Schweden fängt russische Kampfjets über der Ostsee ab
Die schwedische Armee hat eigenen Angaben zufolge an zwei Orten jeweils zwei Kampfflugzeuge vom Typ JAS 39 Gripen aufsteigen lassen, um zwei russische Kampfjets abzufangen, die über der Ostsee in die Nähe des schwedischen Luftraums geflogen waren. Die beiden Vorfälle ereigneten sich am Freitag im südlichen und nördlichen Teil der Ostsee, wie die Armee am Samstag bekannt gab. Auch Kampfflugzeuge der Nato seien gestartet, „um die Sicherheit im gemeinsamen Luftraum zu gewährleisten“, hieß es weiter.
Der schwedische Luftraum wurde nach den Angaben der Armee durch die russischen Jets nicht verletzt. „Die russischen Vorfälle sind ernst und stellen ein wiederkehrendes Verhaltensmuster dar, das sowohl unsere territoriale Integrität als auch unsere Sicherheit bedroht“, hieß es weiter. Schweden war im März 2024 der Nato beigetreten. Seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine 2022 haben die Spannungen im Ostseeraum zugenommen.
Großbritannien stoppt Tanker der russischen Schattenflotte
Das britische Militär hat nach Angaben von Premierminister Keir Starmer einen Öltanker der sogenannten russischen Schattenflotte gestoppt, der den Ärmelkanal passieren wollte. Er habe die Streitkräfte am frühen Morgen angewiesen, das Schiff abzufangen, teilte der Regierungschef auf der Plattform X mit. Der erfolgreiche Einsatz versetze Russland einen weiteren Schlag und erinnere diejenigen, die Putins Krieg in der Ukraine befeuern, dass sie sich nicht verstecken könnten.
Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums handelt es sich bei dem Schiff um den knapp 244 Meter langen Öltanker „Smyrtos“, der laut der Webseite Marinetraffic.com unter der Flagge Kameruns fährt und von einem russischen Hafen kommt. Kräfte der Marine und speziell ausgebildete Beamte der nationalen Kriminalpolizei hätten das Schiff geentert, hieß es in einer Mitteilung des britischen Ministeriums. Die Militäroperation habe sechs Stunden gedauert. „Das Schiff wird nun vor der Südküste festgehalten und überwacht, während die Ermittlungen andauern.“
Der Premierminister hatte demnach im März zugestimmt, dass britische Streitkräfte und Strafverfolgungsbehörden Schiffe der Schattenflotte entern dürfen. Die Operation sei in enger Abstimmung mit Frankreich durchgeführt worden. Nun werde das Schiff auf Umwelt- und Sicherheitsmängel überprüft. „Russland finanziert seinen Konflikt in der Ukraine mit seiner Schattenflotte, und unser Abfangen ist ein Schlag gegen Putins illegalen Krieg“, sagte Verteidigungsminister Dan Jarvis laut der Mitteilung. Mit Schiffen der sogenannten Schattenflotte versucht Russland, die von den westlichen Alliierten wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verhängten Sanktionen zu umgehen. Nach britischen Angaben handelt es sich um mehr als 700 Schiffe. Die Schiffe werden oft angehalten und überprüft.
Massiver ukrainischer Drohnenangriff auf Russland
Russland meldet einen massiven ukrainischen Drohnenangriff. Der Gouverneur der nördlich von Moskau gelegenen russischen Region Jaroslawl meldet einen Angriff, bei dem ein Treibstofflager getroffen wurde. Das habe einen Brand ausgelöst. Es gebe keine Opfer, teilt Gouverneur Michail Jewrajew auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Einsatzkräfte seien vor Ort, um das Feuer zu löschen.
