US-Präsident Donald Trump wird am Sonntag 80 Jahre alt – ein Geburtstag, der für ihn zur Zerreißprobe wird. Der Mann, der seinen Vorgänger Joe Biden einst unermüdlich als Tattergreis verspottete, ist nun selbst der älteste Präsident in der US-Geschichte. Während das Weiße Haus seine Gesundheit als „exzellent“ bezeichnet, mehren sich die Anzeichen für körperlichen und geistigen Abbau. Gleichzeitig gerät Trump politisch immer stärker unter Druck: Umfragen sind verheerend, wirtschaftliche Erfolge bleiben aus, und die Kriegslage im Iran ist festgefahren. Die Forderung nach seinem Rücktritt oder einer Amtsenthebung wird lauter – und findet zunehmend Gehör in der Bevölkerung.
Der älteste Präsident der USA
Mit 80 Jahren ist Donald Trump der älteste Mann, der je als US-Präsident vereidigt wurde. Würde er seine zweite Amtszeit vollenden, wäre er bei deren Ende 82 Jahre alt. Für sich genommen wäre das kein Makel, doch bei Trump fallen Alter und Persönlichkeit auf fatale Weise zusammen: Mit fortschreitenden Jahren zeigt er immer weniger Neigung zur Selbstbegrenzung. Sein runder Geburtstag trifft auf eine Phase, in der Gerichte, vernichtende Umfragen, politische Misserfolge und unvorteilhafte Kriegsnachrichten den Mythos vom unbesiegbaren Präsidenten erschüttern. Hinzu kommen Szenen, in denen der alte Mann vor laufender Kamera regelmäßig wegnickt.
Gesundheitsdebatte erreicht Mainstream
Die Ironie dieser Präsidentschaft: Trump wird nun an demselben Maßstab gemessen, den er gegen Biden anlegte – Schritt, Blick, Satzbau, Aussetzer, Müdigkeit. Das Weiße Haus erklärt ihn demonstrativ für gesund, doch die Skepsis wächst. Ein Präsident, der ständig den Faden verliert, Namen und Daten verwechselt und seinen Redefluss als „the weave“ bezeichnet, stößt auf eine Öffentlichkeit, die darin krankhafte Wortakrobatik erkennt. Besonders deutlich äußern sich Mediziner und Psychologen, ohne Trump persönlich untersucht zu haben. Der klinische Psychologe John Gartner von der Johns Hopkins University sagte zu Trumps langen Monologen: „Abschweifendes Sprechen gehört zu den diagnostischen Kriterien für Demenz.“ Er sprach von einer „dramatischen neurologischen Verschlechterung“ und prognostizierte: „Von hier an wird es nur noch bergab gehen.“ Der Kardiologe Jonathan Reiner von der George Washington University erklärte: „Der Präsident leidet unter schwerer Tagesschläfrigkeit. Er schläft sehr häufig ein.“ Chronische Schlaflosigkeit sei im Alter eine ernste Erkrankung, die mit kognitiven Einbußen einhergehen könne. Noch schärfer formuliert eine Erklärung von 36 Fachleuten: Trumps Verhalten spiegele „einen sich rapide verschlimmernden, von der Realität entkoppelten und zunehmend gefährlichen Abbau“ wider. Genannt werden desorganisierte Sprache, sachliche Verwechslungen, Tagesschläfrigkeit und beeinträchtigtes Urteilsvermögen.
Politische Rückschläge und sinkende Zustimmung
Parallel dazu verliert Trump politisch rapide seine Aura der Unverwundbarkeit. Seine Misserfolgsbilanz ist lang: Ein Anti-Weaponization-Fonds für politische Gefolgsleute kollabierte, Gerichte bremsten seine Zollpolitik aus, Rückzahlungen illegal erhobener Abgaben drohen. Die Wirtschaftswerte sind schwach, während Preise, Kredite und Kriegsangst drücken. Der Iran-Krieg tobt seit über drei Monaten ohne klaren Sieg. Der Versuch, das Kennedy Center mit Trumps Namen zu versehen, scheiterte. Das Kampfsportkäfig-Spektakel am Weißen Haus am Sonntag gilt vielen Amerikanern als Geschmacksverirrung. In der Republikanischen Partei wächst die Furcht, dass Trumps erratische Führung bei den Wahlen im November den Verlust der Mehrheit bedeuten könnte. Im Zentrum steht die Wirtschaft: Sie ist vom Trump-Versprechen zur Trump-Wunde geworden. Eine Yougov/Economist-Umfrage Anfang Juni ergab, dass 63 Prozent seinen Umgang mit der Wirtschaft missbilligten; 57 Prozent sagten sogar, es werde noch schlechter. Das trifft den Kern seiner Marke. Trump verkaufte sich stets als Dealmaker, der für die breite Gesellschaft Rechnungen senkt und Wohlstand bringt. Bleiben Lebensmittel, Energie und Kredite teuer, wird aus dem „Businessman“ ein „Snake Oil Salesman“ – ein Scharlatan, der heiße Luft liefert.
Rufe nach Amtsenthebung werden lauter
Aus dieser Gemengelage entstehen Forderungen, die hinter vorgehaltener Hand auch bei Konservativen Anklang finden. Senator Ed Markey erklärte: „Mit jedem Tag wird deutlicher, dass Donald Trump instabil ist und eine klare und gegenwärtige Gefahr darstellt – nicht nur für das amerikanische Volk, sondern für die Welt.“ Trump müsse aus dem Amt entfernt werden, „bevor er unermesslichen und unfassbaren Schaden anrichtet“. Markey verlangt ein Amtsenthebungsverfahren oder die Anwendung des 25. Verfassungszusatzes, der das Ende von Trumps Amtszeit auf Kabinettsbeschluss bedeuten würde. Für beides gibt es derzeit keine Mehrheit. Doch Umfragen zeigen, dass der Gedanke der Amtsenthebung im Mainstream angekommen ist. Eine Strength-in-Numbers/Verasight-Erhebung vom April ergab 55 Prozent Zustimmung für ein Impeachment im Repräsentantenhaus; 37 Prozent waren dagegen, acht Prozent unentschieden. Unter Unabhängigen lag die Zustimmung bei 50 zu 28 Prozent, sogar 21 Prozent von Trumps eigenen Wählern aus dem Jahr 2024 befürworteten den Schritt. Eine zweite Umfrage von Lake Research Partners sah 52 Prozent der registrierten Wähler für eine Amtsenthebung und 40 Prozent dagegen. Dies sind keine verfassungsrechtlichen Mehrheiten, aber sie zeigen: Die Debatte über Trumps Amtsenthebung hat die Mitte der Gesellschaft erreicht.



