Ljudmila Pawlitschenko: Scharfschützin mit 309 Abschüssen
Scharfschützin Pawlitschenko: 309 Abschüsse

Ljudmila Michailowna Pawlitschenko, die erfolgreichste Scharfschützin der Geschichte, erzielte 309 bestätigte Abschüsse während des Zweiten Weltkriegs. Die tatsächliche Zahl ihrer getöteten Gegner könnte noch höher liegen, da für jede Bestätigung ein Zeuge erforderlich war. Die Rote Armee setzte die Schützin aus der Region Kiew ab 1942 als Propagandastar ein, und Stalin schickte sie in die USA, um die Verbündeten zum Kampf gegen Nazi-Deutschland zu motivieren.

Frühe Jahre und erster Einsatz

Pawlitschenko wurde am 12. Juli 1916 in der Region Kiew geboren. Während ihres Geschichtsstudiums in Kiew verbesserte sie ihre Schießfähigkeiten in einem Schützenverein und absolvierte eine Ausbildung zur Scharfschützin. Bei Kriegsausbruch wollte die Armee die junge Frau jedoch nicht aufnehmen. „Sie wollten keine Mädchen in die Armee aufnehmen, also musste ich auf alle möglichen Tricks zurückgreifen, um reinzukommen“, schrieb sie später. Ihr erster Einsatz in der Nähe von Odessa war trotz ihres Talents nur ein halber Erfolg. Sie legte auf zwei Offiziere in etwa 380 Metern Entfernung an. „Ich traf das erste Ziel mit dem dritten Schuss und das zweite bei meinem vierten Versuch“, erinnerte sie sich. Am nächsten Tag tötete sie zehn Gegner an derselben Stelle.

Duelle mit deutschen Scharfschützen

Pawlitschenko erwies sich als Meisterin der Tarnung und unerreichte Schützin. Während der Belagerung von Sewastopol (1941–1942) lieferte sie sich Duelle mit deutschen Scharfschützen. Die Deutschen machten Jagd auf sie und versuchten, sie über Lautsprecherdurchsagen einzuschüchtern. Nach einer Verwundung im Juni 1942 wurde sie von den Gefechten abgezogen und fortan zu Propagandazwecken eingesetzt. Ihre 309 Abschüsse erreichte sie in nur zehn Monaten. Insgesamt dienten im Zweiten Weltkrieg etwa 2000 Frauen als Scharfschützinnen in der Roten Armee, etwa 500 von ihnen erlebten den Sieg über Nazi-Deutschland.

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Propagandareise in die USA

Pawlitschenko wurde in die USA geschickt, um den Kampfeswillen der Verbündeten zu entfachen. Dort freundete sie sich mit Eleanor Roosevelt, der Gattin des US-Präsidenten, an. Die Begegnung mit den USA schockierte die Kriegsheldin. Während die Sowjetmenschen um ihr Leben kämpften, schienen die Vereinigten Staaten im tiefen Frieden zu sein. „Die Männer in den USA seien Feiglinge, die sich viel zu lange hinter meinem Rücken versteckt haben“, sagte sie bei einer Veranstaltung in Chicago. Von Reportern wurde sie gefragt, ob sie vor einem Gefecht Make-up auftrage. „Es gibt kein Gesetz dagegen, aber wer hat Zeit, daran zu denken, die Nase zu pudern, wenn draußen gekämpft wird?“, antwortete sie.

Nachkriegszeit und Haltung zur Jagd

Nach dem Krieg arbeitete Pawlitschenko als Dozentin und für die sowjetische Marine. Mitleid für die getöteten Gegner empfand sie nie. Allerdings lehnte sie die Jagd auf Tiere ab: „Die Tiere des Waldes sind wehrlos und haben keine Chance gegenüber Menschen, die mit Schnellfeuergewehren bewaffnet sind. Die Jagd auf Tiere lehne ich ab.“ Pawlitschenko starb 1974 in Moskau. Ihre Memoiren und ihre Geschichte sind bis heute ein Symbol für den sowjetischen Widerstand.

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