Bundeswehr-Fragebögen: Nur vier Prozent der Frauen antworten – ein Konstruktionsfehler
Nur vier Prozent der Frauen antworten auf Bundeswehr-Fragebögen

96 Prozent der jungen Männer haben ihren Bundeswehr-Fragebogen fristgerecht abgegeben – aber nur vier Prozent der Frauen. Für Frauen ist die Teilnahme freiwillig, eine politische Entscheidung, da die Mehrheit im Bundestag für eine notwendige Grundgesetzänderung fehlt. Über das scheinbare Desinteresse der jungen Frauen könne man sich nicht empören, schreibt Madeleine Janssen, Head of Foreign Desk der Funke Mediengruppe, in einem Kommentar. „Es sind nicht die Frauen, die sich dem Wehrdienst verweigern. Der Konstruktionsfehler liegt beim Staat.“

Frauenanteil in der Bundeswehr: Ziel von 20 Prozent in weiter Ferne

Der Frauenanteil in der Bundeswehr liegt aktuell bei insgesamt 13,7 Prozent. Das Verteidigungsministerium strebt einen Anteil von bis zu 20 Prozent an. Im Bendlerblock ringe man um Nachwuchs, heißt es. Dennoch habe sich das Ministerium für das aktuelle Modell entschieden: Wer einer Gruppe sage, ihre Antwort sei freiwillig, dürfe sich nicht über mangelnden Rücklauf wundern. Die Vier-Prozent-Quote messe schlicht die Bereitschaft, einen unverbindlichen Fragebogen auszufüllen.

Testlauf zeigt: So funktioniert es nicht

Dieser Testlauf zeige: So funktioniere es nicht. Angesichts der hybriden Bedrohungslage durch Russland, die Fachleute regelmäßig beschreiben, und des Fachkräftemangels müsse die Bundesregierung dringend zu einer anderen Kommunikationsstrategie übergehen. Jungen Männern wie Frauen müsse die Truppe zunehmend zeigen, dass sie sich zu einem modernen Arbeitgeber gewandelt habe – mit Karrierechancen, Erfahrungen im In- und Ausland, auch fernab von Kampfhandlungen, mit potenziell familientauglichen Arbeitszeitmodellen. Das scheine aktuell der einzige Weg zu sein – solange bis auf Weiteres die Gleichberechtigung durch eine Grundgesetzänderung unmöglich scheint.

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