Zuvor hatte die Ukraine nach russischen Behördenangaben ein Seeterminal in Südrussland angegriffen. Durch herabfallende Drohnentrümmer seien im Kreis Temrjuk ein Mensch getötet und drei weitere verletzt worden, schrieb der Gouverneur der Region Krasnodar, Weniamin Kondratjew, bei Telegram. Ein Feuer sei ausgebrochen. Einen genauen Ort nannte er nicht. Das Feuerinformationssystem der Nasa zeigte zwei Brände auf der Halbinsel Taman an. Dort liegt am Rande der Siedlung Wolna ein großes Umschlagterminal für Öl und Ölprodukte, die dann über das Schwarze Meer verschifft werden.
Russland meldete den Abschuss von 185 ukrainischen Drohnen innerhalb von zwölf Stunden. Diese seien über rund einem Dutzend Regionen abgefangen worden, vor allem in Zentralrussland. In der Region Brjansk kam nach Angaben des dortigen Gouverneurs in einem grenznahen Dorf ein Mensch ums Leben. Eine weitere Person sei verletzt worden, teilte Jegor Kowaltschuk mit. Dem regionalen Einsatzstab zufolge wurden allein in der Region Brjansk 62 Drohnen zerstört. Auch die Hauptstadt Moskau wurde offenbar angegriffen. Mehrere auf die Metropole zusteuernde Drohnen seien abgewehrt worden, erklärte Bürgermeister Sergej Sobjanin im Kurznachrichtendienst Telegram. Fachleute untersuchten die Trümmerteile an den Absturzstellen. Nach einer Auswertung russischer Nachrichtenagenturen wurden in Moskau 27 Drohnen zerstört.
Ukrainisches AKW Saporischschja wieder ans Netz
Fast drei Tage nach einem Verlust der externen Stromversorgung durch einen Angriff ist das russisch kontrollierte Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine wieder ans Netz gegangen. Der Strom sei nach Reparaturen an einer Notstromleitung während einer lokalen Feuerpause wiederhergestellt worden, erklärte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien am Samstag im Onlinedienst X. Der mittlerweile 19. Verlust der externen Stromversorgung des Kraftwerks seit Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 war am Mittwoch durch einen Angriff auf ein Umspannwerk ausgelöst worden. Während des Ausfalls der externen Stromversorgung musste das Akw der IAEA zufolge auf Notstromdieselgeneratoren zurückgreifen, um die Kühlung seiner Reaktoren aufrechtzuerhalten. „Mit einer Dauer von fast drei Tagen war dies einer der längsten derartigen Stromausfälle an der Anlage und unterstreicht die extreme Fragilität des Stromnetzes“, erklärte die IAEA. Es sei kein Austritt von Radioaktivität festgestellt worden und die Strahlungswerte seien normal geblieben. Das Atomkraftwerk Saporischschja ist das größte Europas. Es befindet sich seit März 2022 in russischer Hand und liegt nahe der Front. Die sechs Reaktoren sind abgeschaltet, die Anlage braucht jedoch weiterhin Elektrizität für ihre Kühl- und Sicherheitssysteme.
G7-Gipfel: Trump plant Arbeitssitzung mit Selenskyj
US-Präsident Donald Trump nimmt beim G7-Gipfel in Frankreich an einer Arbeitssitzung mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj teil. Ein bilaterales Treffen der beiden ist nach Angaben von hochrangigen Vertretern der US-Regierung zwar nicht geplant, sie könnten jedoch am Rande des Gipfels zusammenkommen. Zudem trifft sich Trump den Angaben zufolge separat mit den Staats- und Regierungschefs von Ägypten, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Frankreich und Indien.
UN: Höchststand ziviler Opfer in der Ukraine seit April 2022
Die Vereinten Nationen haben in der von Russland angegriffenen Ukraine im Mai einen Höchststand an verletzten und getöteten Zivilisten innerhalb eines Monats seit April 2022 registriert. Mindestens 274 Menschen seien im Mai getötet und weitere 1763 verletzt worden, heißt es in einem Bericht des Büros des Hohen Kommissars für Menschenrechte. Das entspreche einem Anstieg um 93 Prozent im Vergleich zum Mai 2025, wo demnach 191 Tote und 865 Verletzte registriert worden waren. Auf Angriffe mit Raketen und Drohnen gehen demnach 45 Prozent der Opfer zurück, meist in Städten fernab der Front wie Kyjiw und Dnipro. Nahe der Front seien Drohnen mit kurzer Reichweite die Hauptursache für zivile Opfer gewesen. Noch nie seit Kriegsbeginn seien damit so viele Menschen in einem Monat getötet (64) und verletzt (539) worden wie im Mai.
