Rechtsextreme „Patriot Front“ marschiert am US-Unabhängigkeitstag in Washington auf
Rechtsextreme marschieren am US-Unabhängigkeitstag in Washington

Am Samstag, dem 4. Juli 2026, nutzten schätzungsweise hundert Mitglieder der rechtsextremen Gruppierung „Patriot Front“ die Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit für einen provokativen Aufmarsch in Washington. Vermummt, in uniformartigen Blauhemden, schwenkten sie Flaggen und skandierten „Reclaim America!“ (Erobert Amerika zurück). Der Marsch führte sie in die Nähe des Kapitols.

Polizei sieht keine Rechtsverstöße

Die Polizei von Washington erklärte, die Aktivitäten der Gruppe seien durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Es habe weder Festnahmen noch Beschwerden gegeben. Die Gruppe selbst sieht sich als patriotisch, wird jedoch von Wissenschaftlern als rechtsextrem mit faschistischen Zielen eingestuft.

Hintergrund der Gruppe

„Patriot Front“ wurde 2017 von dem texanischen Rechtsextremisten Thomas Rousseau gegründet, der zuvor der Neonazi-Gruppe „Vanguard America“ angehörte. Die Gruppe ist für provokante Aufmärsche in US-Städten bekannt. Offiziell unterhält sie keine Beziehungen zur Regierung von Präsident Donald Trump, fühlt sich jedoch durch seine „America First“-Politik ermutigt. Sie unterstützt die von ihm angeordneten Massenabschiebungen und den Kampf gegen angebliche Diskriminierung Weißer, etwa durch die Abschaffung von Gleichstellungsprogrammen in der Armee und im öffentlichen Dienst. Bei Wahlkampfveranstaltungen Trumps im Jahr 2024 wurden ebenfalls Mitglieder der Gruppe gesichtet.

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Experten warnen vor weißem Nationalismus

„Dass sie es wagen, ausgerechnet am Unabhängigkeitstag öffentlich zu demonstrieren, zeigt, welche Probleme dieses Land mit dem weißen Nationalismus hat“, sagte John Cohen, ein früherer Experte für Terrorismusbekämpfung im US-Heimatschutzministerium. Einer Analyse von Extremismusforschern der George-Washington-Universität zufolge ist die Patriot Front von der Überlegenheit Weißer überzeugt. Sie betrachte „Multikulturalismus, Einwanderung und Vielfalt als existenzielle Bedrohungen für ihre Vision von Amerika“. Die Gruppe vertrete zudem die Verschwörungstheorie des „großen Austauschs“, wonach weiße US-Bürger organisiert durch nichtweiße Einwanderer ersetzt werden sollen.

Symbolik und Ideologie

Der Extremismusforscher Luke Baumgartner von der George Washington Universität wies darauf hin, dass das Logo der Gruppe Ähnlichkeiten mit dem „Fascio“-Symbol der faschistischen Partei von Benito Mussolini in Italien aufweise. Im Kern sei „Patriot Front“ eine Organisation, die die Botschaft verbreiten wolle, dass Amerika ein Land nur von und für weiße Menschen sei. Nach Angaben der US-Anti-Diffamierungs-Liga (ADL) hatte die Gruppe kurz nach ihrer Gründung ein Manifest veröffentlicht, das einen Aufruf für einen „amerikanischen Faschismus“ enthielt. Auf ihrer Webseite bekennen sich die Mitglieder dazu, das „amerikanische Heimatland gegen das Eindringen fremder Staaten und Interessen abzusichern“. Dort heißt es weiter: „Der korrupte und ineffektive Staat, der das nationale Interesse zugunsten einer globalen Plutokratie unterwandert, ist nicht länger legitimiert zu regieren, und muss verändert oder abgeschafft werden.“

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