Nach Erdbeben in Venezuela: Pistorius bietet Hilfe der Bundeswehr an
Pistorius bietet Bundeswehrhilfe nach Erdbeben in Venezuela an

Nach den schweren Erdbeben in Venezuela mit einer Stärke von 7,2 und 7,5 hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die Hilfe der Bundeswehr angeboten. Mit bis zu sechs Transportflugzeugen vom Typ A400M sollen Personal und Material des Technischen Hilfswerks (THW) und des Deutschen Roten Kreuzes nach Venezuela geflogen und Transportflüge innerhalb des Landes ermöglicht werden, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Pistorius: „Schnell Hilfe leisten“

„Die Nachricht von den vielen Tausenden Toten in Venezuela hat mich tief erschüttert“, erklärte Pistorius. „Jetzt gilt es, schnell Hilfe zu leisten.“ Bestätigt sind ersten Erkenntnissen zufolge mindestens 32 Tote und rund 700 Verletzte, wie die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez sagte. Die US-Erdbebenwarte USGS befürchtet jedoch weitaus höhere Opferzahlen. Einer Modellrechnung der Behörde zufolge könnte die Zahl der Toten in die Tausende gehen; eine Zahl von mehr als 10.000 Toten sei wahrscheinlich.

Zwei schwere Beben innerhalb von 39 Sekunden

Die beiden schweren Erdbeben hatten am späten Mittwochnachmittag (Ortszeit) den Norden und das Zentrum Venezuelas erschüttert und in der Hauptstadt Caracas zahlreiche Gebäude zum Einsturz gebracht. Die USGS gab die Stärke der Erschütterungen mit 7,2 und 7,5 an. Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Das erste Beben ereignete sich am Mittwoch um 18.04 Uhr (Ortszeit; 0.04 Uhr MESZ Donnerstag) 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite, stärkere Erdbeben ereignete sich wenige Kilometer weiter nördlich in nur rund zehn Kilometern Tiefe.

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Bundeskanzler Merz und Außenminister Wadephul sagen Hilfe zu

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) versprach ebenfalls Hilfe. „Die Nachrichten vom fürchterlichen Erdbeben in Venezuela machen tief betroffen. Deutschland steht an der Seite Venezuelas und wird helfen“, schrieb Merz auf X. „Unsere Gedanken gelten den Opfern und jenen, die ihr Hab und Gut verloren haben. Den Verletzten wünsche ich Kraft und schnelle Genesung.“ Auch Außenminister Johann Wadephul (CDU) zeigte sich auf X „zutiefst bestürzt“ und sagte Hilfe zu.

Notstand ausgerufen und Rettungsarbeiten laufen

Rodríguez sprach von einer Tragödie und einem Erdbeben „noch nie dagewesenen Ausmaßes“ in dem südamerikanischen Land. Sie rief den Notstand aus und sprach von einem „Vorfall mit schwerwiegenden Folgen“. Es habe bereits 20 Nachbeben gegeben. Rettungskräfte suchen unter den Trümmern nach zahlreichen Verschütteten. Der Schulunterricht werde ausgesetzt, der Zugverkehr eingestellt. Auch der internationale Flughafen der Hauptstadt Caracas habe wegen Schäden den Betrieb eingestellt. Das Parlament sagte seine für Donnerstag geplante Sitzung ab.

Heftigstes Beben seit über 100 Jahren

Das Erdbeben der Stärke 7,5 in Venezuela ist nach Angaben der USGS das heftigste in dem südamerikanischen Land seit mehr als einem Jahrhundert. Ein noch stärkeres Beben der Stärke 7,7 gab es zuletzt im Jahr 1900 nordöstlich der Hauptstadt Caracas vor der Küste Venezuelas. Venezuela liegt in einer seismisch aktiven Zone, in der die Karibische und die Südamerikanische Erdplatte aufeinandertreffen. Nach Angaben der USGS kamen im März 1812 bei einem schweren Erdbeben in den Städten Mérida und Caracas schätzungsweise 30.000 Menschen ums Leben.

