Polen errichtet Denkmal für Opfer der Wolhynien-Massaker
Polen baut Denkmal für Wolhynien-Opfer

Die polnische Regierung hat die Errichtung eines Denkmals für die Opfer der von ukrainischen Kämpfern im Zweiten Weltkrieg verübten Massaker in der Region Wolhynien angekündigt. Regierungschef Donald Tusk erklärte in einer Videobotschaft zum nationalen Wolhynien-Gedenktag am 11. Juli: „In Warschau wird eine Gedenkmauer errichtet, mit einer ewigen Flamme und den Namen aller gefundenen und identifizierten Opfer.“

Hintergrund der Massaker

Die Ukrainische Aufständische Armee (UPA) verübte zwischen 1943 und 1945 in Wolhynien Massaker an Zehntausenden ethnischen Polen. Historiker gehen von bis zu 100.000 Getöteten aus. Den Höhepunkt erreichten die Gräueltaten am 11. Juli 1943, als UPA-Partisanen Hunderte polnische Dörfer überfielen und die Bewohner brutal ermordeten. Bei polnischen Vergeltungsangriffen kamen schätzungsweise bis zu 12.000 Ukrainer ums Leben.

Politische Brisanz

Die UPA kämpfte nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1950 gegen die Sowjetherrschaft. In der Ukraine werden ihre Mitglieder daher als Unabhängigkeitskämpfer verehrt, während Polen sie als nationalistische Verbrecher betrachtet. Tusk bezeichnete die Taten in seiner Rede als „Völkermord“ durch „ukrainische Nationalisten“. Wolhynien gehörte bis 1939 zu Polen, wurde aber durch den Hitler-Stalin-Pakt der ukrainischen Sowjetrepublik zugeschlagen. Heute liegt die Region in der Westukraine.

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Der historische Streit zwischen Warschau und Kiew war zuletzt eskaliert, nachdem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einer Armee-Einheit den Beinamen „Helden der UPA“ verliehen hatte. Polens Präsident Karol Nawrocki entzog Selenskyj daraufhin die höchste polnische Auszeichnung.

Tusk fordert Wahrheit

Tusk, dessen Regierung zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland zählt, mahnte eine Aufarbeitung der Massaker an: „Erinnerung und Wahrheit müssen uns helfen, eine bessere Zukunft aufzubauen: ohne Hass und ohne Verachtung.“ Mit Blick auf den von der Ukraine angestrebten EU-Beitritt sagte er: „Das nach dem Zweiten Weltkrieg versöhnte Europa wurde durch die Wahrheit und dadurch möglich, dass die Dinge beim Namen genannt wurden. Wer dieser Gemeinschaft beitreten wolle, muss für diese Wahrheit bereit sein.“

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