleien über Merz‘ wechselhaften Kurs bis zu Melonis und Sánchez‘ klarer Kante – zeigen, wie schwierig der Umgang mit Trump ist. Die Frage bleibt, welchen Preis die Europäer zu zahlen bereit sind, um das Bündnis zusammenzuhalten.