Trump ruft Infantino an: Rote Karte gegen Balogun aufgehoben
Trump ruft Infantino an: Baloguns Rote Karte aufgehoben

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat ihren ersten politischen Skandal: US-Präsident Donald Trump persönlich setzte sich bei Fifa-Präsident Gianni Infantino für die Aufhebung einer Roten Karte gegen den US-Stürmer Folarin Balogun ein. Balogun darf nun am Montag im Achtelfinale gegen Belgien spielen, obwohl er im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina nach einer VAR-Entscheidung des Feldes verwiesen worden war. Die Fifa berief sich auf Artikel 27 ihres Disziplinarreglements, der eine Aussetzung der Sperre auf Bewährung erlaubt. Kritiker sehen darin einen „Gefallen unter mächtigen Männern“ und einen Präzedenzfall, der die Integrität des Turniers infrage stellt.

Der Anruf, der alles änderte

Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer US-Medien, darunter die New York Times, die Washington Post und das Wall Street Journal, bat Trump Infantino in einem persönlichen Telefonat, die Rote Karte gegen Balogun zu überprüfen. Balogun, Angreifer des AS Monaco und mit drei Toren in drei WM-Spielen der gefährlichste Stürmer der USA, hatte im Spiel gegen Bosnien-Herzegowinas Tarik Muharemović auf Knöchel und Achillessehne getreten. Schiedsrichter Raphael Claus aus Brasilien wertete dies als grobes Foul und zeigte Rot. Nach Fifa-Regeln zieht ein Feldverweis automatisch eine Sperre für das nächste Spiel nach sich.

Trump selbst bedankte sich am Sonntag öffentlich bei der Fifa, ohne jedoch seine eigene Rolle zu erwähnen: „Danke an die Fifa, dass sie das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit rückgängig gemacht hat!“

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Artikel 27: Gnadenmechanismus oder Sprengsatz?

Die Fifa erklärte in einer Stellungnahme: „Gemäß Artikel 27 des Fifa-Disziplinarreglements wird die Vollstreckung der Spielsperre für eine Probezeit von einem Jahr ausgesetzt. Sollte Folarin Balogun während der Bewährungsfrist einen weiteren Verstoß ähnlicher Art und Schwere begehen, wird die Aussetzung aufgehoben und die Sanktion vollstreckt.“ Artikel 27 erlaubt dem zuständigen Rechtsorgan, Disziplinarmaßnahmen auszusetzen. Für Spielmanipulation gilt diese Möglichkeit nicht. Juristisch gesehen ist dies kein Freispruch, sondern eine Bewährungsstrafe. Sportpolitisch jedoch wirkt die Entscheidung wie eine „Hintertür mit VIP-Zugang“, wie ein Kommentator anmerkte.

Der Fall ist besonders brisant, weil die Fifa jahrelang den Eindruck nährte, Rote Karten bei Weltmeisterschaften seien nicht verhandelbar. Artikel 66 Absatz 4 der Disziplinarordnung besagt: „Ein Feldverweis zieht automatisch eine Sperre für das darauffolgende Spiel nach sich.“ Diese Härte sollte verhindern, dass K.o.-Spiele am grünen Tisch nachverhandelt werden. Nun wurde genau dies möglich gemacht.

Belgien empört: „1. April in Europa“

Die belgische Mannschaft reagierte empört. Der nationale Fußballverband RBFA erklärte, man sei „erstaunt“ über die Entscheidung und prüfe „alle möglichen Optionen“, um die „grundlegenden Prinzipien des Fair Play“ zu schützen. Nationaltrainer Rudi Garcia wurde sarkastisch: „Ich wusste nicht, dass in den Büros der Fifa der 5. Juli in Europa der 1. April ist.“ Belgien verteidige nicht nur sich selbst, sondern „die Integrität und Ethik des Fußballs“.

Die USA nehmen das Geschenk dankbar an. US Soccer erklärte: „Wir akzeptieren die Entscheidung der Disziplinarkommission und freuen uns, dass Folarin Balogun morgen spielberechtigt ist.“ Christian Pulisic verteidigte seinen Teamkollegen: „Wenn man sich das Foul anschaut, war da überhaupt keine Absicht.“ Balogun selbst hatte zuvor gesagt, Gelb wäre „fair“ gewesen.

Historische Parallelen und politische Nähe

Der Fall erinnert an Garrincha 1962, als Brasiliens Star im Halbfinale gegen Chile vom Platz gestellt wurde und nach politischem Druck doch im Finale spielen durfte. Brasilien wurde Weltmeister. Die Fifa selbst nennt diesen Fall als Vergleich, was die Sache nicht besser macht. Infantino und Trump pflegen seit Jahren ein enges Verhältnis. Ende 2025 schuf Infantino eigens einen Fifa-Friedenspreis und überreichte ihn Trump im Kennedy-Center in Washington.

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Es ist nicht das erste Mal, dass die Fifa Artikel 27 anwendet, um einen hochkarätigen Spieler zu schützen. Im November 2025 erhielt Cristiano Ronaldo im vorletzten Qualifikationsspiel Portugals eine rote Karte wegen eines Ellbogenstoßes, was eine Sperre von drei Spielen nach sich gezogen hätte. Die Fifa milderte die Strafe auf eine einjährige Bewährungsfrist ab – allerdings vor der WM.

Ein Präzedenzfall mit Folgen

Der Präzedenzfall während des Turniers liegt nun auf dem Tisch. Wenn ein Präsident beim Fifa-Chef anruft und kurz darauf ein Starspieler des Gastgeberlandes frei wird, wird jede künftige Entscheidung dieser Art unter Verdacht stehen. Trump könnte seinem Team damit einen Bärendienst erwiesen haben. Sollte Balogun gegen Belgien treffen, wird nicht nur über ein Tor geredet werden, sondern über den Anruf. Sollte Belgien ausscheiden, wird der Verdacht mitreisen. Und sollte Amerika weit kommen, wird diese WM nicht nur als Sommer der Heim-Euphorie erzählt werden, sondern als Turnier, in dem der Präsident persönlich bei der Fifa um einen großen Gefallen bat.

Die einfachste Frage bleibt unbeantwortet: Hätte ein anderer Verband, ohne Präsident im Weißen Haus und ohne direkten Draht zu Infantino, dieselbe Gnade bekommen? Und was wäre Infantino widerfahren, hätte er Trumps unsittlichen Antrag abgewiesen?