EU startet Beitrittsverhandlungen mit Ukraine und Moldau
Die Europäische Union startet am Montag die ersten Verhandlungen in den Beitrittsgesprächen mit der Ukraine und Moldau. „Alle Mitgliedstaaten haben zugestimmt, den ersten Verhandlungsblock im Rahmen der Beitrittsgespräche mit der Ukraine und Moldau zu eröffnen“, teilten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa am Freitagabend mit. Der Beginn der ersten Runde der Beitrittsgespräche sei „eine Anerkennung der Entschlossenheit, des Mutes und der harten Arbeit, die beide Länder bei der Umsetzung von Reformen gezeigt haben, selbst angesichts enormer Herausforderungen“, erklärten von der Leyen und Costa. Die EU-Erweiterung sei eine „strategische Entscheidung“, eine größere EU liege „in einer von wachsender Unsicherheit geprägten Welt“ in „unserem gemeinsamen Interesse“.
Die erste Gruppe von Verhandlungsthemen, von der EU als „Cluster“ bezeichnet, wird sich auf die Werte und Grundprinzipien beziehen, die beide Länder einhalten müssen, um eines Tages der EU beitreten zu können. Um der EU beizutreten, müssen die Bewerberländer insgesamt sechs „Cluster“ mit Dutzenden von Kapiteln verhandeln. Nach einem Abschluss der Verhandlungen muss ihr Beitritt einstimmig von allen 27 Mitgliedstaaten gebilligt und von jedem einzelnen Staat ratifiziert werden. Die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldau waren eigentlich bereits im Juni 2024 formal begonnen worden. Die Eröffnung des ersten Verhandlungsabschnitts mit der Ukraine wurde dann allerdings von Ungarn mit einem Veto blockiert. Erst nach der Abwahl des langjährigen ungarischen Regierungschefs Viktor Orbán im April kam wieder Bewegung in den Prozess.
Ukraine schafft Schutzstatus für russische Sprache ab
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Freitag ein Gesetz unterzeichnet, das der russischen Sprache ihren bisherigen Schutzstatus in dem Land wieder aberkennt. „Die Sprache eines Aggressorstaates kann nicht von Schutzinstrumenten profitieren, die indigenen Völkern oder nationalen Minderheiten helfen sollen“, erklärte der ukrainische Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk im Onlinedienst Facebook. Nach der Charta der Regional- und Minderheitensprachen, die die Ukraine unterzeichnet hat und die vom Europarat überwacht wird, genoss das Russische in der Ukraine bislang besondere Rechte. Vor Beginn des Krieges gab fast ein Drittel der Ukrainer Russisch als Muttersprache an. Umfragen zufolge ist mit dem Krieg der Anteil russischsprechender Ukrainer zurückgegangen. Die Neuregelung macht Russischsprechen in der Ukraine nicht illegal. Die Behörden sind jetzt aber nicht mehr verpflichtet, Informationen oder Dienstleistungen auch auf Russisch anzubieten. Außerdem kann der Russisch-Unterricht an Schulen eingeschränkt werden.
