Blut, Schweiß und Gebrüll: Trumps martialische Geburtstags-Gala am Weißen Haus
Trumps martialische Geburtstags-Gala am Weißen Haus

Ein umstrittenes Spektakel am Weißen Haus

So ein umstrittenes Brot-und-Spiele-Remmidemmi gab es noch nie am Weißen Haus. Donald Trumps runder Geburtstag am Wochenende machte es möglich. Der US-Präsident und die Martial-Arts-Organisation UFC pflegen seit Langem ein symbolisches Verhältnis, das jedoch auch um viel Geld geht. Alles, was man zum Käfig-Kampf-Spektakel wissen muss.

Die Eckdaten des Events

Die Veranstaltung ist Teil der Feiern zum 250-jährigen Bestehen der USA und extravagante Geburtstagsfeier zugleich. Donald Trump wird am 14. Juni 80 Jahre alt. Für etwa 5000 geladene Gäste wurde auf dem Südrasen des Weißen Hauses „The Claw“ gebaut, eine 28 Meter hohe, 600 Tonnen schwere Stahlkonstruktion über dem Oktagon, in dem sich Mixed-Martial-Arts-Kämpfer der UFC wie Ilia Topuria, Justin Gaethje, Alex Pereira, Ciryl Gane, Sean O’Malley und Aiemann Zahabi traktieren werden. Für den einfachen Fan ohne Extrawurst gibt es Großbildleinwände für bis zu 85.000 Zuschauer. Die eigentliche Masse aber wird am Fernseher gemacht. „Wir erwarten für diesen Kampf Zuschauerzahlen auf Super-Bowl-Niveau“, sagt UFC-Chef Dana White, ein enger Weggefährte Trumps – was bedeuten würde: mehr als 125 Millionen Menschen.

Gegen den Zirkus vor der Präsidentenresidenz läuft bei Bundesrichter Amit Mehta in Washington eine Eilklage. Susan Douglas und Paul Romano werfen dem National Park Service und dem Innenministerium vor, ein kommerzielles Sportereignis zu veranstalten, das den quasi-heiligen Grund zwischen Weißem Haus und Lincoln Memorial entweihen würde. Anwalt Brendan Ballou formuliert es härter: „Unsere öffentlichen Denkmäler sollten nicht für private Ausbeutung verliehen werden.“ Eine Entscheidung steht noch aus. Trump will die Fighter aus dem Oval Office hervortreten lassen – ein Bild mit maximaler Symbolik. Wenn denn das Wetter mitspielt. Zum Open-Air-Spektakel werden Unwetter mit Blitzschlag in der amerikanischen Hauptstadt erwartet. Dana White sorgt sich aber fast noch mehr um „Mücken, Motten und Fledermäuse“, die aufgrund der grellen Beleuchtung gen Oktagon fliegen könnten.

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Die Verbindung zwischen Trump und MMA

Als die „Ultimate Fighting Championship“ (UFC) Anfang der 1990er-Jahre aus der Taufe gehoben wurde und bei minimalen Regeln maximale Brutalität versprach, tickte der Zeitgeist anders. John McCain, einst republikanischer Präsidentschaftskandidat und Vietnamkriegsheld, nannte das Treiben „unamerikanisch“. Im Gefolge setzten 36 von 50 Bundesstaaten die Prügel-Show auf den Index, auch im Fernsehen. Die ersten UFC-Eigentümer gaben 2001 auf. Ihr Unternehmen wurde für zwei Millionen Dollar an die Las-Vegas-Casino-Leute Frank und Lorenzo Fertitta sowie an Dana White verkauft. White, heute einer der wirkungsmächtigsten Sport-Manager der Welt, leitete die Image-Korrektur ein. Ziel: Gewalt regulieren und gleichzeitig verherrlichen.

Dabei half Trump, indem er der UFC seine damaligen Casinos als Arena zur Verfügung stellte. Auf dem Republikanischen Nominierungsparteitag 2016 bedankte sich White bei Geburtshelfer Trump, der damals für seine erste Präsidentschaft kandidierte: „Niemand nahm uns ernst, niemand – außer Donald Trump!“ 2017 verkauften die Fertittas die UFC für mehr als vier Milliarden Dollar. Für viele Fans hat die Organisation ihr Schmuddel-Image von einst abgelegt. Man rühmt den Multikampfsport aus Boxen, Jiu-Jitsu, Ringen und Kickboxen, der sich in den USA einen festen Platz im Sport-Entertainment erkämpft hat.

