US-Präsident Donald Trump (80) ist vor dem Obersten Gerichtshof der USA mit seiner Beschwerde gegen das 5-Millionen-Dollar-Urteil im Fall E. Jean Carroll gescheitert. Die Richter nahmen den Fall nicht zur Prüfung an, womit der Jury-Spruch rechtskräftig bleibt. Die Magazin-Kolumnistin Carroll (82) dürfte nun das von Trump bereits hinterlegte Geld erhalten.
Hintergrund der Klagen
Carroll hatte Trump 2019 wegen Verleumdung verklagt, nachdem er ihre Missbrauchsvorwürfe als Lüge bezeichnet hatte. 2022 reichte sie eine zweite Klage ein: Sie warf Trump vor, sie Mitte der 1990er-Jahre in einem New Yorker Kaufhaus sexuell missbraucht und später diffamiert zu haben. Dieses zweite Verfahren wurde zuerst verhandelt. Die Jury sprach Carroll 5 Millionen Dollar (4,3 Millionen Euro) Schadenersatz zu. Trump wies alle Vorwürfe zurück.
Im ersten Verleumdungsverfahren unterlag Trump erneut: Die Jury sprach Carroll rund 83 Millionen Dollar (73 Millionen Euro) Schadenersatz zu. Einschließlich Zinsen schuldet Trump ihr laut CNN inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar (88 Millionen Euro).
Trumps Einwände vor dem Supreme Court
Trumps Anwälte argumentierten, der Richter habe im Zivilprozess mehrere Fehler gemacht. Die Jury hätte die Aussagen zweier weiterer Frauen, die Trump ebenfalls sexuelle Übergriffe vorwerfen, nicht hören dürfen. Zudem hätte das „Access Hollywood“-Video nicht gezeigt werden dürfen, in dem Trump 2005 prahlt, Frauen ungefragt zu küssen und ihnen an die Genitalien zu fassen. Das Gespräch fand hinter den Kulissen einer TV-Sendung statt – sein Mikrofon lief bereits.
Ende 2024 bestätigte ein Berufungsgericht das 5-Millionen-Dollar-Urteil. Im Juni 2025 scheiterte Trump mit dem Versuch, den Fall vom gesamten Richtergremium überprüfen zu lassen. Daraufhin zog er vor den Supreme Court. Dort wurde die Beratung über die Beschwerde monatelang verschoben. Am Ende ließ das Gericht sie ohne Begründung gar nicht erst zur Prüfung zu.
Trumps Reaktion und weitere Schritte
Trump reagierte auf seiner Plattform Truth Social mit scharfer Kritik. Er bezeichnete das Verfahren als „frei erfunden“ und kündigte an, den Rechtsstreit „mit all meiner Kraft und Stärke“ fortzusetzen. Das New Yorker Gesetz, das Carroll die zweite Klage ermöglicht hatte, sei eigens geschaffen worden, um ihn zu treffen, behauptete Trump. Außerdem kündigte er an, auch gegen das Urteil über rund 83 Millionen Dollar vor den Supreme Court ziehen zu wollen.
Auszahlung und Ermittlungen gegen Carroll
Trump hatte nach dem Juryurteil 2023 bereits 5,5 Millionen Dollar (4,8 Millionen Euro) auf ein Gerichtskonto eingezahlt. Daher dürfte Carroll den zugesprochenen Schadenersatz nun vergleichsweise schnell erhalten. Während Trump weitere rechtliche Schritte ankündigt, ermittelt das US-Justizministerium laut CNN gegen Carroll. Die Behörde prüft, ob die 82-Jährige in den Zivilverfahren falsche Aussagen gemacht haben könnte. Laut der „New York Times“ wurde die Untersuchung von Andrew Boutros, dem von Trump ernannten US-Staatsanwalt in Illinois, eingeleitet.



