Die Mega-Jacht „Graceful“, die dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zugeschrieben wird, ist auf dem Weg nach Murmansk. Das 82 Meter lange Schiff, das auf rund 100 Millionen US-Dollar geschätzt wird, wird von zwei russischen Kriegsschiffen eskortiert – dem Zerstörer „Severomorsk“ und dem Bergungs- und Patrouillenschiff „Voevoda“. Laut einem Bericht des britischen „Telegraph“ ist dies ein weiteres Zeichen für Putins wachsende Paranoia.
Mysteriöse Signale und Kurswechsel
Vier Jahre lang war der Transponder der Jacht ausgeschaltet, doch seit einigen Tagen sendet sie wieder. Daten von „Marinetraffic.com“ und Satellitenbilder zeigen, dass die „Graceful“ die Küste Norwegens entlangfährt und Kurs auf den russischen Hafen Murmansk hält. Zuvor war sie in der Ostsee unterwegs, begleitet von deutschen und dänischen Marineschiffen, wie die Nato bestätigte. Das Deck der Jacht wurde mit Anti-Drohnen-Netzen überspannt.
„Business Insider“ berichtet, dass das Schiff kurz vor der Invasion der Ukraine im Februar 2022 in der Hamburger Werft Blohm+Voss lag. 17 Tage vor Kriegsbeginn wurde es blitzartig in die russische Exklave Kaliningrad überführt, um einer Beschlagnahmung zu entgehen. Die USA stuften die Jacht als russisches Vermögen ein, woraufhin sie in „Kosatka“ umbenannt wurde. Seitdem war ihr Standort unbekannt, bis der AIS-Sender nun wieder aktiviert wurde.
Putins Paranoia und ukrainische Drohnenangriffe
Erst vor einer Woche hatten ukrainische Langstreckendrohnen die Marinebasis Kronstadt nahe Sankt Petersburg getroffen. Experten vermuten, dass Putin das Risiko minimieren und sein Luxusschiff deshalb verlegen lässt. Murmansk beherbergt das strategisch wichtigste militärische Sperrgebiet Russlands, einschließlich der größten Flotte atomarer U-Boote und nuklearer Waffenarsenale. Es handelt sich um ein hochgradig abgesichertes Gebiet, obwohl auch dort bereits ukrainische Einschläge verzeichnet wurden.
Der dänische Rundfunk spekuliert, dass die Jacht möglicherweise den Hafen von Istanbul ansteuert. Laut „marinetraffic.com“ soll sie am 12. Juli dort eintreffen. Allerdings könnte es sich um ein Ablenkungsmanöver handeln, da das Schiff bereits am Montagabend wieder von den Bildschirmen verschwand. Die begleitende „Voevoda“ hingegen sendet weiter und bewegt sich nach Murmansk.
Internationale Reaktionen und Geleitschutz
Der Konvoi wird von der Nato überwacht. Patrouillenschiffe der deutschen und dänischen Marine begleiteten die Schiffe auf ihrer Fahrt durch die Ostsee, wie die britische Zeitung aus Nato-Kreisen erfuhr. Die Verlegung unter schwerem Geleitschutz wird von vielen Experten als Zeichen dafür gewertet, dass sich der Kremlchef nicht mehr sicher fühlt. „Das ist ein weiteres Zeichen für Putins wachsende Paranoia“, zitiert der „Telegraph“ einen Nato-Vertreter.
Die „Graceful“ ist mit fünf Decks, Innenpool, Marmor-Interieur und Helipad ausgestattet. Sie galt als Symbol von Putins Macht und Reichtum. Dass sie nun unter militärischem Schutz nach Murmansk gebracht wird, zeigt die veränderte Sicherheitslage für den russischen Präsidenten.



