Trump behauptet geheime Öl-Mission – Minister widerspricht
Washington – Es klingt wie eine Sensation aus dem Maschinenraum des Iran-Krieges: Donald Trump behauptete am Mittwoch, die USA hätten in den vergangenen Wochen heimlich mehr als 100 Millionen Barrel Öl durch die Straße von Hormus geschleust – vorbei an den Iranern, vorbei an der Weltöffentlichkeit, vorbei offenbar auch an Teilen der eigenen Regierung.
Allein in der Nacht zu Dienstag, so Trump im Oval Office, seien „22 Schiffe spät in der Nacht ohne Lichter“ herausgebracht worden. Iran habe davon bis vor Kurzem nichts mitgekriegt. Warum? „Weil sie kein Radar haben, weil wir es zerbombt haben.“
Niemand bestätigt Trumps Behauptung
Dass Trump militärische Geheimoperationen wie Immobilien-Deals verkauft, groß und unüberprüfbar, wäre an sich keine Riesenüberraschung. Seit Wochen fährt der US-Präsident in Sachen Iran eine höchst widersprüchliche, undurchsichtige Öffentlichkeitsarbeit. Auf seinem Kommunikations-Portal Truth Social baute er die Geschichte weiter aus: Im vergangenen Monat habe er das „großartige US-Militär“ angewiesen, eine „geheime Mission“ zur Unterstützung von Öltankern und Handelsschiffen durch die Straße von Hormus auszuführen. Ergebnis: mehr als 100 Millionen Barrel Öl seien so „in den offenen Markt“ gelangt. Nur darum stünde der Öl-Preis heute nicht bei 250 Dollar pro Fass – sondern unter 100 Dollar. Seine Botschaft in Großbuchstaben: Nicht Iran kontrolliert Hormus, sondern die Vereinigten Staaten.
Das Problem dabei: Niemand außer Trump bestätigte am Mittwoch das Husarenstück und die damit verbundenen Zahlen. Kein unabhängiges Marine-Aufsichtsinstitut, keine verlässliche Tanker-Datenbank, kein westlicher Verbündeter, geschweige denn der angeblich ausgetrickste Iran hat bislang Trumps gewaltige Bilanz beglaubigt.
Verkehrsminister widerspricht dem US-Präsidenten
Es gibt Hinweise auf mehr Schiffsbewegungen, ja. Die „Financial Times“ berichtete von sogenannten dunklen Transiten: Tanker fahren nahe der omanischen Küste, teils nachts, teils mit abgeschalteter Elektronik, offenbar unter amerikanischem Schutz. Aber das ist nicht dasselbe wie Trumps Siegesmärchen von 100 Millionen Barrel und 200 Schiffen unter US-Kontrolle.
Noch viel peinlicher für Trump: Sein eigener Energieminister Chris Wright klang zeitgleich dezidiert anders. Vor einem Kongressausschuss sagte Wright, er wisse nicht, dass die USA Millionen Barrel Öl „aus Iran herausgenommen“ hätten. US-Politik sei es, den Fluss iranischen Öls zu stoppen.
Lügt Trump also?
Juristisch lässt sich das nicht beweisen. Politisch aber ist der Befund plausibel: Trump erzählt eine maximal aufgeblasene Version eines möglicherweise teilweise realen Vorgangs. Aus riskanten Tanker-Passagen werden in seiner Darstellung eine geheime Meisteroperation, ein Öl-Wunder und ein Beweis amerikanischer Allmacht.
Trump steht im Iran-Krieg als Verlierer da
Dahinter steckt ein innenpolitisches Motiv. Der Iran-Krieg treibt Energiepreise und Inflation (gerade auf 4,2 Prozent gestiegen) nach oben. Trump braucht eine Gegenerzählung. Er präsentiert sich nicht als Präsident, der einen Krieg mit unkalkulierbaren Folgen eröffnet hat, sondern als Retter des Weltmarkts. Dass die USA zugleich Tanker beschießen, Schiffe umleiten und weitere Angriffe auf Iran ankündigen, verschwindet hinter der Pose des Schutzpatrons.
Es ist ein Lehrstück über seine Kriegsrhetorik. Erst kommt die Prahlerei, dann die Zahl, dann der Feind, dann der Applaus. Die Wahrheit muss irgendwie sehen, wo sie bleibt.



