40 Jahre nach dem RAF-Mord an Siemens-Forschungschef Karl Heinz Beckurts fordert Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ein zentrales Mahnmal für die Opfer der Terrororganisation. „Der Terror der RAF hat 34 Todesopfer gefordert, zahlreiche Verletzte waren für ihr Leben gezeichnet, Hinterbliebene trauern bis heute, oft nicht einmal wissend, wer genau diese kaltblütigen Verbrechen begangen hat“, sagt Herrmann. „Die Opfer und ihre Angehörigen haben das verdient.“
Unterstützung von Angehörigen
Corinna Ponto, Tochter des 1977 ermordeten Dresdner-Bank-Chefs Jürgen Ponto, begrüßt den Vorschlag: „Mit Dankbarkeit würde unsere Familie diesen selbstverständlichen, längst gebotenen Vorschlag natürlich aufnehmen – nicht allein um des persönlichen Gedenkens willen, sondern vor allem als Mahnmal dieser Jahre in der Geschichte.“
Jörg Schleyer, Sohn des 1977 ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer, fordert ein Denkmal spätestens zum 50. Jahrestag des Deutschen Herbstes 2027: „Es wird höchste Zeit, dass die Opfer des RAF-Terrors ein zentrales Denkmal erhalten. Ein Denkmal im Herzen der Hauptstadt würde unmissverständlich zeigen: Unsere Toten sind Märtyrer der Bundesrepublik – ihr Opfer darf niemals vergessen werden.“
Weitere Stimmen der Hinterbliebenen
Prof. Michael Buback, Sohn des 1977 ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, unterstützt die Initiative, betont aber: „Noch wichtiger erscheint mir allerdings die Klärung aller der RAF zugerechneten Morde.“
Rechtsanwalt Clais von Mirbach, Sohn des 1975 beim Anschlag auf die Botschaft in Stockholm ermordeten Oberstleutnants Andreas Baron von Mirbach, sieht Erinnerung als nützlich: „Da die RAF im öffentlichen Bewusstsein so gut wie keine Rolle mehr spielt, andererseits aber Terror als solcher fast noch aktueller ist als damals, kann Erinnerung nur nützen.“
Monika Schumann, Witwe des 1977 ermordeten Lufthansa-Piloten Jürgen Schumann, erklärt: „An die Morde und deren Opfer zu erinnern, das ist die Aufgabe des Staates. Zumal es vornehmlich um Menschen geht, die diesem Staat gedient haben.“ Das Denkmal könne „darauf aufmerksam machen – speziell für die noch heutigen Sympathisanten –, dass gerade das Leben der Kinder nachhaltig beeinflusst wurde. Sie haben besonders unter dem Mord an ihren Angehörigen gelitten.“
Hintergrund der Forderung
Die Debatte um ein zentrales Mahnmal für die 34 Todesopfer der RAF wird seit Jahren geführt. BILD berichtet seit langem über das Leid der Angehörigen. Der Vorschlag von Joachim Herrmann kommt 40 Jahre nach dem Mord an Karl Heinz Beckurts, der am 9. Juli 1986 durch eine Sprengfalle getötet wurde. Die Angehörigen hoffen nun auf eine rasche Umsetzung.



