Polens Regierungschef Donald Tusk hat die zunehmende Gewalt gegen Ukrainer in seinem Land scharf verurteilt. Anlass ist ein brutaler Angriff auf ein ukrainisches Paar in Breslau (Wroclaw), bei dem die Täter nationalistisch motiviert handelten. „Das alles wird gerade zerstört, wenn wir zulassen, dass Banditen, Hooligans und gewöhnliche Kriminelle Menschen schlagen und erniedrigen, nur weil sie einen etwas anderen Akzent haben“, sagte Tusk in Warschau.
Angriff mit Schlagring und Tritten
Der Vorfall ereignete sich am Sonntag in Breslau. Nach Polizeiangaben eskalierte ein Streit in einem Laden. In sozialen Netzwerken verbreitete Videoaufnahmen zeigen, wie drei Männer eine junge Ukrainerin und ihren Partner zusammenschlagen. Die Angreifer traten auf den am Boden liegenden Ukrainer ein; die Frau wurde mit einem Schlagring am Kopf getroffen und erlitt Verletzungen am Ohr. Die Polizei nahm zwei Tatverdächtige fest, die beide einschlägig vorbestraft sind. Eine Sprecherin erklärte, der Tat liege ein „nationalistisch motiviertes Aggressionsmotiv“ zugrunde.
Reaktion aus Kiew und innenpolitische Spannungen
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha forderte am Montag auf X eine unparteiische und objektive Untersuchung. Er appellierte an „bestimmte polnische Politiker“, die Feindseligkeiten nicht weiter zu schüren – eine Anspielung auf Polens Staatsoberhaupt Karol Nawrocki. Nawrocki hatte kürzlich in einem Geschichtsstreit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Polens höchsten Orden entzogen, was die anti-ukrainische Stimmung im rechten Lager befeuerte. Tusk rief Nawrocki dazu auf, nicht länger zur Gewalt gegen Ukrainer zu schweigen.
Steigende Hassverbreiten trotz anfänglicher Solidarität
Schon vor dem russischen Angriffskrieg lebten Hunderttausende Ukrainer in Polen. Nach Kriegsbeginn nahm Polen viele Flüchtlinge auf und integrierte sie; derzeit leben rund 1,5 Millionen ukrainische Staatsbürger im Land. Doch mehr als vier Jahre nach Kriegsbeginn wachsen die Ressentiments. Die Zeitung „Rzeczpospolita“ berichtete unter Berufung auf Polizeistatistiken, dass allein im ersten Halbjahr 2026 180 Fälle von Hassverbrechen gegen Ukrainer gemeldet wurden – ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum.



