Unionsfraktionschef Jens Spahn und sein Mann Daniel Funke sind Eltern geworden. Der Sohn Georg wurde mithilfe einer Leihmutter in den USA geboren. Diese Nachricht ist nicht nur privat, sondern auch politisch brisant, da die CDU Leihmutterschaften kategorisch ablehnt und das deutsche Embryonenschutzgesetz diese verbietet. Spahn wird nun Doppelmoral vorgeworfen.
Rechtliche Lage in Deutschland und den USA
Das deutsche Embryonenschutzgesetz verbietet Leihmutterschaften. Paragraph 1 droht Ärzten, die eine künstliche Befruchtung bei einer Ersatzmutter vornehmen, Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe an. Auch die Ersatzmuttervermittlung ist in Deutschland strafbar. In den USA hingegen ist Leihmutterschaft legal. Funkes Vaterschaft – er ist der leibliche Vater – wird in Deutschland anerkannt, ebenso Spahns Vaterschaft, unabhängig davon, ob sie durch Gerichtsentscheid oder Adoption zustande kommt. Das Paar hat somit nicht gegen deutsches Recht verstoßen.
Vorwurf der Doppelmoral
Der Herausgeber des Portals queer.de wirft Spahn in einem Kommentar „politische Doppelmoral“ vor. Alte Zitate von Spahn werden nun hervorgeholt. Vor elf Jahren, als über Leihmutterschaft diskutiert wurde, schrieb Spahn in der Zeitschrift „GQ“: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden.“ Gleichzeitig betonte er: „Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut. Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht.“
Jette Nietzard, frühere Chefin der Grünen Jugend, kritisierte Spahn auf Instagram scharf: „Gesetze, die mächtige Männer verabschieden, gelten nie für sie selbst oder ihre Kinder. Die werden immer einen Weg finden, ihre Söhne vor der Wehrpflicht zu schützen, ihren Töchtern Abtreibungen zu ermöglichen oder eben Kinder zu bekommen.“
Spahns Kinderwunsch und aktuelle Position der CDU
Spahn hatte bereits 2021 in einem Interview mit der „Bunten“ seinen Kinderwunsch geäußert: „Und ich denke, wir wären gute Eltern. Wir reden darüber, noch ist nichts konkret. Aber wenn, dann bald, wir werden ja auch nicht jünger.“ Im Februar 2026 sprach sich der CDU-Parteitag in Stuttgart ausdrücklich für ein Festhalten am Verbot von Leihmutterschaften aus – auch in altruistischen Modellen, „um Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern“. Spahn und Funke sind sich der Kritik bewusst. In einer Nachricht an Freunde, aus der die „Bild“-Zeitung zitiert, schreiben sie: „Uns ist bewusst, dass wir Euch mit dieser Nachricht überraschen, und dass sich zum Thema Leihmutterschaft auch Fragen stellen. Diese beantworten wir Euch gerne.“



