Trump kassiert selbst: 20 Prozent auf Fracht durch die Straße von Hormus
US-Präsident Donald Trump hat seine Iran-Politik erneut radikal geändert. Statt wie zuvor Irans Forderungen nach Gebühren für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu verurteilen, will er nun selbst eine Abgabe erheben. Die USA sollen als „Guardian of the Hormuz Strait“ auftreten und gegen eine pauschale Zahlung von 20 Prozent auf alle Fracht die Sicherheit der Schiffe gewährleisten. Das teilte Trump am Montag mit und ordnete den sofortigen Beginn der Umsetzung an.
Bisher hatte die offizielle Linie des Weißen Hauses gelautet, die Seestraße müsse frei bleiben und niemand dürfe Geld für die Passage verlangen. Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance hatten dies als Verstoß gegen die Freiheit der Schifffahrt bezeichnet. Nun erhebt Trump denselben Anspruch wie zuvor Iran – nur mit umgekehrtem Vorzeichen.
Widersprüchliche Iran-Politik: Von Ablehnung zur eigenen Maut
Die Kehrtwende erfolgt vor dem Hintergrund eines wieder aufgeflammten Konflikts mit Iran. Trump hat den Kongress offiziell über die Wiederaufnahme der Kämpfe informiert. US-Streitkräfte flogen bereits die dritte Nacht in Folge Angriffe gegen Ziele im Iran. Das Rahmenabkommen für einen Waffenstillstand, das vor wenigen Wochen in der Schweiz verhandelt worden war, scheint damit gescheitert.
Trump selbst begründete die neue Abgabe mit „Fairness“: Die USA müssten für die Kosten entschädigt werden, die bei der Sicherung dieses „sehr gefährlichen Teils der Welt“ entstünden. Warum amerikanische Gebühren völkerrechtlich anders zu bewerten sein sollten als iranische, ließ er offen. Auch die Dauer der Abgabe blieb unklar. Das Weiße Haus verwies auf eine für Donnerstagabend geplante Rede des Präsidenten an die Nation.
Wirtschaftliche Folgen: 30 Millionen Dollar für einen Tanker
Die wirtschaftlichen Auswirkungen wären enorm. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls sowie große Mengen Flüssiggas passieren die Meerenge. Hinzu kommen Chemikalien, Düngemittel und andere Massengüter. Eine Abgabe von 20 Prozent würde nicht nur den Ölmarkt treffen, sondern praktisch jede Lieferkette, die auf diese Route angewiesen ist. Analysten rechnen mit deutlich steigenden Transportkosten, höheren Versicherungsprämien und letztlich höheren Verbraucherpreisen weltweit.
Branchenexperten halten den Plan für kaum praktikabel. Laut US-Medien könnten die Zusatzkosten für einen großen Öl-Supertanker schnell 30 Millionen Dollar erreichen. Ein erheblicher Teil davon würde auf Raffinerien, Händler und Verbraucher abgewälzt – auch in Europa.
Militärische Herausforderungen: Mehr als nur Geleitschutz
Trump präsentiert die Abgabe, als ließe sich Sicherheit auf hoher See wie eine Mautstraße organisieren. Tatsächlich würde eine dauerhafte amerikanische Schutzmission einen enormen militärischen Aufwand verlangen. Kriegsschiffe müssten Tanker begleiten, Luftüberwachung wäre rund um die Uhr erforderlich, Minenabwehrkräfte stünden dauerhaft im Einsatz. Vor allem müsste verhindert werden, dass Iran die Passage mit Drohnen, Raketen, Schnellbooten oder Seeminen jederzeit wieder gefährdet.
Iran-Experten betonen, dass dazu US-Truppen entlang der iranischen Hormus-Küste stationiert werden müssten – ein Unterfangen, das Trump bisher ausschloss. Teheran betrachtet die Straße von Hormus als seinen wichtigsten militärischen Hebel gegenüber dem Westen. Ein Berater des Obersten Führers erklärte, ein Rückzug komme „überhaupt nicht infrage“. Außenminister Abbas Araghtschi reagierte mit Ironie: Wenn jemand für Sicherheit bezahlt werden müsse, dann Iran – allerdings seien 20 Prozent „natürlich zu viel“.
Rechtliche Bedenken: IMO stellt freie Navigation infrage
Auch rechtlich bewegt sich Trump auf unsicherem Terrain. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) betonte umgehend den Grundsatz der freien Navigation und stellte die Legitimität einer einseitig erhobenen Durchfahrtsgebühr infrage. Internationale Gewässer gelten gerade deshalb als internationale Gewässer, weil einzelne Staaten dort nicht nach Belieben Mautsysteme errichten können.
Militär- und Nahostexperten schließen nicht aus, dass die Initiative eine weitere politische Drohkulisse bleibt denn ein echter Operationsplan. Sollte Washington seine Ankündigung tatsächlich durchsetzen wollen, bliebe es kaum bei Geleitschutz auf See. Die USA müssten iranische Angriffe entlang der gesamten Küste unterbinden, Abschussrampen ausschalten und möglicherweise dauerhaft militärische Stellungen kontrollieren. Eine solche Eskalation würde den Konflikt mit Iran erheblich ausweiten.