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Überschneidungen zwischen UFC-Zuschauern und Trump-Wählern

Dana White hat die UFC über Jahre auf eine junge männliche Zielgruppe zugeschnitten, in der traditionelle Männlichkeit offen zelebriert wird. Heute sind 80 Prozent der Fans männlich und über die Hälfte ist zwischen 18 und 34 Jahre alt. Über die beharrliche Anwendung brutaler Gewalt zu Erfolg und Anerkennung zu kommen, haben Sozialforscher herausgefunden, wirkt hier besonders. Warum? Das Survey Center on American Life hat festgestellt, dass eine Mehrheit (51 Prozent) der jungen Männer im Alter von 18 bis 29 Jahren glaubt, dass es in der US-Gesellschaft „einige“ oder „viele“ Diskriminierungen gegenüber Männern gibt. Beim Käfigkampf finden sie Bestätigung und Heimat. Die UFC verkauft die Idee, dass jeder Mann im Käfig mit Hand und Fuß zeigen muss, was er kann. Menschen, die Politik als weich, links-elitär und verlogen empfinden, fühlen sich davon angezogen.

Der Journalist Sam Eagan sagt: „Trump hat die UFC nicht nur wegen ihrer Mainstream-Anziehungskraft angenommen, sondern als Erweiterung seiner eigenen gewalttätigen Marke.“ Die UFC nutze die rechte Politik Trumps, um ihre Marke weiter zu expandieren, während Trump das Publikum der UFC umarmt und es in Wählerstimmen verwandelt. Es herrscht ein Eine-Hand-wäscht-die-andere-Klima. Dazu passt: Außenminister Marco Rubio wird mit Dana White vor dem ersten Wirkungstreffer eine Absichtserklärung über Sportdiplomatie unterzeichnen. Die UFC soll im Weltmaßstab politisch geadelt werden. Dana White spricht unschuldig von unpolitischem Amüsement: „Ich liebe dieses Land so, wie jeder Linke dieses Land liebt. Ich liebe dieses Land so, wie jeder Rechte dieses Land liebt.“

Ideologischer Überbau mit Tendenz zu Trump

Der Theologe Josh Olds erkennt in dem UFC-Auftritt am Weißen Haus eine „Feier gewalttätiger männlicher Macht“, abgehalten zu Ehren einer Nation, „die durch Gewalt erobert, durch Gewalt erweitert, durch Gewalt verteidigt, durch Gewalt aufrechterhalten und durch Geschichten und Lieder über Gewalt gefeiert wird“. Trump habe „in seinen sexuellen Eskapaden, seiner politischen Rhetorik und seiner Regierungspolitik ein Leben lang dominierende Gewalt an den Tag gelegt“. Die „Verherrlichung gewalttätiger männlicher Macht“ spiegele sein „Verständnis sowie seine Vision für die Nation wider“. Seine von Gewalt geprägte Geburtstagsfeier sei keine Abweichung von der amerikanischen Geschichte – sondern geradezu deren „Verkörperung“. Für Trump und seine „Make America Great Again“-Bewegung ist der Käfig vor dem Weißen Haus ein Triumph. Botschaft: Hier residiert nicht die feine Republik mit staatstragendem Orchester, sondern die Kämpfer-Republik. Der Präsident, der Politik als Knock-out-Kunst versteht, bekommt als Gastgeber und ideeller Ober-Kampfrichter den besten Platz auf der Bühne.

Die finanzielle Seite

UFC-Boss Dana White behauptet, seine Organisation werde bei dem Abend rund 30 Millionen Dollar verlieren. Möglich ist das, wenn man die Kosten für Bau, Infrastruktur und Technik miteinrechnet. Aber: Besonders zahlungskräftige Promis müssen für VIP-Pakete mit Rundumbetreuung 1,5 Millionen Dollar hinlegen, pro Person. Auch der Werbewert dürfte kaum zu beziffern sein. Laut „Time“-Magazin ist die UFC ein 1,5-Milliarden-Dollar-Geschäft. Seit 2025 hängt die Liga an einem 7,7-Milliarden-Dollar-Deal mit Paramount+. Auf dem TV-Sender, geführt von Trumps Vater-und-Sohn-Freunden Larry und David Ellison, wird die White-House-Show im Bezahlfernsehen übertragen. Wenn denn die Mücken nicht alles zerstechen.