Trumps Jubiläumsfeier: Künstler fliehen, Präsident als Hauptact
Eigentlich sollte die „Great American State Fair“ auf der National Mall in Washington ein großes Volksfest zum 250. Geburtstag der USA werden: 56 Bundesstaaten und Territorien, Riesenrad, Karussell, Militär, Musik und Fressbuden. Doch die Feier der Freiheit droht zum Desaster zu werden, noch bevor der erste Hotdog gegessen ist. Immer mehr Künstler ziehen ihre Teilnahme an den „Freedom 250“-Konzerten zurück – aus Protest gegen die Vereinnahmung durch Präsident Donald Trump.
Künstler fliehen aus dem „giftigen Umfeld“
Martina McBride, Bret Michaels, die Commodores, Young MC, Morris Day and The Time – sie alle haben abgesagt. Sie waren gebucht worden für eine angeblich unpolitische Geburtstagsfeier, doch dann stellte sich heraus, dass die Veranstaltung von Trump-nahen Kreisen organisiert wird. McBride, die über 23 Millionen Tonträger verkauft hat, sprach von „irreführenden“ Angaben. Young MC erklärte, er trete nicht bei politisch aufgeladenen Events auf. Bret Michaels, Sänger von Poison, betonte: „Bei meinen Shows ging es nie um Politik.“
Vanilla Ice hingegen hält dem Präsidenten die Treue – er würde sogar für Putin auftreten, wie er scherzte. Flo Rida und andere zögern noch. Die Konzertreihe „Freedom 250“ ist nicht zu verwechseln mit der offiziellen, überparteilichen „America250“-Initiative. Sie ist ein Trump-nahes Parallelprojekt, das nach Wahlkampf riecht.
Trump: „Größer als Elvis“
Der Präsident reagierte auf den Künstler-Exodus mit Wut und Selbstverliebtheit. Auf Truth Social beschimpfte er die Aussteiger als überbezahlt und ohne „Spirit“. Er drohte, die Konzerte durch eine Großkundgebung zu ersetzen – mit sich selbst als Hauptattraktion. Er pries sich als „größten aller Zeiten“, als Nummer eins unter allen Zugpferden, größer als Elvis. Die Frage stellt sich: Kippt die Geburtstagsfeier einer stolzen Nation in die Privatfete eines Mannes, der die Republik mit sich verwechselt?
Käfigkampf vor dem Weißen Haus
Am 14. Juni, Trumps 80. Geburtstag, steigt auf dem Südrasen des Weißen Hauses „UFC Freedom 250“. Ein Stahlkäfig wächst in den Himmel – ein Oktagon, in dem sich Kämpfer im Mixed-Martial-Arts-Stil schlagen, würgen und treten werden. Trump nannte es eine „große Schlacht“. Dana White, UFC-Chef und langjähriger Trump-Freund, organisiert das Spektakel. Geplant ist eine Arena für 4000 geladene Gäste, dazu Public Viewing für 85.000 Menschen auf der Ellipse. Die Symbolik: Drinnen die Auserwählten, draußen das Volk, davor das Weiße Haus mit einem Präsidenten, der Politik als Kampfshow versteht.
Finanziell rechnet die UFC mit einem Nettoverlust von 30 Millionen Dollar, sieht aber einen enormen Werbewert. Sponsoren wie Crypto.com und Ram Trucks sind dabei. Die Kosten für die Rasenerneuerung: rund 700.000 Dollar.
Kritik an Personenkult
Viele Amerikaner finden das geschmacklos. Ein ehemaliger Beamter des Außenministeriums fragt: „Der 250. Geburtstag einer Republik verlangt vielleicht keine Sinfonie. Aber muss es ein Käfigkampf zum Geburtstag eines Präsidenten sein, der seinen Gegnern rhetorisch die Knochen bricht?“ Der frühere Bush-Redenschreiber David Frum spricht von einem „protzigen Personenkult“, der das Revolutionäre von 1776 ersetze. Trump verwandle den 4. Juli 2026 in einen „kolossalen nationalen ‚Tag des Trump‘“.