Putin: Ukraine will Russen mit Drohnenangriffen „spalten“
Der russische Präsident Wladimir Putin hat der Ukraine vorgeworfen, sein Land mit den zunehmenden Drohnenangriffen „spalten“ zu wollen. Außerdem wolle Kiew damit „Verwirrung stiften und wirtschaftlichen Schaden anrichten“, sagte Putin am Freitag bei einem Treffen mit russischen Soldaten im Kreml. Zuvor hatte die ukrainische Armee erklärt, mehrere Ziele in Russland attackiert zu haben, die weit von der Ukraine entfernt liegen, darunter eine Ölraffinerie in der Region Tatarstan. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte unterdessen, dass am Freitag etwa ein Dutzend Drohnen in der Hauptstadtregion abgefangen worden seien. Die Ukraine hatte in den vergangenen Monaten ihre Drohnenangriffe immer tiefer in das russische Staatsgebiet ausgeweitet und dabei unter anderem Ölraffinerien und Häfen beschossen. Kiew rechtfertigt die Angriffe als Vergeltung für den andauernden Beschuss der Ukraine durch die russische Armee.
Laut Putin mehr als 700.000 Soldaten im Kriegseinsatz
Die russische Armee hat nach Angaben von Kremlchef Wladimir Putin mehr als 700.000 Soldaten im Einsatz im Gebiet des Ukraine-Kriegs. Das sagte er bei einem Gespräch mit Soldaten im Kreml anlässlich des Nationalfeiertags, bei dem auch Verteidigungsminister Andrej Beloussow dabei war. Vor den Soldaten gab sich der russische Staatschef weiter siegesgewiss in dem vor mehr als vier Jahren von ihm befohlenen Angriffskrieg gegen die Ukraine. „Schritt für Schritt, nicht so schnell wie wir gern würden, aber wir schreiten trotzdem voran, wir schreiten jeden Tag voran“, sagte Putin. Schon im Dezember hatte er bei seiner Jahrespressekonferenz und Bürgersprechstunde von rund 700.000 Soldaten im Gebiet des Ukraine-Kriegs gesprochen. Damals sagte er, es handele sich überwiegend um junge Leute, darunter die Generationen der 1990er Jahre.
Ukrainische Luftwaffe warnt vor russischem Oreschnik-Einsatz
Die ukrainische Luftwaffe hat die Bevölkerung vor einem erneuten Einsatz der russischen ballistischen Mittelstreckenrakete Oreschnik gewarnt. Innerhalb von 24 Stunden gebe es eine hohe Wahrscheinlichkeit für den Start einer solchen Rakete vom Testgelände Kapustin Jar im russischen Gebiet Astrachan, teilte die Luftwaffe in sozialen Netzwerken mit. Luftalarme sollten ernst genommen werden, hieß es. Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte vor neuen russischen Luftangriffen. „Anstelle von Frieden wählen sie Raketen“, sagte er in einer Videoansprache. Moskau habe keine anderen Karten. Russland hat die experimentelle Rakete nach übereinstimmenden russischen und ukrainischen Berichten seit 2024 bereits dreimal gegen die Ukraine eingesetzt. Bei den demonstrativen Einsätzen auf Ziele in Dnipro, im westukrainischen Gebiet Lwiw und auf Bila Zerkwa bei Kiew habe die Rakete aber keine realen Gefechtsköpfe getragen. Mit einer geschätzten Reichweite bis zu 6000 Kilometern kann die atomwaffenfähige Oreschnik mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit selbst Ziele in Westeuropa innerhalb von Minuten erreichen. Kyjiw verfügt über kein Mittel zur Abwehr dieser Waffe.
