Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erklärt, dass US-Präsident Donald Trump der Ukraine die lang geforderten Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen zugesichert habe. In einem Interview mit Fox-News-Moderator Sean Hannity sagte Selenskyj wörtlich: „Er hat zugesagt, uns die Lizenzen zu erteilen.“ Diese Zusage eröffne die Möglichkeit, die Produktion der dringend benötigten Abwehrraketen in der Ukraine selbst zu steigern. Das Weiße Haus reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Patriot-Systeme als einziges Mittel gegen russische Raketen
Die Patriot-Systeme sind für die Ukraine das einzige wirksame Abwehrmittel gegen Russlands ballistische Raketen. Bereits im Frühjahr hatte Selenskyj beklagt, dass sein Land kaum noch Munition für diese Systeme habe. Die weltweiten Bestände der Abfangraketen wurden zudem durch den US-Krieg gegen den Iran weiter verknappt. Die Zusage von Trump könnte hier eine entscheidende Wende bringen.
Vorsichtigere Äußerungen Stunden zuvor
Stunden vor dem Interview hatte Selenskyj sich noch zurückhaltender geäußert. Nach dem Treffen im Weißen Haus teilte er auf der Plattform X mit, dass er und Trump über die Luftabwehr der Ukraine gesprochen hätten. Es sei um eine Stärkung der ukrainischen Flugabwehr gegen russische Raketenangriffe gegangen. Konkret schrieb er: „Der Präsident und ich haben über Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen gesprochen und andere Dinge, die helfen können.“
Treffen hinter verschlossenen Türen
Das Gespräch zwischen Trump und Selenskyj fand hinter verschlossenen Türen statt und dauerte US-Medienberichten zufolge etwas mehr als eine Stunde. Trump ließ auf seiner Plattform Truth Social lediglich verlauten, dass das Treffen mit Selenskyj „sehr gut“ verlaufen sei. Auch Selenskyj bewertete die Unterredung im Interview mit Hannity als „sehr gut“. In den vergangenen Wochen hatten sich beide Politiker häufiger getroffen: Anfang des Monats beim Nato-Gipfel in Ankara und Mitte Juni beim G7-Gipfel im französischen Évian. Bei diesen Gelegenheiten hatten die USA auch gemeinsame Positionen zum Ukraine-Krieg unterstützt. Trump hob in Ankara zudem hervor, dass er ein gutes Verhältnis zu seinem ukrainischen Kollegen pflege.
Die Zusage der Lizenzen könnte die ukrainische Luftverteidigung nachhaltig stärken. Bislang war die Ukraine auf westliche Lieferungen angewiesen, die oft nicht in ausreichender Menge verfügbar waren. Sollte die Eigenproduktion von Patriot-Abfangraketen gelingen, wäre das ein bedeutender Schritt zur Unabhängigkeit von externen Hilfen. Ob und wann die Lizenzen tatsächlich erteilt werden, bleibt jedoch abzuwarten. Das Weiße Haus hat sich bislang nicht offiziell geäußert.



