Selenskyj plötzlich Trumps neuer Liebling: Tauwetter in Washington
Selenskyj wird Trumps neuer Liebling: Tauwetter in Washington

Es war ein Tag voller wuchtiger Momente in Washington – und als heimlicher Sieger durfte sich Wolodymyr Selenskyj fühlen. Der ukrainische Präsident absolvierte neben Israels Premier Benjamin Netanjahu eines von zwei internationalen Treffen mit US-Präsident Donald Trump an diesem Tag. Die diplomatische Drehtür im Weißen Haus kam vor dem Trauergottesdienst für Senator Lindsey Graham zustande, der als eiserner Fürsprecher der Ukraine und enger Verbündeter Israels galt.

Vom Bittsteller zum strategischen Partner

Besonders auffällig war das Tauwetter zwischen Trump und Selenskyj. Vor fast eineinhalb Jahren war der Ukrainer im Oval Office noch brutal vorgeführt worden. Jetzt trat er nicht mehr als Bittsteller, sondern als strategischer Partner auf. Jüngste Erfolge gegen die Armee von Kreml-Herrscher Wladimir Putin und Langstreckenangriffe tief in Russland sollen Trump beeindruckt haben. Die Ukraine will die wundersame Trump-Wende nutzen.

Geheimdienstdossier gegen die Achse Moskau–Teheran

Im Gepäck hatte Selenskyj Geheimdienst-Dossiers, die belegen sollen, dass Russland den Iran bei der Erfassung amerikanischer Ziele unterstütze. Gerade erst starben drei US-Soldaten bei einem iranischen Angriff in Jordanien. Ein erstarktes Kiew nimmt zugleich die Achse Moskau–Teheran ins Visier. Am Samstag wurde ein iranisches Schiff im Kaspischen Meer mit Langstreckendrohnen attackiert. Der Frachter soll Waffen nach Russland transportiert haben. Das Signal an Trump: Die Ukraine ist längst eine Militärmacht mit größerer Reichweite.

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US-Politologe Scott Erb bezeichnete die russisch-iranische Partnerschaft als „großen Unsicherheitsfaktor, der Trump erheblich verärgert“.

Bitte um Patriots und mögliche Friedensgespräche

Im Gegenzug erneuerte Selenskyj seine Bitte um weitere Patriot-Luftabwehrsysteme. Diskutiert wurde auch eine Reise von Trumps Krisenvermittlern Steve Witkoff und Jared Kushner nach Kiew. Die Reise könnte einen neuen Anlauf für Friedensgespräche mit Putin einleiten. Selenskyj hatte einen dicht getakteten Tag: Abseits von Grahams Trauerfeier, bei der er angeregt mit Netanjahu sprach, traf der Ukrainer auch Mitglieder des Senats vor einer Abstimmung über härtere Sanktionen gegen Moskau. Die von Graham vorangetriebene Initiative richtet sich auch gegen Länder wie China und Indien, die russisches Öl kaufen.

Netanjahu als Nebenfigur

Netanjahu geriet an diesem Wirbelwind-Tag eher zur Nebenfigur, obwohl er das Trump-Treffen anschließend als eines der besten Gespräche überhaupt lobte. Auch „produktiv“ sei es gewesen. Doch ein Foto aus dem Oval Office sprach Bände: Netanjahu, Trump und Vize JD Vance wirkten sichtlich angespannt. „Netanjahu dürfte versucht haben, Trump zu einer Eskalation des Iran-Krieges zu bewegen – vermutlich mit israelischen Geheimdienstinformationen, die Iran als akute Bedrohung darstellen“, sagte Erb zu BILD. Doch Trump sucht angesichts des wachsenden innenpolitischen Drucks eher das Kriegsende. Und auch hier hat Selenskyj noch einen Joker: Er bietet Trump die Chance auf einen diplomatischen Erfolg im Ukraine-Krieg – eine willkommene Alternative zum iranischen Kriegssumpf.

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