Berlin sieht mögliches „Fenster für Diplomatie“
Vor dem Gipfel sieben großer Industriestaaten (G7) hat die Bundesregierung die Hoffnung geäußert, dass der Verhandlungsprozess für eine Friedenslösung im Ukraine-Krieg wieder in Gang kommen könnte. „Hier kann sich erstmals langsam ein Fenster für Diplomatie öffnen“, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter am Freitag in Berlin. Er äußere diese Einschätzung allerdings „mit gebotener Vorsicht“, weil sie von einer Reihe von Faktoren abhänge. An dem G7-Gipfeltreffen ab Montag im französischen Evian sollen auch US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilnehmen. Die USA hatten vor dem Hintergrund des Iran-Konflikts zuletzt de facto keine aktive Rolle mehr bei Gesprächen zu einer Beilegung des Ukraine-Konflikts übernommen. Der deutsche Regierungsvertreter verwies am Freitag darauf, dass sich die Dynamik des Konflikts „in den letzten Wochen verändert“ habe. „Die Ukraine ist heute in einer neuen Position der Stärke“, sagte er und sah dies auch als Folge der deutschen und europäischen Unterstützung. „Russland kann militärisch nicht siegen. Seine Wirtschaft ist angeschlagen.“ Daraus könnten sich neue Möglichkeiten für Verhandlungen ergeben. Darüber sei bereits bei dem Treffen von Kanzler Friedrich Merz (CDU), dem britischen Premier Keir Starmer, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit Selenskyj am vergangenen Sonntag in London beraten worden, sagte der Regierungsvertreter weiter. Die sogenannte E3-Gruppe aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien hatte sich dabei hinter einen Vorschlag Selenskyjs für direkte Waffenruhe-Gespräche zwischen Moskau und Kiew gestellt. Diese sollen unter aktiver Beteiligung der USA und Europas stattfinden, wie es in einer gemeinsamen Erklärung am Montag hieß. Die derzeitige Kontaktlinie müsse dabei „der Ausgangspunkt für Verhandlungen sein“. Moskau hat bisher kein Interesse an Gesprächen gezeigt und fordert, dass die Ukraine die gesamte Donbass-Region abtreten soll.
Schwedische Abgeordnete warnen vor möglichem russischen Angriff
Verteidigungspolitiker in Schweden warnen vor russischen Militärangriffen auf das skandinavische Land oder andere Nato-Staaten schon in der näheren Zukunft. „Ein bewaffneter Angriff auf Schweden oder andere Verbündete kann nicht ausgeschlossen werden“, konstatiert der Verteidigungsausschuss des schwedischen Parlaments in einem am Freitag veröffentlichten Bericht. Solche „militärischen Vorstöße“ könne Moskau etwa ausführen, um den Zusammenhalt der Nato und die „Glaubwürdigkeit“ der gegenseitigen Beistandsverpflichtung gemäß Artikel 5 auf die Probe zu stellen. Die Verteidigungspolitiker warnen, dass russische Militärangriffe bereits „in der relativ nahen Zukunft stattfinden könnten, wenn die politische Lage vom Kreml als günstig eingeschätzt wird“. In Artikel 5 des Nato-Vertrags wird der sogenannte Bündnisfall definiert: Demnach ist ein Angriff auf eines der Mitgliedsländer als Angriff auf die gesamte Allianz zu betrachten. US-Präsident Donald Trump hat jedoch mit wütender Kritik an der Nato und einzelnen Mitgliedstaaten die Zweifel daran geschürt, dass die USA einem angegriffenen Nato-Partner zur Hilfe kommen würden. In dem Bericht des schwedischen Ausschusses heißt es auch, dass Russland einen Angriff selbst dann ausführen könnte, wenn es dazu militärisch nicht in der Lage zu sein scheine. In seinem seit mehr als vier Jahren andauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine ist Moskau in den vergangenen Monaten durch ukrainische Gegenangriffe hinter den Frontlinien und bis tief in das russische Staatsgebiet hinein unter Druck geraten. Schweden hatte – ebenso wie das benachbarte Finnland – als Konsequenz aus dem russischen Überfall auf die Ukraine mit seiner jahrzehntelangen Tradition der militärischen Bündnisneutralität gebrochen und war 2024 der Nato beigetreten.
