Türkei verweigert Queer-Kreuzfahrt das Anlegen: Moralische Standards als Grund
Türkei verweigert Queer-Kreuzfahrt Anlegen aus Moralgründen

Die Türkei hat einem Kreuzfahrtschiff mit rund 2700 überwiegend queeren Passagieren kurzfristig die Einfahrt in türkische Häfen untersagt. Die „Scarlet Lady“ der Reederei Virgin Voyages, gechartert vom Reiseveranstalter Atlantis Events, durfte weder in Kuşadası noch in Istanbul anlegen. Als Begründung nannten die Behörden „moralische Standards“ und „familiäre Werte“, gegen die die Gäste verstoßen würden.

Hintergrund: Reise für LGBTQ+-Publikum

Das Schiff war im Auftrag von Atlantis Events unterwegs, einem auf LGBTQ+-Reisen spezialisierten Veranstalter. Die Kreuzfahrt mit dem Titel „Scarlet Lady“ startete am 5. Juli 2026 in Piräus bei Athen und sollte ursprünglich unter anderem in Kuşadası und zwei Tage in Istanbul Halt machen. Der Reisepreis lag bei rund 1900 Dollar pro Person. Nach der Absage änderte der Veranstalter die Route: Statt der türkischen Häfen steuert das Schiff nun Alexandria in Ägypten und Heraklion auf Kreta an.

Offizielle Begründung: Verstoß gegen gesellschaftliche Struktur

Die Behörden der Provinz Aydın, zu der Kuşadası gehört, veröffentlichten auf der Plattform X eine Erklärung. Darin hieß es, das Kreuzfahrtschiff sei von Gruppen gechartert worden, deren Verhalten nicht mit der gesellschaftlichen Struktur und den moralischen Werten des Landes vereinbar sei. Ein Besuch der Provinz komme daher nicht infrage. Auf Social-Media-Plattformen habe die „Veranstaltung“ für große Unruhe gesorgt.

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Atlantis Events informierte auf seiner Webseite über den Vorfall: „Leider wurden wir von den türkischen Behörden darüber informiert, dass die ‚Scarlet Lady‘ während dieser Reise weder in Kusadasi noch in Istanbul anlegen darf.“ Als Grund nannte der Veranstalter die von der Regierung angeführten „moralischen Standards“ und „familiären Werte“. Dies berichtete unter anderem CNN.

Reaktionen und Alternativroute

Während die Türkei die Einreise verweigerte, zeigten sich die ägyptischen Behörden offenbar kooperativ, obwohl Ägypten ebenfalls nicht als besonders LGBTQ+-freundlich gilt. Atlantis Events ist seit 1991 auf LGBTQ+-Reisen spezialisiert und gilt als einer der weltweit größten Veranstalter in diesem Bereich. Die Marke richtet sich vor allem an homosexuelle Männer, heißt aber ausdrücklich auch lesbische Frauen und andere LGBTQ+-Reisende willkommen.

Die „Scarlet Lady“ ist ein modernes Kreuzfahrtschiff von Virgin Voyages, das für seine luxuriöse Ausstattung bekannt ist. Die Reise vom 5. bis 15. Juli 2026 sollte ursprünglich mehrere Stationen in Italien und Kroatien umfassen. Nach der kurzfristigen Absage der türkischen Häfen wurde die Route über Alexandria und Heraklion neu geplant.

Bedeutung für die LGBTQ+-Community

Der Vorfall zeigt die anhaltenden Spannungen zwischen der Türkei und der LGBTQ+-Community. In der Türkei sind gleichgeschlechtliche Beziehungen zwar nicht illegal, aber Diskriminierung und staatliche Ablehnung sind weit verbreitet. Präsident Recep Tayyip Erdoğan und seine Regierung vertreten konservative islamische Werte und haben in der Vergangenheit wiederholt LGBTQ+-Veranstaltungen verboten oder eingeschränkt.

Atlantis Events reagierte enttäuscht, betonte jedoch, dass die Sicherheit und das Wohlbefinden der Gäste oberste Priorität hätten. Die geänderte Route biete weiterhin ein attraktives Programm. Die Passagiere wurden per E-Mail über die Änderungen informiert und erhielten die Möglichkeit, ihre Reise zu stornieren oder gegen eine andere Kreuzfahrt einzutauschen.

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