Trump sagt Iran-Angriff ab und kündigt neue Gespräche an
Trump stoppt Iran-Angriff und setzt auf Gespräche

US-Präsident Donald Trump hat nach eigener Darstellung einen massiven Militärschlag gegen den Iran in letzter Minute gestoppt. Die Attacke wäre den Worten Trumps zufolge der größte US-Angriff „seit dem Zweiten Weltkrieg“ gewesen. Stattdessen sollen nun an diesem Montagnachmittag neue Gespräche mit der Führung in Teheran beginnen, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Die Ankündigung machte Trump am Sonntagabend (Ortszeit) an Bord seiner Präsidentenmaschine auf dem Flug von New Jersey nach Washington. Er sprach von den „Umrissen einer Einigung“, die sich abzeichneten. Unklar blieb allerdings, wo die Verhandlungen stattfinden sollen, wie lange sie dauern werden und wer genau für beide Seiten am Tisch sitzt. Aus dem Iran gab es zunächst keine offizielle Bestätigung der geplanten Gesprächsrunde.

Gesprächsthemen: Straße von Hormus und Atomprogramm

Im Zentrum der Verhandlungen dürften zwei Konfliktfelder stehen: Zum einen geht es um eine Wiederöffnung der Straße von Hormus für die internationale Schifffahrt, die der Iran seit Kriegsbeginn weitgehend blockiert. Zum anderen soll über das umstrittene Atomprogramm des Irans gesprochen werden. Beide Themenkomplexe dominierten bereits frühere Verhandlungsrunden, die unter anderem in Pakistan und der Schweiz stattfanden.

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Trump betonte, der geplante Angriff sei nur auf Bitten wichtiger Verbündeter ausgesetzt worden. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und auch der Iran selbst hätten ihn gedrängt, den Militärschlag zu stoppen, weil eine Einigung unmittelbar bevorstehe. „Es wäre der größte Angriff seit dem Zweiten Weltkrieg geworden, und er wäre für sie verheerend gewesen“, sagte Trump wörtlich. Die Pläne könnten jedoch „jederzeit“ wieder aktiviert werden.

Militär bleibt in Alarmbereitschaft

Verteidigungsminister Pete Hegseth untermauerte die Drohkulisse. Auf der Plattform X schrieb er, das US-Militär „stand bereit – und bleibt bereit – auf einem Niveau, wie wir es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesehen haben“. US-Medienberichten zufolge hätten die Streitkräfte bei der neuen Angriffswelle auch iranische Infrastruktur und Energieanlagen ins Visier nehmen sollen.

Trump zeigte sich überzeugt, dass ein Abkommen mit dem Iran möglich sei. „Ich denke, es gibt einen Deal“, sagte er. Auch die iranische Seite habe signalisiert, dass sie eine Verhandlungslösung anstrebe. Diplomatie könne viel Blutvergießen verhindern, so der US-Präsident.

Zweifel an Trumps Erfolgsgewissheit

Ob eine Einigung tatsächlich so greifbar ist, wie Trump behauptet, wird von Beobachtern jedoch bezweifelt. Die Streitthemen sind inhaltlich hochkomplex, die Interessen der Konfliktparteien stark gegensätzlich. Zudem wäre es nicht das erste Mal, dass Trump einen Durchbruch verkündet, der später von anderer Seite dementiert wird oder an der Realität scheitert.

Die anderen Staaten der Region hielten sich nach Trumps Äußerungen auffällig bedeckt. Katar und Saudi-Arabien riefen lediglich zur Deeskalation auf. Katar forderte zudem die Umsetzung des Rahmenabkommens, das die Kriegsparteien Mitte Juni geschlossen hatten. Dieses sah eine Übergangsfrist von 60 Tagen vor, um weitere Details auszuarbeiten. Von Anfang an gab es jedoch Zweifel an der Tragfähigkeit des Abkommens – und seither immer wieder heftige gegenseitige Angriffe.

Erst im Juli waren es fast zwei Wochen lang tägliche Attacken des US-Militärs auf Ziele im Iran sowie iranische Angriffe auf US-Stützpunkte in den Golfstaaten und in Jordanien. Die Waffenruhe, die mit dem Rahmenabkommen einhergehen sollte, erwies sich damit als brüchig.

Straße von Hormus als zentrales Druckmittel

Die faktische Blockade der Straße von Hormus ist für den Iran seit Kriegsbeginn das wirksamste Druckmittel gegenüber den USA. Die Meerenge ist für den Export von Dünger, Öl und Gas aus den Golfstaaten von entscheidender Bedeutung. Teherans Blockade treibt die Weltmarktpreise in die Höhe – ein heikles Thema für Trumps Republikaner, die in gut drei Monaten bei den Zwischenwahlen zum US-Kongress um Wählerstimmen kämpfen müssen. Hohe Spritpreise kommen da äußerst ungelegen.

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Die Ankündigung, vorerst auf weitere Angriffe zu verzichten, ließ den Ölpreis deutlich sinken. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober kostete am Montagmorgen etwas über 83 US-Dollar – knapp sieben Prozent weniger als vor dem Wochenende.

Verhandlungen mit dem Oman über Mautregelung

Die Straße von Hormus hätte bereits infolge des Rahmenabkommens vom Juni wieder für den Schiffsverkehr geöffnet werden sollen. Doch dazu kam es nie. Nach einer kurzen Entspannung wurde die Meerenge durch neue Angriffe zuletzt wieder fast vollständig lahmgelegt. Das US-Militär erneuerte im Gegenzug seine Seeblockade, um den Iran von Einnahmen aus Rohölexporten abzuschneiden – Ölausfuhren sind die wichtigste Finanzquelle des Teheraner Machtapparats.

Der Iran beansprucht die Kontrolle über den Verkehr in der Meerenge und will dort eine Maut erheben. Aktuell verhandelt Teheran mit dem Oman, dem anderen Anrainerstaat, über eine Neuregelung. Die Gespräche befänden sich in der Endphase, sagte Irans Außenminister Abbas Araghtschi der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Vor dem Krieg war die Straße von Hormus für die internationale Schifffahrt uneingeschränkt offen.

Atomstreit bleibt ungelöst

Das Rahmenabkommen vom Juni sah auch weitere Verhandlungen über Irans Atomprogramm vor. Insbesondere Israel, aber auch die USA und mehrere andere Staaten beschuldigen den Iran, an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Teheran weist das zurück. Experten halten eine schnelle Einigung in diesem Punkt für unwahrscheinlich.

Das angebliche Atomprogramm war eines der Hauptargumente, mit denen Trump die gemeinsam mit Israel geführten Angriffe auf den Iran gerechtfertigt hatte. Ursprünglich hatte er erklärt, der Krieg werde nur wenige Wochen dauern. Inzwischen befindet er sich im sechsten Monat.