Ukraine und Russland mit gegenseitigen Drohnenangriffen
Die Ukraine und Russland haben sich in der Nacht zum Freitag erneut gegenseitig mit Drohnenangriffen überzogen. Dabei gab es Behördenangaben zufolge Tote und Verletzte auf beiden Seiten. Die Ukraine nahm auch wieder Industrieanlagen tief in Russland ins Visier. So wurden in der für Russlands ölverarbeitende Industrie wichtigen Region Tatarstan weit von der Ukraine entfernt drei Menschen verletzt, als eine Drohne ein Wohnhaus traf, wie die örtlichen Behörden mitteilten. In der dort gelegenen Stadt Nischnekamsk seien wegen der Drohnengefahr öffentliche Feiertagsveranstaltungen für Freitag abgesagt worden. Auch wurde demnach die Stadt Togliatti an der Wolga, Sitz des größten russischen Autobauers Awtowas, mit Drohnen attackiert. In der russischen Grenzregion Brjansk kamen den Angaben zufolge bei ukrainischen Drohnenangriffen zwei Menschen ums Leben, zehn weitere wurden verletzt. Das russische Militär beschoss unter anderem Bahnhöfe, Signalanlagen und Umspannwerke in der Ukraine. Dabei wurde in der nördlichen Region Sumy den Angaben zufolge ein Bahnmitarbeiter getötet und ein weiterer verletzt. In der südlichen Stadt Mykolajiw seien vier Menschen verletzt und 14 Gebäude beschädigt worden. Das ukrainische Militär teilte mit, Russland habe seit Donnerstagabend mit 117 Drohnen angegriffen, von denen die Luftabwehr 102 abgefangen habe. Russland schoss nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der Nacht 231 ukrainische Drohnen ab. Die Ukraine hat zuletzt ihre weitreichenden Drohnenangriffe auf russische Ölanlagen intensiviert, was unter anderem auf der annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim zu Treibstoffengpässen führte. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Angaben beider Seiten zunächst nicht unabhängig überprüfen. Beide Länder weisen den Vorwurf zurück, gezielt Zivilisten ins Visier zu nehmen.
Ukraine bittet EU um weitere 20 Milliarden Dollar
Die Ukraine will von ihren europäischen Partnern zusätzliche 20 Milliarden US-Dollar erhalten, um ihre Position auf dem Schlachtfeld gegenüber Russland zu stärken. Das berichtet Politico unter Berufung auf einen hochrangigen Vertreter des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Dem Bericht zufolge soll die Forderung am 18. Juni bei der nächsten Sitzung der Ukraine-Kontaktgruppe vorgestellt werden. Auch bei Gesprächen mit Vertretern aus Norwegen, Schweden, Deutschland und Kanada sei das Thema bereits angesprochen worden. Nach Angaben des Politico-Gesprächspartners sollen die Partnerländer jeweils zwischen zwei und sechs Milliarden Dollar bereitstellen. Dabei könne es sich sowohl um Zuschüsse als auch um Kredite handeln. Die zusätzlichen Mittel sollen unter anderem in die Luftverteidigung, Drohnen, Munition, elektronische Kampfführung, weitreichende Waffensysteme sowie direkte Aufträge für ukrainische Rüstungsunternehmen fließen. „Alle sehen, dass Russland brennt. Und wir wollen, dass es noch stärker brennt. Dafür brauchen wir Finanzierung“, zitierte Politico den ukrainischen Regierungsvertreter.
Verhandlungen zwischen Ukraine, USA und Russland liegen auf Eis
Die Verhandlungen zwischen der Ukraine, den USA und Russland sind laut dem ehemaligen US-Sondergesandten Keith Kellogg faktisch ausgesetzt. Grund dafür sei die Eskalation im Konflikt mit dem Iran. Im Interview mit dem ukrainischen Sender „Suspilne“ erklärte Kellogg, dass Steve Witkoff und Jared Kushner derzeit nicht nur mit dem Ukraine-Dossier befasst seien, sondern auch an Verhandlungen im Nahen Osten arbeiteten. „Man kann nicht an zwei Orten gleichzeitig sein. Deshalb sind die Gespräche faktisch auf Eis gelegt. Das ist nicht unbedingt schlecht – im Gegenteil“, sagte Kellogg. Nach seiner Einschätzung gibt die Pause der Ukraine die Möglichkeit, ihre Position eigenständig zu stärken. „Die Ukraine muss ihre Arbeit selbst erledigen, während die USA auf den Iran fokussiert sind. Und die Ukraine macht ihre Sache gegen Russland gut“, erklärte er. Kellogg bezeichnete zudem Wolodymyr Selenskyjs jüngsten Brief an Russlands Präsident Wladimir Putin als positiven Schritt für einen möglichen Dialog.