Schäden und Rettungseinsätze in den betroffenen Gebieten

Im Hauptstadtbezirk Chacao konnten laut Bürgermeister Gustavo Duque allein aus einem Haus 18 Überlebende gerettet werden. Er rief die Bevölkerung auf, wegen möglicher Nachbeben auf öffentlichen Plätzen Schutz zu suchen. Im Küstenbundesstaat Falcon gab es nach Angaben von Gouverneur Victor Clark 22 Verletzte, zudem würden 15 Erwachsene vermisst. In Krankenhäusern wie dem Hospital de Clinicas in Caracas wurde das Personal für die Nachtschicht verdoppelt, um die Verletzten zu versorgen.

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Internationale Hilfsangebote

Die USA kündigten die sofortige Entsendung von Rettungskräften an. „Amerika steht in dieser schwierigen Zeit an der Seite des venezolanischen Volkes“, erklärte Außenminister Marco Rubio auf X. Auf Anweisung von Präsident Donald Trump würden unverzüglich Such- und Rettungsmannschaften, medizinische Ressourcen und humanitäre Hilfe in das südamerikanische Land gesandt. Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb auf X, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter bereit. Der Präsident der Dominikanischen Republik, Luis Abinader, erklärte, spezialisierte Such- und Rettungsteams der Streitkräfte würden am Morgen nach Venezuela aufbrechen. Auch Brasilien signalisierte Hilfsbereitschaft. Rodríguez zufolge boten auch bereits andere Staaten Hilfe an.

Betroffene berichten von Angst und Zerstörung

„Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Angst gehabt, es war fürchterlich“, berichtete eine 57-Jährige aus Caracas der Deutschen Presse-Agentur. „Bei uns in der Nähe sind zwei Hochhäuser eingestürzt, am Nachbargebäude fehlen Wände“, ergänzte sie. Ihr Hochhaus sei aber weitgehend verschont geblieben. In ihrer Wohnung seien Möbel umgestürzt und Bilder von den Wänden gefallen, alles sei voller Scherben. Die Erschütterungen seien so stark gewesen, dass sie und ihr Mann zunächst gar nicht aus dem Zimmer gekommen seien. Zusammen mit Nachbarn seien sie dann schließlich auf die Straße gerannt. Zwei Anwohner hätten aus dem Aufzug befreit werden müssen. Nach den Beben sei stundenlang der Strom ausgefallen, auch das Mobilfunknetz habe nicht funktioniert.

Tsunami-Warnung aufgehoben

Das US-Tsunami-Warnzentrum gab zunächst eine Warnung für Puerto Rico, die Jungferninseln sowie die vor der Küste Venezuelas gelegenen Inseln Aruba, Curaçao und Bonaire heraus. Diese wurde jedoch nach etwa einer Stunde wieder aufgehoben.

Innenminister warnt vor Nachbeben

„Wir haben es mit einer äußerst alarmierenden Situation zu tun“, sagte Innenminister Cabello im Fernsehen. In mindestens sieben Bundesstaaten sowie in Caracas sei das Beben zu spüren gewesen. Er rief die Menschen dazu auf, an sicheren Orten zu bleiben. Nach schweren Erdbeben seien normalerweise Nachbeben zu erwarten, die bereits beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen könnten, warnte der Minister. Um Explosionen zu verhindern, hätten die Behörden angeordnet, die Gaszufuhr zu unterbrechen.

Oppositionsführerin Machado zeigt sich betroffen

Die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin María Corina Machado, die sich derzeit nicht in Venezuela aufhält, schrieb auf X: „Mein Herz, meine unendliche Umarmung und meine Gebete gelten in diesen Stunden der Not jeder venezolanischen Familie. Mögen Stärke, Ruhe und Solidarität in dieser schwierigen Zeit unter uns herrschen.“