Ukraine will die Krim isolieren
Die Ukraine will die besetzte Krim von den russischen Nachschubwegen abschneiden. Das sagte der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte Robert Browdi („Madjar“) in einem Interview mit Reuters. Laut ihm haben die verstärkten Angriffe auf die russische Logistik bereits spürbare Auswirkungen. Der Verkehr auf der wichtigen Versorgungsroute R-280 zwischen Rostow am Don und der Krim sei innerhalb eines Monats um 71 Prozent zurückgegangen. Browdi zufolge könnte die Strecke bereits innerhalb eines Monats vollständig unter ukrainische Feuerkontrolle geraten. Dadurch würden die Versorgungsmöglichkeiten der russischen Truppen weiter eingeschränkt. „Wir werden die Krim in naher Zukunft isolieren“, sagte der Kommandeur. Der Berater des ukrainischen Präsidentenamtes, Mychajlo Podoljak, erklärte gegenüber dem Sender 24 Kanal, die Ukraine greife ausschließlich militärische Logistik- und Infrastrukturziele an, über die die russische Armee auf der besetzten Halbinsel versorgt werde. Anders als Russland richte die Ukraine ihre Angriffe nicht gegen die Zivilbevölkerung, sondern gegen Infrastruktur, die für die Kriegsführung genutzt werde. In der von Russland besetzten Krim ist die Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln deutlich gestiegen. Nach Angaben von Denys Tschystikow, dem stellvertretenden Vertreter des ukrainischen Präsidenten in der Autonomen Republik Krim, werden in Geschäften bereits Engpässe bei Salz, Zucker, einigen Getreidesorten und Mehl verzeichnet. In einem Interview mit Espreso erklärte Tschystikow, dass Einzelhandelsketten bereits angewiesen worden seien, den Verkauf bestimmter Produkte pro Kunde zu begrenzen. Die Waren würden zwar weiterhin auf die Halbinsel geliefert, die Preise seien jedoch deutlich gestiegen. Als Gründe nannte Tschystikow erhöhte Logistikrisiken sowie höhere Treibstoffkosten. Nach seinen Angaben verlangen Lieferanten, die Waren über den sogenannten Landkorridor auf die besetzte Halbinsel bringen, inzwischen deutlich höhere Transportaufschläge. Dadurch seien viele Produkte auf der Krim inzwischen teurer als in Russland selbst.
USA wollen Jets und Kriegsschiffe für Nato-Einsätze reduzieren
Die USA planen einem Zeitungsbericht zufolge, die Zahl der Flugzeuge und Kriegsschiffe, die sie für Nato-Einsätze in Europa zur Verfügung stellen, um ein Drittel zu reduzieren. Dies berichtet die „New York Times“ unter Berufung auf zwei hochrangige europäische Insider. Die Nato und das US-Verteidigungsministerium reagieren zunächst nicht auf Anfragen zur Stellungnahme. Der US-Plan sieht dem Bericht zufolge vor, die Zahl der F-16- und F-15E-Kampfflugzeuge von rund 150 auf 100 zu reduzieren, die Zahl der Seeaufklärungsflugzeuge von 26 auf 15 zu senken und alle acht Luftbetankungsflugzeuge abzuziehen, die Europa bisher zur Verfügung standen. Damit würde die Fähigkeit der Nato für Angriffe auf weiter entfernte Ziele und Überwachungsaufgaben eingeschränkt.



